FC Bayern: PSG erfand sich nach Messi, Mbappé, Neymar neu – 822 Mio. Euro

PSG hat sich nach dem Abgang seiner Superstars Messi, Mbappé und Neymar neu erfunden – und dabei mehr Geld denn je ausgegeben. Über 822 Millionen Euro flossen in den Kader. Aus Paris berichtet Julian Buhl Ausgerechnet in der Münchner Arena ist Paris Saint-Germain im vergangenen Sommer am vorläufigen Ziel seiner jahrelangen Bestrebungen angekommen. Dort feierten die Pariser im Finale den lange ersehnten ersten Champions-League-Triumph. Nun darf PSG sogar den großen Traum von der Titelverteidigung in der Königsklasse träumen. Der FC Bayern , der am Dienstag (21 Uhr im Liveticker bei t-online) zum Halbfinal-Hinspiel in der französischen Hauptstadt erwartet wird, will den zerplatzen lassen. Das Duell gilt als vorgezogenes Finale. Aus sportlicher Sicht werden sich die beiden Teams dabei auf Augenhöhe begegnen. Bei einem Blick auf die Transferausgaben der beiden Topklubs ist das in der jüngeren Vergangenheit allerdings nicht der Fall. Die PSG-Investoren aus Katar investierten in den vergangenen zehn Jahren hohe Summen. Das Ziel: PSG sollte mit katarischen Sponsoren auf dem Trikot überall zu sehen sein. Also gaben die Investoren Milliardensummen aus, um ihre Ansammlung von Superstars Jahr für Jahr zu vergrößern. 2017 überwiesen sie für den Transfer des Brasilianers Neymar die Rekordsumme von 222 Millionen Euro an den FC Barcelona . Nur ein Jahr später folgte nach einjähriger Leihe die feste Verpflichtung von Kylian Mbappé , für die 180 Millionen an Monaco fällig wurden. Daran scheiterten Messi, Neymar und Mbappé Gemeinsam mit Lionel Messi , der 2021 ablösefrei vom FC Barcelona kam, bildeten die beiden zwei Jahre lang das Startrio einer Weltauswahl. Die erinnerte schon an die „Galaktischen“ von Real Madrid Anfang der 2000er Jahre mit Zinédine Zidane, Luís Figo, David Beckham sowie den beiden Brasilianern Ronaldo und Roberto Carlos. Doch die Rechnung der katarischen Investoren ging nicht auf – zumindest was den sportlichen Erfolg betrifft. National dominierte Paris zwar nach Belieben, der Gewinn der Champions League blieb Neymar, Messi und Mbappé aber stets verwehrt. Dieser große Triumph gelang PSG erst ausgerechnet in der ersten Saison, nachdem mit Mbappé auch der letzte der drei Superstars den Klub verlassen hatte. Ohne das Trio hat Paris in den vergangenen zwei Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen: von einem nur auf drei Topstars ausgerichteten Ensemble von Einzelkönnern hin zu einer erfolgreichen richtigen Mannschaft. Dieser Paradigmenwechsel spiegelt sich in den vergangenen Jahren auch in einer veränderten Transferpolitik wider. Dabei wurde zunächst kein weiterer Weltstar mehr für rund 200 Millionen Euro verpflichtet. Wer allerdings glaubt, dass die Transferausgaben von PSG in den Kader deshalb zurückgegangen wären, der sieht sich getäuscht. Der Ballon-d’Or-Sieger kam gerade einmal für 50 Millionen Euro Allein in den vergangenen drei Jahren investierte der Klub nämlich erneut knapp 822 Millionen Euro. Auf den Abschied von Messi (wechselte ablösefrei zu Inter Miami) und Neymar (für 90 Millionen Euro zu Al-Hilal) im Sommer 2023, reagierte PSG mit Transfers in Höhe von insgesamt 454,50 Millionen Euro. Ousmane Dembélé kam für eine vergleichsweise geringe Ablöse von lediglich 50 Millionen Euro vom FC Barcelona. Der Franzose erwies sich auf dem Weg zum Champions-League-Sieg als Schlüsseltransfer und wurde im vergangenen Jahr mit dem Ballon d’Or zum Weltfußballer ausgezeichnet. Im selben Jahr kamen unter anderem noch Randal Kolo Muani (für 95 Millionen Euro), Gonçalo Ramos (65 Millionen), Manuel Ugarte (60 Millionen) sowie Bradley Barcola und Lucas Hernández (jeweils 45 Millionen Euro). Trotz der Verkäufe unter anderem von Neymar (für 90 Millionen Euro) und Marco Verratti (45 Millionen) für insgesamt 210,65 Millionen Euro schloss PSG seine Transferbilanz in diesem Jahr mit einem satten Minus von 243,85 Millionen Euro ab. In der Folgesaison investierte Paris dann „nur“ 255,92 Millionen Euro in seinen Kader. Mit 80 Millionen Euro war Winterneuzugang Khvicha Kvaratskhelia der teuerste Transfer. Gefolgt von João Neves, der für 65,92 Millionen Euro kam und Désiré Doué , den sich PSG damals im Wettbieten mit dem FC Bayern 50 Millionen Euro kosten ließ. Nach Abschied der Topstars: Transferminus von über 400 Millionen Nachdem gleichzeitig unter anderem Xavi Simons (an RB Leipzig) und Manuel Ugarte jeweils für 50 Millionen Euro sowie Hugo Ekitiké (für 31,5 Millionen Euro an Eintracht Frankfurt) verkauft wurden, entstand trotzdem erneut ein dreistelliges Transferminus von 110,82 Millionen Euro. Und zwar vor allem deshalb, weil Mbappé den Klub zwar mit einem Marktwert von 200 Millionen Euro, am Ende seines auslaufenden Vertrags aber ablösefrei zu Real Madrid verließ. Im vergangenen Sommer gab PSG mit rund 111 Millionen Euro vergleichsweise wenig Geld für neue Spieler aus. Die verteilten sich hauptsächlich auf Innenverteidiger Illia Zabarnyi (63 Millionen Euro) und Torwart Lucas Chevalier (40), der Gianluigi Donnarumma (wechselte für 30 Millionen Euro zu Manchester City) ersetzen sollte. Addiert mit den 47,2 Millionen Euro in dieser Saison erwirtschaftete PSG in den vergangenen drei Jahren insgesamt ein Transferminus von über 400 Millionen Euro. Bayern investiert nur halb so viel wie PSG in Transfers Zum Vergleich: Der FC Bayern gab in den vergangenen drei Jahren 425,3 Millionen Euro, also nur knapp die Hälfte von PSG (822 Millionen) für Neuzugänge aus. Vor der aktuellen Saison waren es 88,80 Millionen Euro, von denen allein 70 Millionen Euro für Luis Díaz als Königstransfer fällig wurden. Im Jahr davor, als unter anderem Michael Olise (für 53 Millionen Euro) und João Palhinha (für 50 Millionen Euro) verpflichtet wurden, waren es 149 Millionen Euro. In der Saison 2023/24 waren die Ausgaben mit insgesamt 187,50 Millionen Euro am höchsten. Damals holten die Bayern unter anderem Harry Kane als Rekordtransfer für 95 Millionen Euro sowie Min-jae Kim für 50 Millionen Euro und im Winter dann noch Transferflop Sasha Boey für 30 Millionen Euro. Im selben Jahr generierten die Münchner aber auch mit den Verkäufen von Lucas Hernández (für 45 Millionen Euro), Ryan Gravenberch (40 Millionen Euro), Benjamin Pavard (31,40 Millionen Euro), Sadio Mané (30 Millionen Euro) und Marcel Sabitzer (19 Millionen Euro) Einnahmen von insgesamt 175,42 Millionen Euro. Es entstand also nur ein Minus von gerade einmal 12,08 Millionen Euro. Ein Jahr später gaben die Bayern 64,65 Millionen Euro mehr aus als sie durch Transfers einnahmen (84,35 Millionen Euro). In diesem Jahr lieferten die Verkäufe unter anderem von Mathys Tel (für 35 Millionen Euro), Kingsley Coman (25 Millionen Euro), Paul Wanner (15 Millionen Euro), Adam Aznou (9 Millionen Euro) für insgesamt 101,70 Millionen Euro sogar ein Transferplus von 12,9 Millionen Euro. Die Transferbilanz fällt bei den Bayern im Vergleich mit Paris also insgesamt auch in den vergangenen drei Jahren deutlich ausgeglichener aus. PSG und Manchester City widerlegen Rummenigges These Anfang 2023 sagte Bayerns langjähriger CEO Karl-Heinz Rummenigge noch im t-online-Interview: „Den Champions-League-Titel kann man nicht kaufen.“ Rummenigge verwies damals darauf, dass sich in den vorangegangenen Jahren eher Real Madrid oder der FC Bayern in der Königsklasse durchgesetzt hätten, „auch wenn Klubs wie Paris oder ManCity finanziell bessere Voraussetzungen haben“. Die große Frage sei, „wie lange sich das noch aufrechterhalten lässt“, Rummenigge gab bereits damals zu bedenken. „Denn die Summen werden schon absurd, wenn ich lese, was Ronaldo jetzt in Saudi-Arabien verdient oder auch Messi bei PSG. Da kannst du als Bayern München strampeln, wie du willst, da kommst du nicht hin, und das sollte auch nicht das Ziel sein.“ Sowohl Manchester City, das den Titel im Sommer 2023 gewann als auch PSG, das im vergangenen Jahr auch noch ausgerechnet im Finale in der Münchner Arena triumphierte, widerlegten Rummenigges These mittlerweile. Die Titelverteidigung gelang aber noch keinem der beiden Klubs. Es liegt jetzt am FC Bayern, das erneut zu verhindern.