Sinner, Sabalenka und Co. setzen die Grand-Slam-Veranstalter mit einer ungewöhnlichen Aktion unter Druck. Rückendeckung kommt von einem dreifachen Wimbledon-Champion. Kurz vor dem Start der French Open in Paris haben die Tennisprofis ihren Unmut über die Preisgeldverteilung bei Grand-Slam-Turnieren öffentlich gemacht. Am offiziellen Medientag am Freitag beendeten sie ihre Pressekonferenzen nach exakt 15 Minuten – als symbolischer Verweis auf ihren Einnahmeanteil von rund 15 Prozent. Sie fordern 22 Prozent. Nun hat sich auch der ehemalige Tennis-Profi Boris Becker dazu geäußert. In einer Eurosport-Medienrunde sagte der dreimalige Wimbledon-Champion: „Ich kann die Spieler verstehen, eine Tenniskarriere kann morgen vorbei sein. Ja verdammt nochmal, wenn ihr so viel Geld verdient, gebt es doch aus an Preisgeldern auch in den Anfangsrunden für Spieler, die das zum Überleben brauchen.“ Eine Erhöhung auf 22 Prozent sei für ihn „fair“ – auch mit Blick auf die US-Profiligen: „Die wollen jetzt nicht 50 Prozent wie die anderen Sportarten, sondern 7 Prozent mehr.“ Der Konflikt schwelt seit Längerem. Schon im April 2025 hatten prominente Profis der ATP- und WTA-Tour in einem gemeinsamen Schreiben an die Organisatoren der vier Grand-Slam-Turniere eine Beteiligung von 22 Prozent an den Einnahmen gefordert. Als das Preisgeld für die French Open in diesem Frühjahr mit 61,7 Millionen Euro bekanntgegeben wurde – 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr –, regte sich erneut Widerstand. Jannik Sinner , Aryna Sabalenka und Alexander Zverev äußerten in einem Brief an die Veranstalter von Roland Garros ihre „tiefe Enttäuschung“ über das geplante Preisgeld. Vertrag war nur bis 2027 gültig: Zukunft von deutschem Handball-Bundestrainer klar Die Weltranglistenerste Sabalenka erklärte gegenüber, warum sie sich einbringt: „Als Nummer eins der Welt habe ich das Gefühl, dass ich mich einsetzen und für die Spieler kämpfen muss – für die Spieler mit schwächeren Rankings, für Spieler, die nach Verletzungen zurückkehren, und für die nächste Generation.“ Die deutsche Tennisspielerin Eva Lys schloss sich an: „Ich bin auf jeden Fall dafür, dass etwas verändert werden muss. Deswegen stimme ich allen zu, die das auch so durchziehen wollen.“ Turnierdirektorin Amélie Mauresmo räumte ein, die Situation belaste sie. Änderungen für dieses Jahr lehnte sie dennoch ab: „Wir werden jetzt keine Änderungen vornehmen, wir werden aber Gespräche anstoßen. Das ist letztendlich der Wunsch aller Beteiligten.“ Der französische Tennisverband FFT betont, Investitionen in Infrastruktur und Tennisförderung müssten mitgerechnet werden. Turnierfavorit Sinner, einer der Wortführer des Konflikts, brachte die Forderung auf den Punkt: „Es geht mehr um den Respekt. Ich denke, wir geben mehr als das, was wir zurückbekommen.“
French Open: Boris Becker schaltet sich in Prämien-Streit beim Tennis ein
Kategorie(n): Allgemein
Gladbach holt Konoplya von Shakthar – Aktuell nur ein Rechtsverteidiger im Kader
Kategorie(n): Allgemein
Borussia Mönchengladbach steht vor der Verpflichtung von Yukhym Konoplya von Shakhtar Donetsk. Der Pay-TV-Sender „Sky“ bestätigt einen ukrainischen Medienbericht, wonach der…
David Alaba: Ex-Bayern-Profi verlässt Real Madrid im Sommer
Kategorie(n): Allgemein
Real Madrid verlängert den Vertrag von David Alaba nicht – der 33-jährige Österreicher verlässt den Klub zum 30. Juni. Am Samstag wird er im Bernabéu verabschiedet, danach wartet bereits das nächste große Kapitel. Nach fünf Jahren bei Real Madrid endet die Zeit von David Alaba in der spanischen Hauptstadt. Der österreichische Nationalspieler verlässt den Rekordmeister zum 30. Juni – sein Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert. Beim letzten Heimspiel der Saison am Samstag (21.00 Uhr) gegen Athletic Bilbao soll Alaba im Bernabéu verabschiedet werden. Das gab der Verein bekannt. In seiner Zeit bei Real gewann der Innenverteidiger elf Titel – darunter zweimal die Champions League (2022 und 2024) und zweimal die spanische Meisterschaft. Die Zeit des früheren Bayern-Profis in Madrid war von schweren Verletzungen geprägt. Ende 2023 erlitt Alaba einen Kreuzbandriss und fiel über ein Jahr aus. Ein Meniskusriss setzte ihn im Sommer 2025 erneut lange außer Gefecht. In dieser Saison bestritt er nur 15 Pflichtspiele. In einer Vereinsmitteilung hieß es, Real wolle einem Spieler, „der Teil einer Mannschaft war, die in einer der erfolgreichsten Perioden unserer Geschichte glänzte, seine Dankbarkeit und seine ganze Zuneigung zeigen“. Klubpräsident Florentino Pérez ergänzte: „Real Madrid wird immer sein Zuhause sein.“ Nach dem Abschied reist Alaba als Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft zur WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli). Wo er danach seine Karriere fortsetzt, ist offen. Berichten zufolge sollen Inter Mailand und Juventus Turin Interesse haben – ebenso Klubs aus Saudi-Arabien.
Ex-Weltmeister Podolski beendet Karriere – Nur vier Spieler trugen häufiger das DFB-Trikot
Kategorie(n): Allgemein
Einen Tag nachdem Lukas Podolski den polnischen Klub Górnik Zabrze gekauft hat, verkündete der 40 Jahre alte Angreifer sein Karriereende. „Weltmeister Lukas Podolski wird an…
DEB-Team in Torlaune: Hoffnung auf das Viertelfinale steigt
Kategorie(n): Allgemein
Jubel in Zürich: Nach dem ersten WM-Sieg in der Schweiz kann die Eishockey-Nationalmannschaft wieder von der K.-o.-Runde träumen. Am Samstag wartet Österreich. Der erste Sieg ist perfekt, die Chance auf das Viertelfinale intakt: Mit einem klaren Erfolg gegen Ungarn hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft den ersten Schritt für die K.o.-Runde bei der WM in der Schweiz getätigt. Mit drei Toren führte Mannheims Leon Gawanke das Team von Bundestrainer Harold Kreis zu einem klaren 6:2 (2:0, 2:0, 2:2). Am Samstag (20.20 Uhr/ProSieben und Magentasport) gegen Österreich und zwei Tage später gegen Großbritannien müssen zwei weitere Siege folgen. „Das war heute ein gelungener Abend“, sagte Dreifach-Torschütze Gawanke bei ProSieben. „Am Samstag wartet ein sehr wichtiges Spiel gegen Österreich auf uns. Wir können jetzt mit Selbstbewusstsein und Vorfreude in das Spiel gehen.“ Vor allem die Art und Weise der vergangenen beiden Auftritte machte den Verteidiger zuversichtlich. „Wir gehen hier mit einem sehr guten Gefühl raus.“ Neben Gawanke (20. Minute/42./50.) waren auch Berlins Abwehrspieler Eric Mik (9. Minute) sowie NHL-Profi Lukas Reichel (40.) von den Boston Bruins und Nürnbergs Samuel Dove-McFalls (40.) für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes erfolgreich. Noch ohne Karachun Der am Donnerstag kurzfristig nachnominierte Alexander Karachun von den Schwenninger Wild Wings stand noch nicht im Kader. Der 31-Jährige reiste für den aufgrund eines Handbruchs bereits abgereisten Neu-Kölners Daniel Fischbuch nach Zürich. Zuvor hatte Marcel Noebels angeschlagen abgesagt, Dominik Bokk weilt bereits im Urlaub. Auf dem Eis dominierte die deutsche Mannschaft die Partie, unterstützt von zahlreichen Schulklassen in der Arena. Allerdings dauerte etwas, bis die deutschen Fans jubeln konnten. Erst scheiterte der elfte Versuch, in Überzahl zu treffen. Nur Italien blieb bislang ebenfalls ohne Tor mit einem Spieler mehr auf dem Eis. Abwehrspieler treffen Dann stachen die deutschen Verteidiger zu: Der Berliner Mik (9.) erlöste das Kreis-Team mit einem Schuss aus der Distanz. Ungarns Keeper Bence Balizs wurde dabei durch Bremerhavens Nico Krämmer komplett die Sicht genommen. Der Führungstreffer brachte weitere Sicherheit und dann gelang die ersehnte Premiere: Gawanke (20.) von den Adler Mannheim traf kurz vor dem Ende des ersten Drittels endlich in Überzahl. „Die Jungs legen sich die Ungarn jetzt zurecht“, sagte der frühere Bundestrainer Uwe Krupp bei ProSieben. Der frühere NHL-Profi sollte recht behalten. Ungarn wirkte hilflos, Deutschland war mit der Offensiv-Power überlegen. Es fehlte jedoch lange Zeit die Effizienz. Ungarns Torhüter Balizs stand durchgehend im Mittelpunkt und konnte zahlreiche Versuche der deutschen Profis bis kurz vor Ende des zweiten Durchgangs abwehren. Dann entschieden NHL-Stürmer Reichel mit seinem ersten Turniertreffer (40.) und Samuel Dove-McFalls (40.) von den Nürnberg Ice Tigers endgültig die Partie. 28:4-Torschüsse nach 40 Minuten spiegelte die Dominanz der DEB-Auswahl nur bedingt wider. Gawanke trifft und trifft Gegen Ungarn präsentierten sich die Abwehrspieler weiter angriffslustig. Gawanke (42.) lenkte kurz nach Beginn des dritten Drittels den Puck zum 5:0 ins ungarische Netz. Die klare Führung ließ die deutsche Mannschaft etwas nachlässiger werden. Tamas Sarpatki (45.) konnte mit einem der wenigen ungarischen Torschüsse auf 1:5 verkürzen. Ungarn gelang sogar noch ein zweiter Treffer. Bundestrainer Kreis ließ das Tor jedoch wegen Torhüterbehinderung an Philipp Grubauer überprüfen und bekam recht. Beim Spiel gegen die USA (3:4) verzichtete Kreis beim 3:3-Ausgleich noch auf eine Prüfung und sorgte für Verwunderung bei den Nationalspielern. Zweite Challenge nicht erfolgreich Gegen Ungarn war in der Offensive weiter auf Gawanke verlass. Mit seinem dritten Treffer erhöhte der 26-Jährige auf 6:1. Auch das 2:6 durch Janos Hary (58.) ließ Kreis challengen und wegen angeblichen Abseits überprüfen. Diesmal zählte der Treffer. Am klaren deutschen Erfolg änderte das nichts mehr. „Das war sehr erfreulich“, sagte Kreis. „Das war ein wichtiger Sieg heute, wir dürfen keine Punkte mehr abgeben.“
Julian Nagelsmann: Bundestrainer lehnte Job bei 1860 München ab
Kategorie(n): Allgemein
Nach Stationen in Hoffenheim, Leipzig und München ist Julian Nagelsmann nun Nationaltrainer. Hätte er zu Beginn seiner Laufbahn ein spezielles Angebot angenommen, wäre es dazu womöglich nicht gekommen. Eine Entscheidung hätte die ganze Karriere von Julian Nagelsmann auf den Kopf stellen können: Denn der ehemalige Zweitliga-Trainer Alexander Schmidt hatte 2012 versucht, Nagelsmann von einem Engagement beim TSV 1860 München zu überzeugen. „Ich wollte ihn als Co-Trainer in die 2. Bundesliga holen, aber da hat er mir dann abgesagt“, erzählt Schmidt im t-online-Podcast „Julian Nagelsmann – The Youngest One“. Schmidt übernahm die Cheftrainer-Position der „Löwen“ im November 2012 und wollte in München wieder mit seinem ehemaligen Schützling zusammenarbeiten. Zunächst war Nagelsmann Jugendspieler unter Schmidt, anschließend sein Co-Trainer in der U17 des TSV 1860. Dann trennten sich die Wege, da Nagelsmann als U17-Trainer zur TSG Hoffenheim wechselte. „Es war jetzt auch nicht so schlecht, Co-Trainer in der zweiten Liga zu werden. Aber er war in Hoffenheim im Jugendbereich sehr angesehen und auf dem Weg nach oben. Vielleicht hat er gespürt, dass da etwas geht“, spekuliert Schmidt über die Gründe für die Jobabsage. Und tatsächlich wurde rund drei Wochen später Markus Babbel als Trainer der TSG Hoffenheim entlassen und Julian Nagelsmann als Co-Trainer in die erste Mannschaft berufen. Statt 2. Bundesliga war er nun mitten im Abstiegskampf der Bundesliga. Nagelsmann arbeitete unter drei verschiedenen Cheftrainern Es lässt sich nur mutmaßen, ob es mit Nagelsmann an der Seite für Schmidt in München anders gelaufen wäre. Aber er wurde bereits nach 28 Spielen wieder entlassen. Elf Siege, acht Unentschieden und neun Niederlagen waren zu wenig für die damals hohen Ansprüche im Klub. Heute arbeitet Schmidt als Trainer und Sportdirektor beim Regionalligisten Chemie Leipzig. Auch Nagelsmann lernte als Co-Trainer direkt das harte Business der Bundesliga kennen. Nach seiner Beförderung gab es noch zwei Trainerwechsel , die seine Rolle jedoch nicht beeinflussten. Zunächst übernahm Frank Kramer, dann Marco Kurz, aber am Ende gelang der Klassenerhalt für Hoffenheim in der Relegation unter Markus Gisdol. „Julian Nagelsmann – The Youngest One“ ist ein Podcast von t-online und watson und auf allen gängigen Streamingplattformen verfügbar. Neue Folgen erscheinen immer freitags.
French Open 2026: Tennis-Stars winken Rekord-Preisgelder
Kategorie(n): Allgemein
Bei den French Open geht es nicht nur um Prestige und Weltranglistenpunkte. Auch finanziell lohnt sich ein erfolgreicher Lauf in Paris. Es winken den Tennisprofis Millionenprämien. Mit den French Open steht ab Ende Mai der zweite Grand Slam des Tennisjahres an. In Paris kämpfen die besten Spielerinnen und Spieler der Welt vom 24. Mai bis 7. Juni um den Titel auf Sand. Bereits ab dem 18. Mai beginnt die Qualifikation. Für die Profis geht es dabei nicht nur um Ruhm und Punkte für die Weltrangliste. Auch das Preisgeld ist bei Roland Garros enorm. Bei der 125. Ausgabe des Turniers geht es um so viel Geld wie noch nie. Insgesamt 61,7 Millionen Euro werden bei dem Turnier ausgeschüttet. Selbst Spieler, die bereits in der ersten Runde ausscheiden, dürfen sich noch über hohe Einnahmen freuen. 2,8 Millionen Euro für den Turniersieg Die Siegerin und der Sieger im Einzel erhalten bei den French Open 2026 jeweils 2,8 Millionen Euro. Die unterlegenen Finalisten bekommen immerhin noch 1,4 Millionen Euro. Wer es bis ins Halbfinale schafft, kassiert 750.000 Euro. Alexander Zverev erreichte im vergangenen Jahr das Viertelfinale. Für diesen Erfolg gibt es in diesem Jahr 470.000 Euro, im Achtelfinale winken noch 285.000 Euro. Schon frühes Aus lohnt sich finanziell Auch ein früher Turnierabschied bringt in Paris noch ein beachtliches Preisgeld ein. Für das Erreichen der dritten Runde erhalten die Profis 187.000 Euro, in Runde zwei sind es 130.000 Euro. Selbst wer direkt zum Auftakt ausscheidet, geht nicht leer aus. Für die Teilnahme am Hauptfeld werden 87.000 Euro ausgezahlt. Runde Preisgeld 1. Quali-Runde 24.000 Euro 2. Quali-Runde 33.000 Euro Quali-Finale 48.000 Euro 1. Runde 87.000 Euro 2. Runde 130.000 Euro 3. Runde 187.000 Euro Achtelfinale 285.000 Euro Viertelfinale 470.000 Euro Halbfinale 750.000 Euro Finale 1.400.000 Euro Sieger 2.800.000 Euro Auch die Qualifikation ist finanziell attraktiv. Wer die letzte Quali-Runde erreicht, erhält 48.000 Euro. In der zweiten Qualifikationsrunde gibt es 33.000 Euro, für das Aus in Runde eins noch 24.000 Euro. Bei den French Open erhalten Männer und Frauen identische Preisgelder. Roland Garros gehört mit der hohen Gewinnsumme wie die anderen Grand-Slam-Turniere zu den prestigeträchtigsten und lukrativsten Events im Tennis-Kalender.
Fast fix: Gladbach gelingt Überraschungstransfer
Kategorie(n): Allgemein
Borussia Mönchengladbach ist bereits hochaktiv auf dem Sommertransfermarkt. Nach Daniel Batz und David Herold ist der nächste Neuzugang im Anflug.Borussia Mönchengladbach kann bald die nächste (…)
Maduka Okoye: Serie-A-Torwart über „riskante Zeit“
Kategorie(n): Allgemein
Maduka Okoye zählt zu den besten Torhütern der Serie A. Dabei konnte er viele Jahre kein Fußball spielen. Sein Weg nach oben ist ein untypischer. Den Namen Maduka Okoye kennen Fußballfans in Deutschland nur vereinzelt. Dabei ist der in Düsseldorf aufgewachsene Deutsch-Nigerianer Stammtorhüter in einer der besten Ligen der Welt. Okoye ist die Nummer eins bei Udinese Calcio, ohne auch nur eine Minute in der Bundesliga gespielt zu haben. Über die Niederlande und England führte sein Weg nach Italien, wo er sich einen Namen gemacht hat. Dabei sah es früh in seiner Karriere nicht danach aus, als würde aus Okoye ein Profi werden. Denn als Teenager brach er sich die Kniescheibe. Es folgte eine herausfordernde Zeit, die ihn auch auf die schiefe Bahn hätte führen können. t-online: Herr Okoye, als Teenager mussten Sie vier Jahre mit dem Fußball pausieren. Heute stehen Sie im San Siro in Mailand oder im Stadio Olimpico in Rom im Tor. Hätten Sie das gedacht? Maduka Okoye: Komischerweise hatte ich in diesen vier Jahren nie das Gefühl, dass es nicht klappen könnte. Woher das kommt, weiß ich nicht. Aber irgendwie war ich mir unterbewusst sicher, dass ich meinen Weg gehen werde. Und ich hatte einen Riesensupport von meinen Eltern. Jetzt im April im San Siro gewonnen zu haben, das war ganz besonders. Sie stammen aus einer schwierigen Gegend in Düsseldorf-Oberbilk. Aus Ihrem Umfeld sind auch einige Personen auf die schiefe Bahn geraten. Das hätte Ihnen in diesen vier Jahren auch passieren können, oder? Ja, auf jeden Fall. Als ich verletzt war, war ich so 14, 15 Jahre alt. Das ist genau die Zeit, in der sich viele entschieden haben, wo es für sie hingeht. Das war eine riskante Zeit für mich. Aber ich habe den Test, Gott sei Dank, bestanden und bin auf dem geraden Weg geblieben. Ich habe viele Jungs gesehen, die leider den anderen Weg gegangen sind. Jungs, die unglaubliche Kicker waren. Dazu zählt auch mein Bruder, der ein Topspieler war. Der Grat zwischen richtig und falsch war damals ein sehr schmaler bei uns. Was hat Sie denn davon abgehalten, den falschen Weg zu nehmen? Ich hatte das Glück, der kleine Bruder von einem gestandenen Burschen in der Gegend zu sein, auf den immer aufgepasst werden musste. Ich durfte nie in Kontakt mit Drogen, Zigaretten oder Alkohol kommen. Deshalb wurde ich von den Älteren beschützt. Sie sagten mal, dass der ehemalige Bundesliga-Torwart Mohamed Amsif Ihr Onkel sei und auch eine prägende Rolle gespielt habe. Onkel sagt man so bei uns (lacht). Die Älteren in Oberbilk sind unsere Onkel gewesen. Er war damals der Erste aus unserer Gegend, der es geschafft hat. War bei Schalke Ersatztorwart von Manuel Neuer und hat Bundesliga gespielt. Amsif hatte einen großen Einfluss auf uns Kids, weil er uns gezeigt hat: Du kannst es schaffen, auch wenn du hinterm Bahnhof groß wirst. Ihr Weg aus Oberbilk in die Serie A ist ein untypischer. Bei Fortuna Düsseldorf erhielten Sie keinen Profivertrag, wechselten daraufhin zu Sparta Rotterdam, wo Ihnen der Durchbruch gelang. Über den FC Watford in England ging es dann zu Udinese Calcio, wo Sie jetzt Stammtorwart sind. Untypisch trifft es gut, aber ich habe die richtigen Schritte gemacht, mit den richtigen Leuten an meiner Seite. Die Jugendarbeit in Deutschland ist meiner Meinung nach die beste der Welt, aber der Schritt aus dem Nachwuchs zu den Profis ist extrem schwer. Gerade auch, weil einige Klubs keine zweite Mannschaft mehr haben. Zum Beispiel auch Bayer Leverkusen , wo ich fast meine ganze Jugend gespielt habe. Ohne eine U23 schafft es dann zum einen kaum einer zu den Profis und wenn du es schaffst, ist der Unterschied riesig. Deshalb bin ich dann zu Fortuna Düsseldorf, wo es eine U23 gab. Dort hat es mit dem Traum vom Profi auch nicht geklappt, weshalb ich in die Niederlande bin. Und das war das Beste, was mir hätte passieren können. Das erinnert etwas an Robin Gosens, dessen Weg auch über die Niederlande nach Italien führte, wo er auch heute noch gerne spielt. Was macht das Leben als Fußballer in Italien aus? Ich fühle mich hier sehr wohl. Udine ist eine kleine, ruhige Stadt. Ich kann mich komplett auf den Fußball konzentrieren. Davor war ich kurz in Watford, das ist in der Nähe von London. Da war ich abends mehr versucht, noch etwas zu machen. Aber hier lebst du echt nur für den Fußball. Ich bin Fan von der Sprache, Fan von den Italienern, von den Menschen und der Kultur. Bei Udinese haben Sie auch einen deutschen Trainer in Kosta Runjaić. Ich habe zwar schon etwas Italienisch gelernt, aber wenn der Trainer deine Muttersprache spricht, ist das immer ein kleiner Vorteil. Wenn ich irgendwo im Ausland bin und einen deutschen Bruder sehe, dann connecte ich sofort mit ihm. Allein durch die Sprache oder unsere deutsche Kultur. Das gilt auch für Nigerianer, die ich außerhalb Nigerias sehe. Und mit Kosta und dem Trainerteam bin ich hier bei Udinese sehr zufrieden. Ihr Marktwert wird vom Portal „transfermarkt.de“ auf zehn Millionen Euro geschätzt. Gefällt Ihnen das oder sind Ihnen solche Zahlen egal? Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir das egal ist. Das ist schon cool. Ich weiß, dass diese Zahlen am Ende von Journalisten oder Fans in Foren erstellt werden, also ich weiß, dass das nur eine Einschätzung ist. Aber wenn ich zurückschaue, als ich bei Fortunas U23 meine ersten 50.000 Euro da stehen hatte und jetzt sind es zehn Millionen… Das ist schön. Meine Jungs feiern das auch. Sie haben in den vergangenen Jahren in Udine eine starke Entwicklung genommen, sind groß und athletisch. Was ist denn für Sie noch möglich in Ihrer Karriere? Ich habe das Gefühl, dass ich noch eine Menge Potenzial in mir habe. Dazu habe ich das Glück, bei Udinese Calcio mit super Trainern zusammenarbeiten zu dürfen, die das bisherige Maximum aus mir rausgeholt haben. Aber ich weiß, dass da noch mehr drin ist und ich bin mir sicher, dass ich noch ein paar Schritte nach oben machen werde. Und dann gilt: Sky is the limit. Ich halte mich nirgendwo zurück. Sie spielen nicht nur in der beschaulichen Stadt Udine, sondern auch für Nigeria, wo es etwas unruhiger zugehen kann. Sie haben erzählt, dass Sie mal im Rahmen eines Länderspiels im Mannschaftsbus mit Steinen abgeworfen worden sind. Wie gehen Sie mit diesen Unterschieden um? Das ist ein Switch, den du hinbekommen musst. Das ist ein ganz anderer Fußball, auch, weil es eine afrikanische Nationalmannschaft ist. Eine Nationalmannschaft ist immer etwas Besonderes, aber bei uns geht es ab und zu schon gut ab. Die Mannschaft aber ist super und wir haben seit knapp zwei Jahren auch ein Trainerteam, das einen tollen Job macht. Wir haben eine Menge Spaß. Dass die Fans ab und zu mal durchdrehen, ist auch verständlich. Nigeria lebt und liebt den Fußball, damit bin ich von klein auf durch meinen Vater groß geworden. Aber zur Liebe gehören eben nicht nur die positiven Seiten (lacht). Deshalb nehme ich das so hin. Die Fans sind genauso ein Teil des Fußballs wie wir Spieler. Wie kam es bei Ihnen zur Entscheidung, für Nigeria und nicht für Deutschland zu spielen? Dazu muss ich sagen, dass zu der Zeit nur eine Anfrage von Nigeria vorlag. Ich musste mich nicht entscheiden. Aber als ich die Möglichkeit hatte, für die nigerianische Nationalmannschaft zu spielen, habe ich sie genutzt. Das war schon als kleines Kind mein Traum. Mein Vater hat mir immer Sachen aus Nigeria mitgebracht, wenn er dort war. Trikots von Jay-Jay Okocha oder Finidi George. Ich bin stolzer nigerianischer Nationalspieler, fühle aber genauso mit der deutschen Nationalmannschaft mit und fiebere bei jedem Spiel mit. Mit Kai Havertz habe ich zum Beispiel auch in Leverkusen zusammengespielt. Fälle wie Ihrer beschreiben ganz gut eine Herausforderung für den DFB . Es gibt viele Kinder in Deutschland, die für mehrere Länder spielen könnten. Zuletzt entschieden sich beispielsweise Ibrahim Maza (Algerien) oder Kenan Yildiz (Türkei) für andere Länder, weil ihnen die Fußballverbände dort früher eine Perspektive in der A-Nationalmannschaft anbieten konnten. Wie blicken Sie darauf? Das ist kein einfaches Thema. Wir reden hier über die deutsche Nationalmannschaft, eine der besten der Welt. Da ist nicht immer der Platz, wie beispielsweise bei der türkischen Nationalmannschaft . Die können sich die Spieler ein, zwei Jahre früher holen, während sie bei der deutschen noch nicht mithalten könnten. Und so verliert die deutsche Seite ab und zu mal ein paar Spieler. Da kann der DFB auch nichts gegen machen, glaube ich. Aber wenn man sich die Mannschaft anschaut, hat sie auch so eine Menge top junger Spieler. Was ich aber klar sagen will: Das ist nie eine Entscheidung gegen Deutschland, sondern für ein anderes Land. Ich habe mich auch nicht gegen Deutschland entschieden und das gilt auch für die anderen Jungs. Sie haben die Jugendarbeit in Deutschland als die beste der Welt betitelt. Woran machen Sie das fest? Die Schule, die ich in Deutschland durchlaufen habe, war Weltklasse. Wir haben die beste Jugendarbeit, die es gibt. Sie ist knallhart. Wenn es nicht reicht, bist du raus. Aber du siehst, wie extrem dort schon in frühen Jahren gearbeitet wird, wie viel für dich gearbeitet wird. Du bist 12, 13 Jahre alt und es wird sich von allen Seiten um dich gekümmert, als wärst du ein Vollprofi. Es wird sich echt um einen gesorgt und wir können dankbar sein, solch ein System in Deutschland zu haben. Es gibt aber auch Kritik an der Nachwuchsarbeit in Deutschland. Zum Beispiel, dass den jungen Kindern zu viel abgenommen wird und sie dadurch kaum Widerstände in ihrem Leben haben. Das hat immer mit der Person zu tun. Ich habe nie gedacht, dass ich besser als jemand anderes aus meiner Klasse war, nur weil ich Fußball gespielt habe. Ich habe das dankend angenommen, weil ich aufgrund meiner Herkunft auch andere Seiten vom Leben gesehen habe. Und in Leverkusen wurde ich auch gut erzogen. In Gladbach, wo ich auch drei Jahre gespielt habe, hat der Verein meinem Vater geholfen. Darüber war ich stets sehr dankbar. Aber klar, wenn du denkst, dass du der Heftigste bist und machen kannst, was du willst, dann läuft etwas falsch. Sind Sie froh darüber, nicht auf einem Internat gewesen zu sein? Zu 100 Prozent. Ich war auf einer normalen Schule, hatte Freunde von außerhalb, musste zum Training mit der Bahn hin- und herfahren. Das habe ich sehr gemocht. Anders konnte ich es mir auch nicht vorstellen. Das wäre nichts für mich gewesen. Von daher kann ich da die Kritik auch verstehen, wenn es die Jungs falsch aufnehmen. Wagen wir nun einen Blick nach vorne. Welche Ziele haben Sie in den kommenden Jahren? Die Champions League will ich einmal erleben. Und die Weltmeisterschaft mit Nigeria wäre ein Traum. Das letzte Mal war 2018, da bin ich erst kurz danach ins Team gestoßen. Von daher: Champions League und WM, da will ich hin. Und mit Udinese? Unser Ziel für die Saison waren die 50 Punkte, darüber haben wir als Mannschaft mit dem Trainerteam gesprochen – und die haben wir jetzt auch geschafft. Ich persönlich werde den Sommer abwarten und gucken, was passiert. Aber ich bin sehr happy hier, gerade nach dieser Saison. Ich bin ein glücklicher Spieler von Udinese Calcio.
Bundesliga-Absteiger Heidenheim verpflichtet Oualid Mhamdi vom SC Verl
Kategorie(n): Allgemein
Nach dem Bundesliga-Abstieg hat der 1. FC Heidenheim seinen ersten Neuzugang für die kommende Saison im Unterhaus präsentiert. Vom SC Verl kommt Rechtsverteidiger Oualid Mhamdi (23) an…