Der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini reicht zwei Klagen gegen Fifa-Boss Gianni Infantino ein. Der Zeitpunkt kann kaum Zufall sein. Michel Platini geht gerichtlich gegen Fifa-Boss Gianni Infantino vor. Wenige Tage vor dem Start der Fußball-WM hat der ehemalige Uefa-Präsident Platini zwei Klagen gegen den Schweizer eingereicht. Die Vorwürfe wiegen schwer. Demnach bezichtigt der Franzose den mächtigen Fifa-Boss Infantino der Verschwörung gegen ihn. Nun soll sich die französische Justiz der Sache annehmen. Die Fehde zwischen Platini und Infantino reicht weit zurück. Ursprünglich arbeiteten beide Männer eng zusammen, Platini als Uefa-Boss, Infantino als Generalsekretär des europäischen Verbands. Doch im Jahr 2015 kam es zum Bruch zwischen den beiden machtbewussten Funktionären. Nach dem Sturz des mächtigen Fifa-Bosses Sepp Blatter galt der ehemalige französische Weltklassespieler Michel Platini als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge an der Spitze des Fußball-Weltverbands. Doch dann kam die Justiz dazwischen. Am Morgen des 27. Mai 2015 führten Züricher Kantonspolizisten im Nobelhotel Baur au Lac eine Razzia durch und nahmen sieben hochrangige Fifa-Funktionäre fest. Der Vorwurf lautete: Korruption bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Zwar wurde Blatter beim zeitgleich in Zürich stattfindenden Fifa-Kongress zunächst als Präsident wiedergewählt, doch nur wenige Tage später musste er unter dem Druck der Korruptionsermittlungen zurücktreten. Platini zog Kandidatur zurück, Infantino wurde gewählt Der damalige Uefa-Präsident Platini sollte Blatter eigentlich im Amt beerben. Doch dazu kam es nicht. Wegen einer umstrittenen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken , die Blatter an Platini angewiesen hatte, wurde gegen beide ein Betrugsverfahren eröffnet. Die Fifa-Ethikkommission sperrte Platini daraufhin für acht Jahre und schloss ihn von sämtlichen Aktivitäten im Weltverband aus. Platini zog seine Kandidatur für den Fifa-Vorsitz schließlich zurück, um „seinen Namen reinzuwaschen“, wie er im Januar 2016 sagte. Die Karriere des Franzosen als hochrangiger Fußballfunktionär war damit endgültig vorbei, ein jahrelanges Verfahren mit strafrechtlichen Ermittlungen schloss sich an. Im Februar 2016 wurde der damalige Uefa-Generalsekretar Gianni Infantino zum Fifa-Präsidenten gewählt. Ein Amt, das er bis heute innehat. Infantino ist mächtiger denn je, Platini wurde erst im März 2025 von einem Schweizer Gericht endgültig von allen Vorwürfen des Betrugs freigesprochen. Ebenso wie Blatter. Die Betrugsvorwürfe konnten nie belegt werden. Nun will Platin den amtierenden Fifa-Präsidenten Infantino vor Gericht zerren. Der 70-Jährige hat in Frankreich zwei Klagen eingereicht, neben Infantino richten sich diese auch gegen weitere ehemalige Fifa-Funktionäre. Das geht aus einer Erklärung Platinis wenige Tage vor dem Start der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada hervor, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. Darin heißt es unter anderem, die französische Justiz habe „die Aufgabe, die gegen den französischen Fußballspieler Michel Platini geschmiedete Verschwörung vollständig aufzudecken, die darauf abzielte, ihn daran zu hindern, die ihm versprochene Fifa-Präsidentschaft anzutreten“. Platini: „Mit frei erfundenen Vorwürfen zu Fall gebracht“ Offenbar hält Platini den Schweizer Infantino für den Drahtzieher hinter den damaligen Ermittlungen gegen ihn. Auf gerichtlichem Wege will Platini nun versuchen, „Entschädigung für alle Schäden zu erwirken, die ihm durch die Taktiken entstanden sind, mit denen seine Wahl zum Fifa-Präsidenten verhindert wurden“, hieß es. Zuvor hatte Platini in der Schweiz bereits zwei separate Anzeigen erstattet, keine davon kam vor Gericht. Nun probiert Platini es in Frankreich. Die Zivilklage, die von seinem Anwalt Olivier Baratelli eingereicht wurde, zielt auf Schadenersatzansprüche gegen die Fifa ab. Zudem reichte Platini auch Strafanzeige gegen Infantino sowie gegen die ehemaligen Fifa-Funktionäre Domenico Scala und Marco Villiger ein. Das Trio wird darin der böswilligen Strafverfolgung und der Einflussnahme beschuldigt. In der Strafanzeige wird zudem ein Untersuchungsrichter gebeten, die mögliche Verwicklung von drei hochrangigen Schweizer Justizbeamten in die mutmaßliche Verschwörung zu prüfen. In einer Erklärung, die Platinis Sprecher am Montag veröffentlichte, fordert er, dass „rechtlich anerkannt“ werde, dass er mit „völlig erfundenen Vorwürfen zu Fall gebracht“ wurde, um ihn daran zu hindern, Fifa-Präsident zu werden. Dass der Zeitpunkt der Anzeige zufällig gewählt wurde, glauben wohl nur die wenigsten Beobachter: Am Donnerstag beginnt in Mexiko-Stadt die Weltmeisterschaft 2026 , die Augen der Weltöffentlichkeit sind derzeit auf Infantino und den Fußballverband gerichtet. Der perfekte Zeitpunkt für Platini, „um Rache zu üben“, wie unter anderem die „New York Times“ schreibt. Fifa-Boss Infantino hat jedenfalls für Mittwoch eine außerplanmäßige Pressekonferenz angesetzt. Das kommt bei ihm nur äußerst selten vor.