Der FC Bayern verliert bei Paris Saint-Germain und kassiert dabei fünf Gegentore. Grund dafür ist eine Schwäche des Rekordmeisters, die Paris eiskalt ausnutzte. Neutrale Zuschauer wurden am Dienstagabend bestens unterhalten. Fans von Bayern München womöglich nur bedingt. Und auch Vincent Kompany gab im Anschluss zu, dass er die Erfahrung überhaupt nicht genoss, zumal der 40-Jährige von der Tribüne aus zusehen musste, wie sein Team zwischenzeitlich 2:5 im Rückstand lag und mit einem Bein bereits im Aus stand. Immerhin zeigte der FC Bayern im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals, dass er in solch einem großen Moment die Ruhe bewahren und noch einmal einen Anlauf unternehmen kann. Aufgrund des Endergebnisses von 4:5 aus Sicht des deutschen Rekordmeisters ist im Rückspiel in einer Woche noch alles drin. Aber: Bis dahin muss sich Kompany ein paar taktische Änderungen überlegen. An der grundsätzlichen Ausrichtung, sprich: dem krassen Offensivfußball, möchte der Cheftrainer festhalten. Aber klar ist, dass die extreme Manndeckung der Bayern von Paris Saint-Germain mehrfach ausgehebelt wurde. Bayern in Paris: Dieser Moment veränderte alles Umstrittene Szene: Hätte es diesen Elfmeter überhaupt geben dürfen? Champions League: Balljunge weigert sich, Neuer den Ball zu geben Direkt zu Spielbeginn deutete sich an, dass die Bayern erneut Mann gegen Mann verteidigen würden, als Außenverteidiger Josip Stanišić mehrfach in der Nähe des Mittelkreises auftauchte, weil er Warren Zaïre-Emery bewachte und entsprechend verfolgte. Als Konsequenz stand Innenverteidiger Dayot Upamecano weit draußen, weil er Paris‘ Linksaußen Khvicha Kvaratskhelia decken musste. Die Aufteilung wurde nach der Anfangsphase gedreht. Das Spiel meinte es aber nicht gut mit den Verteidigern auf beiden Seiten, weil sie vielfach in einer offenen Restverteidigung irgendwie gegen die hochkarätigen Angreifer des anderen Teams bestehen mussten. Und die Bayern begingen darüber hinaus zu viele individuelle Fehler: Aleksandar Pavlović spielte einen blinden Pass, bevor Ousmane Dembélé frei auf Manuel Neuer zulaufen konnte (und vergab). Stanišić stand nicht gut gegen Kvaratskhelia beim 1:1. Jamal Musiala ließ sich beim Eckballtor zum 2:1 für Paris von João Neves austricksen. Konrad Laimer und Luis Díaz waren auf ihrer Seite vor dem 4:2 für Paris nicht gut koordiniert. Aber auch PSG unterliefen Aussetzer, etwa als vier Verteidiger Michael Olise am eigenen Strafraum nicht entscheidend attackierten, bevor dieser das 2:2 erzielte. Kompany: Voll drauf oder komplett zurückziehen Bayern muss abseits der Aufarbeitung solcher Fehler hinterfragen, inwieweit der aggressive Ansatz der totalen Manndeckung funktionieren kann und vor allem nicht die Schwächen mancher Spieler offenlegt. Gegen Kvaratskhelia gibt es besonders in großen Spielen, in denen der Georgier regelmäßig aufdreht, kaum eine andere Chance, als immer schlecht auszusehen. Stanišić teilweise völlig allein Kvaratskhelia verteidigen zu lassen, wirkt nicht unbedingt klug. Es wird jedoch wohl vor dem Rückspiel keine grundsätzlichen defensiven Änderungen von Kompany geben. „Es gibt nur zwei Wege: Entweder man geht voll drauf oder man zieht sich komplett zurück“, sagte er bei Amazon Prime UK. Jedoch fallen gerade die Außenverteidiger qualitativ etwas ab, zumindest defensiv. Offensiv sind Stanišić, Alphonso Davies und Konrad Laimer teilweise sehr wertvoll, aber wie man gestern Abend in Paris sehen konnte, ist offensive Qualität eben nicht alles. Bayerns Sportvorstand Max Eberl , der selbst Außenverteidiger war, sagte auf t-online-Nachfrage: „Schwieriges Spiel für beide (Außenverteidiger, Anm. d. Red.), weil natürlich viel Mann gegen Mann gespielt wird. Aber das ist das, was wir im Grunde haben wollen.“ Eberl ergänzte aber auch: „Was dann nicht passieren sollte, ist, dass die Gegner zu häufig Eins-gegen-Eins frontal auf die zulaufen. Da musst du vorher dran sein, das musst du vorher besser lösen.“ Was kann Bayern also anders machen? Das Stellungsspiel der Außenverteidiger bei Ballannahmen kann besser sein, sodass sie bei Ballannahmen von Kvaratskhelia und Co. enger an den Gegnern dran sind, damit sich diese nicht erst in Richtung Tor drehen können. Aber bei dem generellen Tempo, das auch im Rückspiel zu erwarten ist, ist es fast unmöglich, über 90 oder 120 Minuten stets eng am Gegenspieler zu sein. Im Übrigen stand auch PSG hier und da recht luftig, beispielsweise beim Treffer von Díaz zum 4:5, als er im Strafraum nur noch Marquinhos vor sich hatte. Der Knackpunkt aus Bayern-Sicht ist: Um Stanišić, Davies oder auch Laimer auf den Außenbahnen zu helfen, müsste Kompany einen Mittelfeldspieler mit hinzuziehen, um eine gewisse Absicherung zu bieten. Aber das würde das totale Manndeckungsschema der Bayern zerstören und ein derart hohes Pressing unmöglich machen. Da aber Kompany weiterhin aggressiv gegen den Ball arbeiten lassen möchte, ergibt sich wohl keine Möglichkeit, die Außenverteidiger oder generell die Viererkette der Bayern dezidiert zu unterstützen. Ein Spektakel im Rückspiel ist programmiert, ein Weiterkommen des deutschen Meisters jedoch nicht.