Zwei Sätze hat Novak Djokovic gegen den jungen Brasilianer João Fonseca alles im Griff – doch dann kommt es zur dramatischen Wendung bei den French Open. War es sein letzter Auftritt in Paris? Novak Djokovic umarmte João Fonseca, haute dem halb so alten Brasilianer anerkennend auf die Brust und verschwand als nächster geschlagener Turnierfavorit in die Kabine. Einen Tag nach dem dramatischen Aus des Weltranglistenersten Jannik Sinner hat es bei den French Open auch den Grand-Slam-Rekordchampion erwischt. Der 39-jährige Serbe musste sich nach einer 2:0-Satzführung gegen Fonseca (19) mit 6:4, 6:4, 3:6, 5:7, 5:7 geschlagen geben. Nach 4:53 Stunden stand sein überraschendes Drittrunden-Aus im Fünfsatzkrimi fest. Es sei „hart“, nach zwei gewonnen Sätzen noch zu verlieren, sagte Djokovic hinterher: „Ohne Zweifel war er der bessere Spieler in den entscheidenden Momenten. Ich denke, ich habe nicht so viel mit meinem Spiel falsch gemacht. Er war einfach besser.“ Auf die Frage, ob man ihn auch im nächsten Jahr in Paris sehen werde, antwortete der dreimalige French-Open-Gewinner: „Ich weiß es nicht.“ Youngster schwärmt: „Was für ein Vergnügen“ Fonseca räumte nach seinem Coup ein, er habe „eigentlich nicht“ damit gerechnet. „Ich habe es nur genossen, was für ein Vergnügen war das.“ Er sei „einfach nur sehr glücklich“. Fonseca, der das Match nervenstark mit drei Assen in Serie beendete, ist der erste Teenager überhaupt, der Djokovic auf der Grand-Slam-Bühne schlagen konnte. Damit haben sich die Titelchancen von Alexander Zverev nochmals erhöht. Der Hamburger spielt am späten Abend gegen den Franzosen Quentin Halys um den Achtelfinaleinzug. Von den Top-Fünf der Weltrangliste ist nur noch Zverev im Turnier. Djokovic muss für seinen Traum vom 25. Grand-Slam-Triumph einen neuen Anlauf nehmen. Vor 17 Jahren war er letztmals bereits in der dritten Runde in Roland Garros ausgeschieden. Sein Gegner damals war der deutsche Profi Philipp Kohlschreiber. Zwei Sätze top – dann begann der Kampf In den ersten beiden Sätzen spielte Djokovic auf dem Court Philippe Chatrier überzeugend, ehe Fonseca mutiger wurde und den Altmeister mehr ins Laufen brachte. Der dreimalige French-Open-Gewinner musste bei 30 Grad kämpfen. Mit der Hitze, dem Gegner, den vielen brasilianischen Fans auf der Tribüne – und auch seinem Körper. Er atmete nach längeren Ballwechseln schwer und ging oft in die Hocke. Nach dem verlorenen vierten Satz verschwand Djokovic für eine Toilettenpause in die Kabine. Etwas erholt holte sich der Favorit das Break zum 3:1, doch das konnte er im anschließenden Aufschlagspiel nicht bestätigen. Djokovic konzentrierte sich fortan vor allem auf seine Aufschlagspiele, die er aus Kraftgründen möglichst kurz halten wollte. Aber dem spielfreudigen Fonseca gelang das entscheidende Break zum 6:5. In den Tiebreak konnte sich Djokovic nicht mehr retten. Ärger mit Kameramann: „Um Gottes willen“ Verärgert war Djokovic unmittelbar nach dem Gewinn des zweiten Satzes, als sich ihm seiner Meinung nach ein Kameramann zu sehr genähert hatte. „Kannst du etwas dichter in mein Gesicht kommen?“, blaffte ihn der Serbe an: „Um Gottes willen, mach“ ein bisschen Platz.“