WM 2026: Schiedsrichter Omar Artan darf nicht einreisen – keine Fifa-Folgen

Zwei Tage vor dem Beginn der WM 2026 wird einem nominierten Schiedsrichter die Einreise in die USA verweigert. Die Planungen der Fifa beeinträchtigt das wohl nur bedingt. Der Start des Großereignisses steht kurz bevor: Am Donnerstag wird im Aztekenstadion die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko eröffnet. Zwei Tage vor dem Auftakt wird allerdings weniger über sportliche Dinge debattiert als um das Drumherum. So rückt das Vorgehen US-amerikanischer Behörden bei der Einreise von Offiziellen zunehmend in den Fokus – besonders, seit Fifa-Schiedsrichter Omar Artan die Einreise verwehrt wurde. Der Somalier, 2025 vom afrikanischen Fußballverband Caf zum Schiedsrichter des Jahres gewählt, durfte sich vor wenigen Wochen über die erste WM-Nominierung eines somalischen Unparteiischen freuen. Als er am Montagabend deutscher Zeit jedoch in die USA einreisen wollte, dürfte seine Freude gewaltiger Enttäuschung gewichen sein. Denn nach seiner Landung in Miami wurde er an den Kontrollen trotz eines gültigen Visums abgewiesen. US-Fans feiern deutsche Mannschaft: „Das passiert nur einmal im Leben“ Kurz vor der WM : Diese Nachricht kann die Fifa gar nicht gebrauchen Die US-Grenzschutzbehörde CBP sprach in einer Mitteilung von „einer zusätzlichen Kontrolle“, die bei Artan Anwendung fand. Offiziellen Angaben zufolge sei dies „ein routinemäßiger Bestandteil des Kontrollverfahrens der CBP, wenn Beamte Informationen überprüfen oder die Einreiseberechtigung feststellen müssen“. Dem Schiedsrichter wurde letztlich „aufgrund von Sicherheitsbedenken“ die Einreise verwehrt. Hintergrund dürfte die unter US-Präsident Donald Trump im großen Stil ausgeweitete Verbotsliste sein, die Menschen aus 75 Nationen mit Beschränkungen für die Einreise belegt . Auf dieser steht auch Somalia. Er sei „sehr, sehr enttäuscht“, sagte Artan der „New York Times“. Er sei „einfach nur ein Schiedsrichter“, der versuche, sich mit der WM-Teilnahme den größten Traum seines Lebens zu erfüllen, so Artan weiter. Formelle Fehler seien ihm nicht unterlaufen: „Ich hatte die richtigen Papiere und alles andere. Ich hatte das richtige Visum.“ Seine Vermutung: „Ich denke, sie haben ein Problem mit meinem Land.“ Nach anfänglichen Irritationen bezüglich möglicher Konsequenzen meldete sich die Fifa am Dienstag – aber anders als erwartet. „Die Fifa kann bestätigen, dass der Schiedsrichter Omar Artan nicht an der Fifa-Weltmeisterschaft 2026 teilnehmen und dort Spiele leiten kann, nachdem ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde“, erklärte der Weltverband in einer Stellungnahme. Dies steht im krassen Widerspruch zu einem Versprechen, das Fifa-Präsident Gianni Infantino erst im August 2025 gemacht hatte: „Ich halte es für wichtig, dies klarzustellen. Es gibt viele Missverständnisse. Bei der Fifa-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sind alle in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten willkommen. Genau darauf arbeiten wir hin.“ Artan darf nicht einmal in Kanada oder Mexiko pfeifen Anstatt sich für Afrikas Schiedsrichter des Jahres und sein eigenes Versprechen einzusetzen, knickt der Weltverband nun vor der US-Politik ein. „Wie bei früheren Fifa-Veranstaltungen entscheidet letztlich die Regierung des Gastgeberlandes, wer ein Visum erhält und wer in das Land einreisen darf“, teilte der Verband weiter mit. Auch hier wird das Problem deutlich, denn die Fifa hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie sehr wohl zum Reagieren in der Lage ist. 2023 entzog der Weltverband Indonesien die Ausrichtung der U20-WM, nachdem sich Politiker für den Ausschluss Israels ausgesprochen hatten. 2026 hätte eine mögliche Reaktion nun darin bestanden, Artan als Kompromiss nur für Spiele in Kanada und Mexiko einzusetzen. Immerhin 26 der 104 Partien finden außerhalb der USA statt. Warum sich die Fifa gänzlich gegen eine Teilnahme des ursprünglich nominierten Schiedsrichters entschied, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage von t-online ließ der Weltverband unbeantwortet. Auch ist offen, ob ein anderer Schiedsrichter für Artan nachnominiert wird. Für die Spielleitung wurden ursprünglich 52 Unparteiische berufen. Selbst mit einem Schiedsrichter weniger dürfte die Abwicklung der 104 Spiele kein Problem darstellen. Zumal ein Nachnominierter derart kurzfristig wohl nicht an ein US-Visum käme. Sollte die Fifa wider Erwarten doch einen Nachrücker berufen, so dürfte es sich um einen Nordamerikaner handeln. Klar ist zumindest, dass kein Spiel kurzfristig neu besetzt werden muss. Die Fifa informiert erst knapp 48 Stunden vor dem Anpfiff darüber, welcher Schiedsrichter das jeweilige Spiel leitet. Offiziell war Artan daher auch noch für keine Partie eingeteilt. Einen organisatorischen Mehraufwand zieht die Ausweisung des somalischen Schiedsrichters für die Fifa also nicht nach sich, sehr wohl aber einen weiteren, gewaltigen Kratzer im eigenen Image. „Ich lache, aber es ist nicht lustig“, kommentierte die englische Fußballlegende Ian Wright das Geschehen. „Das ist eine Weltmeisterschaft des Chaos.“