Julian Nagelsmann hat eine Mission: Er will Weltmeister werden. Auf dem Weg dahin hat er aber mit der einen oder anderen Hürde zu kämpfen. „Wir haben nicht gewürfelt, nicht gelost“, stellte Julian Nagelsmann klar. Viele Stunden Diskussion seien in den WM-Kader geflossen. Die Entscheidungen zu treffen sei hart, betonte der Bundestrainer. „So eine Nominierung ist gefühlt schwerer als das Turnier an sich.“ Es waren aber nicht nur einzelne Kaderplätze, die ihn beschäftigten, es waren auch andere Themen. Da war zum einen der Ärger um seine Aussagen über Deniz Undav im März , für die er sich bei dem Torjäger später entschuldigte. Da war aber auch das Thema rund um die Rückkehr von Manuel Neuer . Monatelang hatte Neuer ein Comeback ausgeschlossen, Nagelsmann immer auf Neuers Entscheidung verwiesen und betont, dass Ersatzmann Oliver Baumann seinen Job „herausragend gut“ mache und es kein Torwart-Thema gebe. Schließlich führte er dann doch Gespräche mit Neuer, die in eine Nominierung mündeten. Für die Art und Weise der Kommunikation erntete der Bundestrainer erneut Kritik. Nagelsmann geriet in die Schusslinie. Er selbst sei über weite Strecken fein mit seiner Kommunikation, sagte er auf der Pressekonferenz. Aber: „Man kann immer diskutieren, und da gebe ich Ihnen recht, ob das der richtige Weg war.“ Nagelsmann ließ durchblicken, dass er das eine oder andere im Nachhinein anders gelöst hätte. Eigentlich wollte er einen Stürmer mitnehmen Die Kommunikation war aber nicht das Einzige, das sich der Bundestrainer anders gewünscht hätte. Im März hatte er noch im „Kicker“-Interview betont, dass er einen Stürmer zur WM mitnehmen wolle, „der in der Luft ein bisschen was regeln kann, wenn wir mal ein Tor brauchen und nicht alles mit den Zauberern dahinter lösen können, weil der Gegner tief verteidigt“. Die beiden Kandidaten: Niclas Füllkrug und Tim Kleindienst . Doch Füllkrug schoss in einem halben Jahr in Italien nur ein Tor, und Kleindienst kam nach langer Verletzung nur auf vier Minuten Einsatzzeit im Jahr 2026. Also entschied sich Nagelsmann dazu, doch keinen zu nominieren. Das Profil eines klassischen Stoßstürmers fehlt im DFB-Kader. Aber auch andere Personalien bringen Sorgenfalten mit sich. Nick Woltemade zum Beispiel kommt im Jahr 2026 nur auf ein Tor. Die Hoffnung, in ihm den deutschen Stürmer Nummer eins gefunden zu haben, hat einen herben Dämpfer bekommen. Leroy Sané sammelte bei Galatasaray in der Rückrunde nur ein Tor und eine Torvorlage in der türkischen Süper Lig. Seinen Platz in der Startelf der Nationalmannschaft, den sich der eigentlich hochbegabte Flügelstürmer im Herbst erarbeitet hatte, ist wohl schon wieder verloren. „Er hat vielleicht erst mal eine Rolle als Herausforderer“, verriet Nagelsmann. Das einzigartige Paket aus Technik und Tempo, das Sané mitbringt, ist dann doch zu selten auf dem Platz zu sehen. Wo ist die Vorfreude? Die WM-Euphorie, die Nagelsmann gerne im Land hätte, ist noch nicht zu spüren. Vor zwei Jahren verkündete er nach dem Aus bei der Heim-EM, Weltmeister werden zu wollen. Daran glauben aber drei Wochen vor dem Auftakt nur wenige Fans und Experten. Die Ex-Nationalspieler Benedikt Höwedes und Gerald Asamoah trauten der DFB-Elf im t-online-Interview beispielsweise das Viertelfinale zu, viel mehr aber auch nicht. Julian Nagelsmann hält an seinem Ziel fest: „Die Aussage gilt.“ Gleichzeitig fügte der Bundestrainer an: „Es war ein entscheidendes Wort drin, ich habe gesagt, wir ‚wollen‘ Weltmeister werden.“ Ob Deutschland es tatsächlich wird, das ist eine andere Frage.