WM 2026: Elfenbeinküste fordert die deutsche Nationalmannschaft heraus

Das Team der Elfenbeinküste ist ein unangenehmer Gegner und will der deutschen Mannschaft einige Probleme bereiten. Es ist verwundbar, aber brandgefährlich, wie sich gerade wieder gezeigt hat. Die „Elefanten“ aus Westafrika haben eigentlich alles, was eine Turniermannschaft mitbringen muss: Eine eisenharte, stabile Abwehr, wieselflinke Außenstürmer und einen Kader, der jede Menge internationale Erfahrung auf höchstem Niveau aufweist: Kein Gegner, gegen den man gerne antritt. Das musste auch Mitfavorit Frankreich schmerzlich erleben: Das Team um Superstar Kylian Mbappé und die beiden Münchner Michael Olise und Dayot Upamecano verlor vor den heimischen Fans in Nantes mit 1:2 (1:0) gegen die Ivorer, die diesen Erfolg nun als Momentum mit ins Turnier nehmen. Das enttäuschende Abschneiden beim Afrika-Cup im Januar zeigt aber auch: Das Team hat seine Schwächen. Im Viertelfinale gegen Ägypten kassierten die Ivorer spät das 2:3 und mussten nach Hause fahren. Das soll 2026 nicht wieder vorkommen. Im WM-Auftaktspiel gegen Ecuador fiel der Siegtreffer zum1:0 durch Amad Diallo zwar erst auf der Zielgeraden. Trotzdem untermauerten Diomande und Co, dass sie sich innerhalb der Gruppe eher an Deutschland als an Curacao orientieren wollen. So hat sich die Elfenbeinküste für die WM 2026 qualifiziert Die Qualifikation verlief nahezu makellos. In zehn Spielen blieb die Elfenbeinküste ungeschlagen. Sie holte acht Siege und zwei Unentschieden bei einem Torverhältnis von 25:0. In Worten: zu null. Kein einziges Gegentor – das unterstreicht die defensive Qualität. Schon der Auftakt setzte ein Zeichen: 9:0 gegen die Seychellen. Eng wurde es nur bei den torlosen Remis gegen Kenia und Gabun, wo die Offensive wenig Lösungen fand. Mehrere 1:0-Siege unterstreichen: Die Ivorer können sich gegen eine gute Abwehr schwertun, die Spiele am Ende aber auf ihre Seite ziehen. In der Quali-Schlussphase folgten ein 7:0 gegen die Seychellen und ein 3:0 gegen Kenia. Am Ende stand Platz eins vor Gabun – mit einem Punkt Vorsprung. Das sind die Gegner der Ivorer bei der WM 2026 Die Elfenbeinküste wurde zu Deutschland, Ecuador und Curaçao in die Vorrundengruppe E gelost. Die Spielansetzungen sehen wie folgt aus. Ecuador – Philadelphia, 14. Juni, Endergebnis 1:0: Ecuador erwies sich als der erwartet unangenehme Gegner. Gleich dreimal trafen die Südamerikaner Pfosten und Latte, die Partie hätte auch ganz anders ausgehen können. Sie sind physisch stark und spielen aus einer defensiven Grundordnung heraus. Zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste dürfte es am letzten Vorrundenspieltag um Gruppenplatz 1 gehen. Deutschland – Toronto , 20. Juni, 16 Uhr (22 Uhr MESZ): Deutschland geht auf jeden Fall als Favorit ins Spiel. Der Kader ist spielerisch stärker besetzt und breiter aufgestellt. Anfällig ist und bleibt Deutschland, wenn der Gegner nach Ballgewinn schnell umschaltet. Die Ivorer können das. Curaçao – Philadelphia, 25. Juni, 16 Uhr (22 Uhr MESZ): WM-Neuling Curaçao ist der krasse Außenseiter der Gruppe. Die Elfenbeinküste steht hier nach den beiden mutmaßlichen schwierigen Aufgaben gegen Deutschland und Ecuador womöglich unter Zugzwang. Das Team von der Karibikinsel wird tief stehen, und gegen solche Gegner tun sich die Ivorer schwer. Dennoch wäre alles andere als ein hoher Sieg eine große Enttäuschung. Die Elfenbeinküste schlägt ihr Camp auf dem Vereinsgelände des MLS-Klubs Philadelphia Union auf. Das bedeutet weniger Reisestress für Team und Mitarbeiter der Westafrikaner. Das sind die wichtigsten Spieler der Elfenbeinküste Yan Diomande (RB Leipzig, Marktwert ca. 90 Millionen Euro) : Pfeilschneller Flügelspieler und der vielleicht vielversprechendste Spieler des Kaders, zieht gerne von außen in den Strafraum. Dribbelstark und torgefährlich, aber im Abschluss bislang nicht konstant genug. Franck Kessié (Al-Ahli, Marktwert ca. 12 Millionen Euro) : Fixpunkt im zentralen Mittelfeld. Sichert nach Ballverlusten ab, schaltet sich aber auch selbst in die Offensive ein. Seine größte Zeit erlebte er bei der AC Mailand, anschließend spielte er eine Saison beim FC Barcelona . Zuletzt aber mit Formschwankungen. Evan Ndicka (AS Rom, Marktwert ca. 35 Millionen Euro) : Abwehrchef mit internationaler Erfahrung. Robust, kopfballstark, wichtig für die Organisation. Leichte Schwächen im Stellungsspiel. Gegnerische Mittelstürmer haben gegen diese „Kante“ trotzdem nicht viel zu lachen. Amad Diallo (Manchester United, Marktwert ca. 45 Millionen Euro) : Das Schweizer Taschenmesser der Ivorer. Offensiver Mittelfeldspieler, der gerne von der rechten Seite nach innen zieht, aber auch zentral hinter der Sturmspitze spielen kann. Beidfüßig, technisch stark, spielt bei Bedarf auch mal einen rechten Außenverteidiger. Beim überraschenden Testspielsieg gegen Frankreich traf er zum entscheidenden 2:1. Odilon Kossounou (Atalanta Bergamo, Marktwert ca. 15 Millionen Euro) : Seine langen Arme und Beine lassen sein Spiel manchmal tollpatschig wirken, doch dieser Eindruck täuscht: Der ehemalige Leverkusener ist ein guter Zweikämpfer und bringt eine gewisse Vielseitigkeit mit. Kossounou kann auch auf dem rechten Flügel verteidigen. Das ist der Trainer Emerse Faé führte die Mannschaft bereits 2024 zum Afrika-Cup-Titel, hat nun aber eine Bewährungsprobe vor sich. Nach dem Aus im Viertelfinale beim Afrika-Cup dieses Jahres steht er in der Kritik . Medienberichten zufolge geriet er unter Druck, nachdem die Erwartungen an eine erfolgreiche Titelverteidigung nicht erfüllt wurden. Gleichzeitig gilt er als Trainer, der jungen Spielern vertraut und die Entwicklung der Mannschaft vorantreibt. Als zentraler Mittelfeldspieler war Faé in den Nullerjahren Teil der sogenannten „goldenen Generation“ der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, die er gemeinsam mit Weltstars wie Didier Drogba , den Brüdern Yaya und Kolo Touré, Didier Zokora oder Emmanuel Eboué prägte. Auf Vereinsebene spielte er bei FC Nantes, OGC Nizza und dem FC Reading, ehe er im Alter von erst 28 Jahren seine Karriere wegen chronischer Venenentzündungen beenden musste. Spielsystem und Taktik Die Basis des Spiels der Elfenbeinküste ist eine stabile Viererkette, auf der Trainer Faé je nach Gegner entweder ein 4-3-3 oder ein 4-2-3-1 aufbaut. In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld stehen tatsächlich wahre Elefanten: Die meisten Spieler dieser Positionsgruppe sind mindestens 1,90 Meter groß. Im Zentrum geht es hart zur Sache, hier werden Räume zugestellt, lange Schläge weggeköpft und Bälle gesichert. Nach vorn zeigen die Ivorer ein anderes Bild: Es geht früh und schnell auf die Flügel, dort wird das Tempo hochgehalten, das Spiel breit gemacht, um Eins-gegen-Eins-Duelle für Flügelspieler wie Yan Diomande oder Bazoumana Touré zu erzwingen. Nach Ballgewinnen wird schnell vertikal gespielt, oft mit wenigen Kontakten. Genau hier liegt eine der größten Stärken: Die Elfenbeinküste kann Gegner über Tempo und direkte Läufe hinter die Abwehr unter Druck setzen. Aber: Gegen tief stehende Gegner ist vor der letzten Kette oft Schluss. Die Strafraumbesetzung ist oft unzureichend, Flanken finden keinen klaren Abnehmer. Die Sehnsucht nach einem neuen Nationalhelden wie Didier Drogba dringt den Ivorern aus jeder Pore. Ein klassischer Zielspieler, der Angriffe abschließt und Bälle festmacht, fehlt. Ein Leitbulle für „Les Éléphants“. Defensiv steht die Mannschaft grundsätzlich kompakt, was die Qualifikation ohne Gegentor belegt. Gleichzeitig gibt es immer wieder Phasen, in denen die Ordnung verloren geht – etwa nach eigenen Ballverlusten. Diese Konzentrationsprobleme führten auch beim Afrika-Cup dazu, dass die Mannschaft mehrfach in Rückstand geriet. Diese Schwachstelle wird auch Deutschlands Trainerteam um Julian Nagelsmann im Blick haben. Die Elfenbeinküste war noch nie in der K.-o.-Runde Die Elfenbeinküste nahm 2006, 2010 und 2014 an Weltmeisterschaften teil und schied dreimal in der Gruppenphase aus. Immer war es eng, immer hatte man sich eigentlich mehr versprochen. Das große Versprechen der Drogba-Generation konnten die Ivorer nie einlösen. Das wollen sie in Nordamerika ändern. Warum eigentlich „Les Éléphants“? Der Spitzname „Les Éléphants“ verweist auf das Nationalsymbol des Landes. Der Elefant steht für Stärke und Widerstandskraft, aber auch für den Familiengeist, der Elefantenherden zu eigen ist. Das sind Eigenschaften, mit denen sich die Mannschaft identifiziert. Ex-Nationalspieler Max Gradel formulierte es so: „Wir sind die Fortsetzung derselben Geschichte. Wir sind die Familie der Elefanten. Die Generationen mögen unterschiedlich sein, aber die Geschichte bleibt dieselbe“.