Vor sechs Jahren war der FC Chelsea das beste Team Europas. Heute machen die „Blues“ wieder Schlagzeilen – aber selbst verschuldete. Die Klubführung wirkt planlos und lernresistent. Als Liam Rosenior beim FC Chelsea im Januar dieses Jahres Trainer wurde, erhielt er einen Vertrag bis Ende Juni 2032. 78 Monate lang sollte Rosenior die „Blues“ aus London trainieren. Doch nach nicht einmal vier Monaten ist jetzt Schluss. Der FC Chelsea hat Rosenior am Mittwoch von seinen Aufgaben entbunden. 95 Prozent seiner geplanten Amtszeit erlebt Rosenior nicht mehr. Überraschend ist das alles nicht. Chelseas Trainer kommen und gehen. Seit dem Aus von Thomas Tuchel im September 2022 durften sich bereits fünf Cheftrainer versuchen. Nach Ansicht der Chelsea-Oberen scheiterten alle, lange bleiben durfte zumindest keiner. Gepaart mit einem Transferminus von rund 800 Millionen Euro aus den vergangenen vier Jahren, einem aufgeblähten Gehaltsgefüge und sportlichem Misserfolg ist Chelsea zu einer Geldverbrennungsmaschine par excellence geworden. Die Klubspitze wirkt planlos, investiert Geld ohne erkennbare Strategie. Und sie lernt nicht dazu. Für Fans ist ihr Herzensverein zu einem Schrecken ohne Ende geworden. Für alle anderen ein warnendes Beispiel. Ein aufgeblähter Kader ohne Erfolg Rund zwei Jahrzehnte lang zählte der FC Chelsea zu den besten Klubs Europas. Seit der Übernahme durch Roman Abramowitsch Anfang der 2000er-Jahre spielten die „Blues“ regelmäßig ganz oben mit. Chelsea holte zweimal die Champions League , zweimal die Europa League und wurde in der englischen Premier League fünfmal Meister. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine forderte die britische Regierung Abramowitsch dazu auf, den Klub zu verkaufen. Abramowitsch wurden Kontakte zur russischen Regierung um Wladimir Putin nachgesagt. Der inzwischen 59-Jährige kam der Bitte nach, das Konsortium BlueCo um den US-Amerikaner Todd Boehly bekam den Zuschlag. Danach ging es mit dem Klub stetig bergab. Boehly und sein Team trennten sich im September 2022 von Trainer Thomas Tuchel, der den Verein ein Jahr zuvor zum Champions-League-Titel geführt hatte. Mit einem anderen Trainer und vor allem mit viel Geld wollte Boehly seinen Klub langfristig nach oben führen. Fast 350 Millionen Euro gab Chelsea im ersten Boehly-Winter aus, im anschließenden Sommer noch einmal 450 Millionen. Das Ergebnis: ein völlig aufgeblähter Kader, der weder zum einen noch zum anderen Trainer passte. Ob Graham Potter, Mauricio Pochettino oder Frank Lampard – niemand bekam das Team in den Griff. An der Linie der Oberen um Boehly änderte das nichts. Sie kauften weiter ein. Eine wirkliche Strategie war dabei nicht zu erkennen. Es wirkte schlichtweg so, als wollte Chelsea möglichst alle großen Talente besitzen. Ob sie zum Trainer oder ins Spielsystem passten, war zweitrangig. Verleihen könne man sie ja immer noch. Bei Rosenior lernte Chelsea nicht dazu Der Erfolg kam dann kurzzeitig mit Trainer Enzo Maresca zurück, der im Sommer 2024 in London unterschrieb. Maresca gab Chelsea wieder eine fußballerische Identität, gewann die Conference League und die Klub-WM. Ein halbes Jahr später musste er gehen. An Neujahr trennte sich Chelsea von Maresca, Gründe nannte der Verein nicht. In Medienberichten hieß es, der Italiener habe sich nicht ausreichend gewürdigt gefühlt und hätte mehr Mitspracherecht bei Transfers gefordert. Angesichts der vielen teuren Fehlgriffe wäre es sinnvoll gewesen, wenn Chelsea ihn mehr einbezogen hätte. Doch Boehly und sein Team planten anders. Das Verhältnis zwischen Trainer und Klubspitze sei „vollständig zerbrochen“, hieß es. Sein Vertrag in London hatte eigentlich noch eine Laufzeit bis 2029, dreieinhalb Jahre vorher war Schluss. Als Nachfolger präsentierte der Verein Liam Rosenior, der trotz wechselhafter Ergebnisse zunächst Rückendeckung bekam und über den Sommer hinaus hätte bleiben sollen. Man hätte meinen können, die Chefetage Chelseas hätte dazugelernt, dem Trainer mehr Zeit zu geben und ihn bei der Kaderplanung einzubeziehen. Doch eine Niederlagenserie später war Rosenior dann doch gefeuert. Damit steht Chelsea an einem schlechteren Punkt als vor den milliardenschweren Investitionen. Dass die Verantwortlichen für die Zukunft des Vereins die richtigen Lehren aus dem Scheitern der vergangenen Monate und Jahre ziehen, bleibt mehr als zweifelhaft.