Jürgen Klinsmann über Verhältnis zu Lothar Matthäus: 90er-DFB-Streithähne

Jahrzehntelang galt das Verhältnis zwischen Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus als schwierig. Nun hat der frühere Bundestrainer überraschend offen über die Spannungen mit dem Rekordnationalspieler gesprochen. Jürgen Klinsmann hat im Podcast „Stick to Football“ auf seine gemeinsame Zeit mit Lothar Matthäus zurückgeblickt. Der Weltmeister von 1990 schilderte, weshalb das Verhältnis der beiden über Jahre belastet war – und gibt Einblick, wie die beiden heute zueinander stehen. „Ich hatte über viele Jahre eine sehr angespannte Beziehung mit Lothar Matthäus“, sagte Klinsmann. Als Ursache nennt der frühere Nationalstürmer die gegensätzlichen Charaktere beider Spieler. Die Konflikte begannen bei Inter Mailand . Später setzten sie sich beim FC Bayern München und in der deutschen Nationalmannschaft fort. Aus der Nationalmannschaft gedrängt? Häufig seien sie verbal aneinander geraten. Während Matthäus als Kapitän der Nationalmannschaft die etablierte Generation repräsentierte, verstand sich Klinsmann als Sprecher der jüngeren Spieler. Außerdem habe Matthäus lange geglaubt, Klinsmann habe ihn nach einer schweren Verletzung aus der Nationalmannschaft drängen wollen. Das sei aber nie der Fall gewesen. Trotz der Spannungen prägten beide den deutschen Fußball der 1990er-Jahre. Gemeinsam gewannen sie 1990 die Weltmeisterschaft in Italien und bestritten gemeinsam weitere Turniere. Auch wenn es ihm damals nicht bewusst gewesen sei: Mit keinem anderen Spieler hat Klinsmann so oft zusammen auf dem Platz gestanden. „Wir haben uns gegenseitig ständig zusätzliche Energie gegeben“, blickt er heute positiv auf die Spannungen zurück. Große Bewunderung trotz Konflikten Im Podcast mit den Ex-Premier-League-Spielern Roy Keane, Gerry Neville und Ian Wright betonte Klinsmann seine Wertschätzung für Matthäus. „Für vier oder fünf Jahre war er der beste Spieler auf dem Planeten“, sagte der ehemalige DFB-Teamchef. Nach dem Leistungsabfall von Diego Maradona habe Matthäus den Weltfußball Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre dominiert. Vor allem seine Vielseitigkeit imponierte Klinsmann. Matthäus war beidfüßig und konnte Spiele im Alleingang lenken und in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen treffen. Aus Rivalen wurden Freunde Ihren früheren Konflikt haben beide inzwischen hinter sich gelassen. „Heute haben wir eine großartige Freundschaft und ein respektvolles Verhältnis“, sagt der 61-Jährige. Zwar seien sie keine besten Freunde, stünden aber regelmäßig in Kontakt. „Wir schreiben uns alle zwei Wochen.“ Damit bekräftigt Klinsmann frühere Aussagen beider Ex-Nationalspieler. Bereits im Frühjahr hatten sie erklärt, dass sie die damaligen Auseinandersetzungen heute kaum noch nachvollziehen könnten. „Was war eigentlich damals mit uns los? Was sollte denn der ganze Schmarrn?“, habe man sich irgendwann gegenseitig gefragt, erinnert sich Klinsmann in einem Interview mit der „Abendzeitung München“.