Für Fortuna Düsseldorf geht es in die 3. Liga. Das stellt den Klub vor extreme Herausforderungen. „Wir machen dieses Jahr keinen Hehl daraus. Wir wollen um den Aufstieg spielen.“ Dieser Satz von Daniel Thioune ist ein Dreivierteljahr alt. Damals war Thioune noch Trainer von Fortuna Düsseldorf und hatte mit seinem Klub Großes vor. Doch die Wochen und Monate danach wurden zu einem Albtraum für den Zweitligisten. Thioune musste bereits im Oktober gehen, sein Nachfolger Markus Anfang war sechs Monate später ebenfalls wieder weg. Alexander Ende, der dritte Trainer diese Saison, konnte den Abstieg auch nicht abwenden. Dabei sah es vor dem 34. Spieltag stark nach Klassenerhalt aus. In der Vorwoche hatte Düsseldorf zu Hause gegen Elversberg gewonnen, hatte alles selbst in der Hand. Doch am gestrigen Sonntag folgte ein desaströses 0:3 in Fürth, das aufgrund der Ergebnisse in den anderen Stadien den direkten Abstieg bedeutete. Bei Spielern und Fans machte sich innere Leere breit. Kapitän Florian Kastenmeier stand in Tränen aufgelöst vor den Anhängern im Gästeblock. „Wir haben es komplett verschissen. Wir sind dafür verantwortlich. Ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich antworten soll. Es gibt wenig zu sagen“, trauerte der Torhüter. „Das, was heute passiert ist, ist mit nichts zu entschuldigen.“ Während der Rest der Mannschaft ausgepfiffen wurde, bekam Fanliebling Kastenmeier zumindest etwas Applaus. Vorstandschef Jobst kündigt „knallharte Analyse“ an Statt der Bundesliga wartet auf die Fortuna jetzt die 3. Liga. Statt dem 1. FC Köln sind Viktoria und Fortuna Köln zu Gast. Statt zu den Profis des VfB Stuttgart geht es zur U23 der Schwaben. Es ist das Ergebnis mehrerer Fehler. Zum einen entpuppte sich die Kaderplanung der Fortuna als schlecht, kaum ein Neuzugang schlug ein. Zum anderen hatte Düsseldorf auch mit zahlreichen Verletzungen und Fitnessproblemen zu kämpfen. Bei der Aufarbeitung der Saison werden auch der Athletikbereich und die medizinische Abteilung eine zentrale Rolle spielen. Vorstandschef Alexander Jobst kündigte eine „knallharte Analyse“ an. „Nach dem heutigen Spiel muss ich klipp und klar sagen: Wir sind zu Recht abgestiegen“, sagte er am Sonntag. Der Abstieg ist in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe, vor allem finanziell. „Diese Fallhöhe von zweiter auf dritte Liga wird eine Tragweite mit sich bringen, die ich heute noch nicht nennen kann“, erklärte Jobst. TV-Gelder, Werbeeinnahmen, Ticketverkäufe, in mehreren Bereichen bedeutet der Abstieg drastische Einschnitte. Ablösesummen aus Spielerverkäufen, um das aufzufangen, wird es aber kaum geben. Denn im Kader hat kaum jemand einen Vertrag für die 3. Liga. Im April hatte die „Bild“ berichtet, dass das 15 Spieler betrifft. Dazu läuft bei 13 Profis der Vertrag oder die Leihe aus. Lediglich sieben Akteure stünden zur Verfügung, darunter zwei Spieler, die jüngst noch für die eigene Jugend spielten. Gut möglich, dass auch Innenverteidiger Elias Egouli bei seiner Verlängerung vergangene Woche ein Vertrag für die 3. Liga unterschrieb. Dennoch stellte Sportvorstand Sven Mislintat fest, dass er „fast gar keinen Kader mehr“ zur Verfügung habe. „Die Arbeit verändert sich komplett und es ist deutlich mehr zu tun. Da sieht man auch sehr offensichtlich, was längere Zeit nicht gut gelaufen ist. Das liegt nicht nur am Kader, sondern auch an Strukturen“, fügte Mislintat, der im Winter von Klaus Allofs und Christian Weber übernommen hatte, an. Er selbst aber bleibt an Bord. „Ich habe nicht einen Dreijahresvertrag unterschrieben, um von der 3. Liga wegzulaufen.“ Wie geht es mit dem Kapitän weiter? Auf wen aus dem aktuellen Kader Mislintat zugehen wird, ist noch unklar. Auch Kapitän Florian Kastenmeier kennt seine Zukunft noch nicht. „Ich kann nichts sagen, es gab keine Gespräche“, sagte er nach dem Spiel. Für den 28-Jährigen ist ein Verbleib aber vorstellbar – zumindest unter Bedingungen. „Es müssen sich gewisse Sachen verändern, grundlegende Dinge, personelle Sachen – und dann bin ich auf jeden Fall bereit. Ich habe es bereits gesagt und dazu stehe ich, dass Fortuna mein erster Ansprechpartner ist.“ Knapp drei Monate hat Sven Mislintat jetzt Zeit, um einen Kader für die Mission Wiederaufstieg zu bauen. Das wird er wohl auch mit Alexander Ende tun. Unabhängig vom Abstieg soll der im April verpflichtete Trainer bleiben. Ende bekräftigte diesen Plan selbst. Sein bis 2028 laufender Vertrag ist auch in der 3. Liga gültig – anders als bei den meisten seiner Spieler.