Nach dem titellosen Crash droht Bayerns Basketballprojekt der nächste Imageschaden. Uli Hoeneß greift in den Streit um Wunschtrainer Anton Gavel ein. Aus München berichtet Julian Buhl Herbert Hainer schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Der Präsident des FC Bayern konnte nicht fassen, was er da soeben als Augenzeuge erleben musste: Der FC Bayern Basketball war gegen Außenseiter Alba Berlin als haushoher Favorit in das alles entscheidende fünfte Finalspiel um die deutsche Meisterschaft gegangen. Zur Halbzeit führten die Bayern bereits in eigener Halle mit 47:27. Es half alles trotzdem nichts. Der FCBB verspielte seinen 20-Punkte-Vorsprung noch und mit der 81:84-Niederlage auch die Meisterschaft. „Er ist der, der den Vertrag bricht“: Zoff um Bayerns Wunschtrainer eskaliert Drama in München: Bayern verspielt 20 Punkte und die Meisterschaft Auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß konnte das kaum wahrhaben. Mit gesenktem und hochrotem Kopf verließ der 74-Jährige unmittelbar nach Abpfiff die Halle. Und verzichtete auf die Siegerehrung, bei der die Bayern den Berlinern in ihrem eigenen Wohnzimmer dabei zuschauen mussten, wie sie die Meistertrophäe in den goldenen Konfettiregen reckten. Aus Bayern-Sicht war das ein Sinnbild für eine komplett missratene und am Ende nun komplett titellose Saison. Damit ist das Debakel aus Sicht der Münchner endgültig perfekt. Die Bayern, die mit dem größten Etat der Klubgeschichte sowie mehreren Welt- und Europameistern im Kader in die Spielzeit gestartet waren, sind an ihren eigenen riesigen Ansprüchen krachend gescheitert. Mehr noch: Hoeneß‘ Herzensprojekt ist an einem neuen vorläufigen Tiefpunkt angekommen. Bayern führungs- und gesichtslos Nach dem Abschied von Geschäftsführer Marko Pešić, dem Mr. FC Bayern Basketball der vergangenen 15 Jahre, wirkte der FCBB bereits in den vergangenen Monaten führungs- und gesichtslos. Es passte ins Bild, dass nach dieser historischen Schmach kein einziger Verantwortlicher dazu bereit war, diese gegenüber den Reportern zu erklären. Aber wer hätte das auch tun sollen? Hainer, der als Präsident bei den Bayern-Basketballern nicht unmittelbar für das Sportliche verantwortlich ist, tat es jedenfalls nicht. Sportdirektor Dragan Tarlac war zwar in der Halle. Da sein Abschied zum Ende dieser Saison allerdings bereits beschlossen ist, fühlte er sich ebenfalls offenbar nicht dazu berufen, die enttäuschende Saison zu erklären. Viel Arbeit für Leibenath Bayern drückt jetzt nämlich den Reset-Knopf bei seinem Basketballprojekt. Thorsten Leibenath, der nun neuer Geschäftsführer Sport wird, tritt seinen Dienst in München offiziell erst zur neuen Saison an. Dass viel Arbeit auf ihn wartet, konnte er aber auch schon am Sonntag aus der Distanz beobachten. Mit ihm wollen die Bayern in jedem Fall wieder neu angreifen – und zwar in allen Wettbewerben. Dafür dürfte es im Kader einige Veränderungen geben. Mit dem ehemaligen Meisterkapitän Anton Gavel soll auch ein neuer Chefcoach von Bamberg nach München wechseln und den 76 Jahre alten Svetislav Pešić ablösen, der sich ohne den Meistertitel wieder in seinen Ruhestand verabschiedet. Pešić räumte nach der Niederlage ein: „Mir ist es als Trainer nie gelungen, eine Mannschaft zu bilden, die in schweren Momenten des Spiels zurückkommt.“ Ende vergangenen Jahres war der Vater von Marko Pešić auf Weltmeister-Trainer Gordon Herbert gefolgt. Der Altmeister stabilisierte Bayern zwar. Ohne Playoff-Niederlage bis zum Finale nahm das Happy End Formen an. Am Ende blieb es Pešić und den Bayern aber dennoch verwehrt. Obwohl sie in der Best-of-five-Serie bereits mit 2:1 in Führung lagen, triumphierte Berlin doch noch mit 3:2 Siegen im Finale. Hoeneß schaltet sich in Zoff um Bayerns Wunschtrainer ein Leibenath und Gavel haben bereits in Ulm erfolgreich zusammengearbeitet. Nun sollen sie die Bayern als neues Führungsduo gemeinsam wieder zurück in die Erfolgsspur bringen. Dafür gilt es allerdings zunächst noch eine Lösung im Zoff um eine mögliche Ablösesumme für Gavel zu finden. Nachdem der seinen eigentlich noch bis Sommer 2027 gültigen Vertrag aufgrund eines Formfehlers gekündigt hatte, warfen die Bamberger ihm zuletzt öffentlich Vertragsbruch vor. Die Bayern wollen jetzt jedenfalls gar keine Ablöse für Gavel zahlen. Bambergs Klub-Mäzen Michael Stoschek berichtete sogar von erfolglosen Schlichtungsversuchen mit Hainer. Am Rande des Meisterfinales schaltete sich auch Hoeneß öffentlich in den Streit um Bayerns Wunschtrainer ein. „Ich persönlich glaube, dass wir in der nächsten Saison Anton Gavel hier als Trainer haben. Man muss versuchen, eine diplomatische Lösung zu finden“, sagte der Bayern-Patron in der Halbzeitpause bei Dyn. Das Drama, das in der zweiten Halbzeit des Meisterfinales folgte, führte Hoeneß und den Bayern-Basketballern dann noch mal deutlich vor Augen, wie dringend sie jetzt einen Neuanfang brauchen.