Vor dem Turnier sprach Julian Nagelsmann oft vom neuen deutschen Innenverteidiger-Duo. Dieses muss nun wieder umgebaut werden. Nico Schlotterbecks WM ist vorzeitig beendet. Nach einer MRT-Untersuchung steht fest: Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund hat sich im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste schwer am linken Sprunggelenk verletzt und fällt laut DFB für „mehrere Monate“ aus. „Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können“, sagte Julian Nagelsmann in einer am Morgen veröffentlichten Stellungnahme des Verbandes. Bittere Gewissheit: WM für Nico Schlotterbeck gelaufen Schlotterbeck-Aus: Darf Julian Nagelsmann nachnominieren? Auch beim BVB ist die Enttäuschung groß. Lars Ricken sagte: „Für Nico tut es mir extrem leid, er war richtig gut in Form und aus der Startelf unserer Nationalmannschaft nicht wegzudenken.“ Das WM-Aus sei für den Dortmunder „unglaublich bitter“. Dennoch werde Schlotterbeck „auch diesmal“ stärker zurückkommen. „Zum Glück ist er ein sehr positiver Typ“ Trotz der Diagnose bleibt der 26-Jährige zunächst im Teamquartier in Winston-Salem. Dort erhielt er nach der Untersuchung viel Zuspruch. „Wir haben alle versucht, ihn aufzubauen. Zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, sagte Nagelsmann. Dass Schlotterbeck vorerst bei der Mannschaft bleibe, sei „ein schönes Zeichen. Denn er hat auch neben dem Platz Einfluss.“ Verletzt hatte sich Schlotterbeck bereits in der Anfangsphase des Spiels gegen die Elfenbeinküste in Toronto , das Deutschland spät mit 2:1 gewann. Er zog sich einen Innenbandriss zu. Nach einer Behandlung spielte er zunächst weiter und hielt bis zur Halbzeit durch. Vor Ort erhielt er Unterstützung von seiner Frau, seinem zweijährigen Sohn und seinen Mitspielern. Der DFB reagierte in seiner Instagram-Story mit einem gebrochenen Herz-Emoji. Für Nagelsmann ist es der nächste Ausfall. Serge Gnabry verpasste die WM bereits verletzungsbedingt. Zudem zog sich Lennart Karl vor der Generalprobe gegen die USA im Training eine Verletzung zu. Für den Münchner wurde Assan Ouédraogo nachnominiert. Einen Ersatz für Schlotterbeck darf Deutschland wegen der Fifa-Regularien nicht berufen. Früherer Abwehrchef wird wieder wichtig „Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah , Antonio Rüdiger , Waldemar Anton und Malick Thiaw sehr gut aufgestellt“, sagte Nagelsmann. Damit rückt vor allem Rüdiger stärker in den Mittelpunkt. Nach der Rückkehr aus Toronto verließ der frühere Abwehrchef den Charterflieger mit Schlotterbecks Sohn auf dem Arm. Nun dürfte seine Rolle auf dem Platz wieder größer werden. „Es hat sich nicht viel verändert. Ich muss für alle Szenarien bereit sein – und ich bin bereit“, sagte Rüdiger nach seinem 45-minütigen Einsatz. Dabei hatte sich der Profi von Real Madrid mit seiner Reservistenrolle bereits arrangiert. „Jeder hat seine Zeit, jetzt ist deren Zeit. Sei den Jungs gegönnt. Ich kann nur unterstützen“, sagte Rüdiger trotz seiner 84 Länderspiele. Für seine Konkurrenten fand er lobende Worte. Zwar räumte er ein, dass es nicht leicht sei, „auf der Bank zu sein“. Über Tah sagte er jedoch, er „stellt einfach was dar“. Und über Schlotterbeck meinte Rüdiger, dieser habe „einen linken Fuß aus Gold“. „Diesen Diagonalball können wir ohne ihn nicht spielen“ Genau diesen Aspekt hebt nun auch Jürgen Klopp hervor. „Wir sind es gewöhnt, dass Schlotterbeck ins Mittelfeld rein dribbelt und dann auf links oder den Diagonalball spielt. Das ist ein wichtiges Element des Spiels. Diesen Diagonalball können wir aber ohne ihn nicht mehr spielen“, sagte der MagentaTV-Experte. Rüdiger habe es nach seiner Einwechslung gegen die Elfenbeinküste „wirklich gut gemacht“. Er sei „erfahren genug“ und habe „seit Jahren auf allerhöchstem Niveau gespielt“. Einen „linken Fuß“ könne man ihm allerdings nicht ankleben. „Wenn wir die Seite wechseln wollen, müssen wir das jetzt mit Pässen machen. Wir brauchen also jetzt mindestens einen Pass mehr.“ Große Bedenken äußerte Klopp dennoch nicht. Auch Nagelsmann zeigte sich zufrieden mit Rüdigers Auftritt. „Es ist nicht leicht, in so ein Spiel reinzukommen. Wenn du nicht den Spielrhythmus hast, musst du es erstmal so gut machen“, sagte der Bundestrainer. Doch zunächst überwog bei allen Beteiligten der Schock über Schlotterbecks Ausfall.