Jannik Sinner ist kurz davor, im Eiltempo in die dritte Runde einzuziehen. Doch dann kommt die drastische Wende. Der Italiener kämpft, leidet – und verliert. Das hat Folgen für Alexander Zverev. Völlig erschöpft schleppte sich Jannik Sinner zum Netz, gratulierte fair seinem Gegner und winkte ein letztes Mal ins Publikum. Der Topfavorit hat bei den French Open nach einem körperlichen Einbruch sensationell in der zweiten Runde verloren und damit die Titelchancen von Alexander Zverev drastisch erhöht. Der 24 Jahre alte Italiener musste sich von Krämpfen und Schwindelgefühlen geplagt dem Argentinier Juan Manuel Cerundolo mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 geschlagen geben. „Es ist hart für ihn. Es tut mir leid für Jannik“, sagte Cerundolo: „Ich hoffe, er erholt sich schnell wieder.“ Sinner hatte im dritten Satz schon mit 5:1 geführt – ehe sein Körper streikte und sich dramatische Szenen auf dem Court Philippe Chatrier abspielten. Danach gewann der Weltranglistenerste nur noch zwei Spiele. „Für jeden ein Schock“ Damit sind die Hoffnungen des deutschen Tennisstars Zverev auf den ersehnten Grand-Slam-Turniersieg deutlich größer geworden. Sinner, der Zverev neun Mal in Serie in direkten Duellen geschlagen hat, galt als größter Titel-Konkurrent des Hamburgers. Zverev war am Mittwochabend mit einem souveränen Dreisatzsieg gegen den Tschechen Tomas Machac in die dritte Runde eingezogen. „Erstmal ist es für jeden ein Schock“, sagte Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner bei Eurosport : „Natürlich ist Sascha Zverev, der an Nummer zwei gesetzt ist, jetzt der absolute Topfavorit.“ Ex-Profi Philipp Kohlschreiber warnte jedoch: „Es gibt noch genug Stolpersteine.“ Sinner fühlte sich „sehr schwindelig“ Für Sinner war es die erste Niederlage nach zuvor 30 Siegen in Serie. Als auf dem Court Philippe Chatrier alles schon nach einem Zweitrundensieg im Eiltempo aussah, kam es zu einer drastischen Wendung: Die Mittagshitze mit 30 Grad und viel Sonne bereiteten Sinner nun doch riesige Probleme. Er humpelte, dehnte sich und massierte sein linkes Bein bei einer Pause auf der Bank selbst. Nach einem Ballwechsel lehnte er sich völlig erschöpft an eine Bande. „Es muss wirklich extrem schlimm sein, er bewegt sich ja keinen Millimeter mehr“, sagte Kohlschreiber. Beim Stand von 5:4 und 0:40, nachdem Sinner 15 Punkte in Serie verloren hatte, beantragte er eine medizinische Auszeit. Ihm sei auch „sehr schwindelig“, sagte der Südtiroler zu einem Physiotherapeuten. Und der Schiedsrichterin sagte er, dass er sich dehydriert fühle und sich übergeben müsse. Sinner kämpft und keucht Auch nach der Pause litt Sinner, und so verlor er fast ohne Widerstand den dritten Satz. Danach verließ er wieder den Platz für eine Kabinenpause. Nach der Rückkehr bewegte sich der Italiener etwas besser, gut fühlte er sich aber nicht. Teilweise kauerte er im Schatten und musste sich fast übergeben. Immer wieder beugte er sich auf seinen Schläger und atmete schwer. „Wie er sich jetzt da seit eineinhalb Stunden rumschleppt und quält, das ist schon richtig, richtig bitter“, sagte Kohlschreiber. Der angeschlagene Favorit versuchte, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten. Er spielte phasenweise nur noch aus dem Stand. Cerundolo spielte clever, er streute zahlreiche Stopps ein und spielte mit viel Spin. Nach 3:36 Stunden stand die größte Überraschung des bisherigen Turniers fest. Becker: Wetter ist Sinners „größter Gegner“ Bei ähnlichen Bedingungen hatte Sinner zuletzt einige Male körperliche Probleme gehabt. „Wir Rothaarigen tun uns bei großer Hitze schwer“, hatte Tennis-Idol Boris Becker schon vor dem Zweitrundenmatch gesagt: „Das Wetter ist sein größter Gegner.“ Das letzte Mal, dass Sinner in der zweiten Runde bei einem Grand-Slam-Turnier in der zweiten Runde ausgeschieden war, war vor drei Jahren ebenfalls in Paris. Sein Gegner damals war der deutsche Profi Daniel Altmaier.