Trotz spektakulärer Rettungsaktionen reicht es nicht zur deutschen Überraschung zum Auftakt der Eishockey-WM. Finnland erteilt eine Lehrstunde in Sachen Überzahl. In der Offensive zu harmlos, in Überzahl enttäuschend: Nach der Olympia-Enttäuschung hat das deutsche Eishockey-Team zum Auftakt der Weltmeisterschaft eine Überraschung verpasst. Am Freitag sorgte das 1:3 (0:1, 0:0, 1:2) trotz eines guten Spiels gegen den Olympiadritten Finnland für Ernüchterung. Noch ohne NHL-Stürmer Lukas Reichel (Boston Bruins) zeigte das Team von Bundestrainer Harold Kreis zu wenig Torgefahr. Der Treffer von Stefan Loibl von den Straubing Tigers (49. Minute) kam zu spät. Während das deutsche Team in mehreren Überzahl-Situationen glücklos blieb, traf der Favorit zweimal im Powerplay: Anton Lundell (9.) von den Florida Panthers und Jesse Puljujärvi (44.) von Servette Genf trafen. Aatu Raty (56,) von den Vancouver Canucks erzielte den dritten finnischen Treffer. Am Sonntag (20.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) steht gegen Lettland ein vermutlich vorentscheidendes Spiel um den Viertelfinal-Einzug an. Den ersten Rückschlag gab es bereits vor dem Spielbeginn. NHL-Profi Nico Sturm wird die deutsche Mannschaft in der Schweiz nicht verstärken. Der 31 Jahre alte Stanley-Cup-Sieger von 2022 (Colorado Avalanche) und 2025 (Florida Panthers) wird trotz des Playoff-Aus mit Minnesota Wild nicht nachreisen. Zuvor hatten bereits Superstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) und die Top-Stürmer Tim Stützle (Ottawa Senators) und JJ Peterka (Utah Mammoth) abgesagt. Gegen Finnland noch ohne Reichel Auch Reichel, der erst am Donnerstag zum Team gestoßen war, wurde noch nicht eingesetzt. Der 23-Jährige dürfte im wichtigen Spiel gegen Lettland erstmals auflaufen. „Lukas macht jede Mannschaft läuferisch und spielerisch besser“, schwärmte Kreis vom Angreifer der Boston Bruins. Er hätte der deutschen Mannschaft besonders gutgetan. Gegen Finnland stand die DEB-Auswahl um den starken Torhüter Philipp Grubauer von den Seattle Kraken größtenteils gut, war vor dem gegnerischen Tor allerdings zu harmlos. Joshua Samanski von den Edmonton Oilers vergab früh eine Top-Chance in Überzahl aus kurzer Distanz kläglich (13.). Finnland war dagegen eiskalt. Lundell ließ Grubauer mit einem platzierten Schuss nach einer Strafe für Maximilian Kastner keine Abwehrchance. Sein NHL-Teamkollege Aleksander Barkov gab die Vorlage. Der finnische Topstar stand erstmals nach überstandenem Kreuzbandriss wieder auf dem Eis. Allerdings hätte Bundestrainer Kreis das Tor durchaus überprüfen lassen können, weil ein finnischer Spieler im deutschen Torraum stand. Danach folgten Rettungstaten der deutschen NHL-Stars: Grubauer verhinderte mit gleich mehreren Paraden weitere Gegentreffer. Noch spektakulärer waren zwei sensationelle Abwehraktionen von Weltklasse-Verteidiger Seider. Der Abwehrspieler der Detroit Red Wings klärte nach einer Grubauer-Parade den ersten finnischen Nachschuss, und erwischte mit dem Schläger auch den zweiten Versuch kurz vor der Linie (21.). Finnland half der deutschen Mannschaft zwar mit vielen Strafen, aber nur Samanski kam zu einer Möglichkeit (33.). „Wir können nicht zufrieden sein, wenn man sieht, wie oft wir Powerplay hatten“, monierte Stürmer Dominik Kahun nach dem zweiten Drittel bei MagentaSport. Der langjährige Kapitän Moritz Müller, der als Experte bei MagentaSport in Zürich im Einsatz ist, erklärte: „Das macht auch was mit den Köpfen der Jungs.“ Die Finnen zeigten der deutschen Mannschaft auch im zweiten Überzahlspiel, wie Powerplay geht: Puljujärvi erhöhte mit einem Spieler mehr auf dem Eis auf 2:0. Die DEB-Auswahl steckte indes nicht auf und kam durch den Straubinger Loibl doch noch zum Tor. Mit gnadenloser Effizienz machten die Finnen jegliche deutsche Hoffnung zunichte: Raty machte alles klar.