Bei der Fußball-WM wird es bei allen Partien Trinkpausen geben. Eine sinnvolle Maßnahme bei hohen Temperaturen oder steckt mehr dahinter? Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft wird größer, länger und generell etwas anders. So hat der Weltverband Fifa für alle Spiele der WM obligatorische Trinkpausen festgelegt. Diese werden zur 23. sowie 68. Minute eingelegt und finden unabhängig von den klimatischen Bedingungen im Stadion statt. Zuvor lautete die Regel, dass Trinkpausen nur dann nach jeweils 30 Minuten in einer Halbzeit eingelegt werden sollten, wenn zum Zeitpunkt des Anstoßes die Temperatur vor Ort mindestens 31 Grad Celsius beträgt. „Es wird dreiminütige Pause zum Hydrieren in jedem Spiel geben, unabhängig davon, wo das Spiel stattfindet, ob das Stadion ein Dach hat oder wie die Temperatur ist“, erklärte Manolo Zubriria, der WM-Organisationschef in den USA. Die klimatischen Bedingungen in den Austragungsländern könnten eine wichtige Rolle beim Turnier spielen. In Spielorten wie Arlington in Texas werden im Juli durchschnittliche Höchsttemperaturen von 34,7 Grad Celsius erreicht. Experten gehen davon aus, dass die Temperaturen den Spielern keine gesundheitlichen Probleme bereiten sollten, aber die Partien um einiges verlangsamen könnten. Werbung in den Trinkpausen? Dass die Fifa jedoch Trinkpausen unabhängig von den Temperaturen verordnet, hat gewiss noch andere Gründe als die bloße Sorge um die Leistung der Spieler. Mit den obligatorischen Unterbrechungen, die zudem drei Minuten lang sind, wird das Fußballspiel in Viertel aufgeteilt: nach 22 Minuten eine Pause, zur 45. Minute die Halbzeitunterbrechung, dann wieder nach 22 Minuten eine weitere Pause. Der Weltverband hat bereits den Fernsehpartnern für die Weltmeisterschaft signalisiert, dass sie während der dreiminütigen Trinkpausen in eine Werbeunterbrechung gehen dürfen. Es ist gewissermaßen das Modell vieler US-Sportarten, wo es recht regelmäßige Pausen gibt. In der NFL ist dieses Phänomen aufgrund der Start-Stopp-Mechanik eines Spiels am stärksten verbreitet. Aber auch im Eishockey – ob in NHL oder DEL – gehören die sogenannten Powerbreaks mittlerweile zum Standard. Zwei- bis dreimal pro Drittel wird eine 90-sekündige Unterbrechung eingelegt, was den Fernsehanstalten die Möglichkeit gibt, ein paar Werbespots zu zeigen. Fox Sports, der Fernsehpartner für die WM-Übertragungen in den Vereinigten Staaten, hat kürzlich mitgeteilt, dass man sich mit der Fifa im Austausch befinden würde, wie die Pausen entsprechend ausgestaltet werden. Zac Kenworthy, einer der Produktionsverantwortlichen von Fox Sports, sagte, man müsste dabei eine richtige Balance finden. Die Balance zwischen den kommerziellen Möglichkeiten während einer Partie und den Normen des Fußballs. Werbepausen, während sich der Ball im Spiel befindet, sind ausgeschlossen. Aber auch Werbung während der Trinkunterbrechungen könnten zu Kontroversen führen, denn Fans wollen die Interaktionen zwischen Trainern und Spielern in diesen drei Minuten verfolgen. Dass Interviews währenddessen geführt werden, scheint zumindest bis jetzt ausgeschlossen. Trainern nutzt die Neuerung Doch die Dynamik einer Partie wird sich so oder so etwas verändern. Denn den Trainern wird es gestattet sein, Laptops und andere technische Hilfsmittel zu nutzen. Die Regelhüter des Ifab weisen ihrerseits darauf hin, dass kleine technische Geräte von Headsets bis hin zu Tablets und Laptops gestattet sind. Die Spieler müssten zwar zum Hydrieren auf dem Rasen bleiben, könnten jedoch taktische Anweisungen erhalten. Anstatt von der Seitenlinie etwas hineinzurufen, was beim Flügelspieler auf der anderen Seite des Feldes ohnehin nur bedingt ankommt, wird es Trainerstäben nun nach den 22-minütigen Intervallen möglich sein, dezidierte Anweisungen zu erteilen und auf die Mannschaften einzuwirken.