Nach ihrer verbalen Attacke gegen eine French-Open-Gegnerin holt Oleksandra Olijnykowa zum Rundumschlag gegen russische und belarussische Athleten aus. Auch die Weltranglistenerste bekommt Kritik ab. Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Olijnykowa hat deutliche Kritik an der belarussischen Weltranglistenersten Aryna Sabalenka geübt. Im Interview mit der „Bild“-Zeitung warf die 25-Jährige dem Superstar mangelnden Protest gegen den von Belarus unterstützten russischen Angriffskrieg in der Ukraine und den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor. „Sie ist die berühmteste Belarussin der Welt“, sagte Olijnykowa über Sabalenka. „Jemand mit so vielen Fans und Einfluss, mit so viel Geld, tut nicht den kleinsten Schritt, die Ukrainer zu unterstützen, indem sie Lukaschenko verurteilt“, so Olijnykowa weiter. „Belarus ist ein autokratischer Staat. Sie bekommt Glückwünsche von ihm, wenn sie gewinnt.“ Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 muss sich Sabalenka immer wieder kritischen Fragen zu ihrer Haltung zum Angriffskrieg stellen. Kurz nach Kriegsausbruch hatte die 28-Jährige verlauten lassen: „Wenn ich den Krieg beenden könnte, würde ich es tun.“ Ein Jahr später hatte sie im Rahmen der French Open auf erneute Nachfragen erklärt: „Ich unterstütze den Krieg nicht, das bedeutet, dass ich gerade Lukaschenko nicht unterstütze.“ „Sie versucht nur, diesem Thema auszuweichen“ Vor Ausbruch des Krieges hatte sich Sabalenka jedoch in Rahmen von Tennis-Matches mit Lukaschenko ablichten lassen. Nach der manipulierten Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 und den damit einhergehenden Protesten gegen Machthaber Lukaschenko hatte Sabalenka zudem einen offenen Brief unterschrieben, indem gefordert wurde, dass sich Sportler aus der Politik heraushalten. Der Brief stand im Kontrast zu einem weiteren offenen Brief, indem verschiedene Sportpersönlichkeiten eine Annullierung der Wahl gefordert hatten. Daher wurde Sabalenkas Unterschrift als Unterstützung für Lukaschenko gewertet. Sabalenkas Aussagen gegen den Krieg in der Ukraine sind Olijnykowa deshalb nicht genug. „Sie lügt! Das ist meine Meinung“, sagte sie der „Bild“. Mit ihrer Berühmtheit könne sie „so viel für die Ukrainer, für den Frieden tun, und die Menschen in ihrem Land unterstützen, die für Demokratie sind und unter Lukaschenko leiden“, lautet Olijnykowas Anklage. „Aber sie sagt nur: ‚Wenn ich den Krieg beenden könnte, würde ich es tun.‘ Das ist absurd. Sie versucht nur, diesem Thema auszuweichen.“ Klare Forderung an russische Athleten Im Rahmen der French Open hatte Olijnykowa nach ihrer Drittrundenniederlage bereits ihre russische Gegnerin Diana Schnaider aufgrund ihrer angeblichen Unterstützung für den Krieg attackiert. Generell bemängelt Olijnykowa, dass russische und belarussische Tennisspieler nicht klar genug Stellung bezögen. „Ich kenne tatsächlich keinen einzigen russischen, belarussischen oder ex-russischen Profi, der klar sagt: ‚Ich verurteile die russische Aggression. Ich verurteile die Taten von Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko. Ich verurteile Kriegsverbrechen. Ich unterstütze die Ukraine.'“. Ein bloßes Bekenntnis gegen den Krieg sei nicht genug. „Das kann alles bedeuten. Das kann heißen: Lass uns die Ukraine liquidieren, dann hört der Krieg auf. Für mich hieße das, ich hätte meine Heimat verloren, die Menschen, die ich liebe und ich könnte nicht mehr in meinem Land leben. Das ist kein Frieden und das ist nicht gerecht, das ist schrecklich. Aber dann würden natürlich keine Bomben mehr fallen, das klingt sehr komfortabel“, so Olijnykowa. Stattdessen müsse der Angriff auf ihr Land klar verurteilt werden. „Die Person muss sagen: ‚Ich verurteile die russische Aggression.'“ Die Wiederzulassung von belarussischen Sportlern unter eigener Flagge und mit eigener Hymne durch das Olympische Komitee und sogar von russischen Symbolen durch den Weltturnverband findet Olijnykowa „fürchterlich“. „Natürlich sind Flagge und Hymne für die Ukrainer verbunden mit vielen Qualen. Sie sollten überall verbannt sein“, sagt sie. „Das sind keine nationalen Symbole, das sind Symbole des Terrors.“ Auch von der WTA fordert sie, dass mehr dafür getan wird, Zeichen der Unterstützung für den Krieg zu unterbinden. Sie selbst spendet Teile ihrer Preisgelder für die ukrainische Armee zur Beschaffung von Drohnen.