Völler „bleibt hängen“ und verpasst Live-Schalte beim ZDF

Das ZDF hat die WM mit einem ausgiebigen Countdown eingeleitet. Der verlief nicht ganz ohne Probleme. Gut dreieinhalb Stunden vor Anpfiff des ersten WM-Spiels in Mexiko begann das „ZDFsportstudio“ mit seiner Countdown-Sendung. Viel Zeit, um in der eigens errichteten ZDF-Sportarena im Berliner Zollernhof in der Fußball-Vergangenheit zu schwelgen, die sportliche Gegenwart zu analysieren und politische Themen rund um das Mega-Turnier und seine drei Gastgeberländer zu diskutieren. Spannend wurde es vor allem abseits vorproduzierter Beiträge. Eingeladen hatten die Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Jochen Breyer eine ganze Reihe an Expertinnen und Experten. Einer von ihnen wurde sogar mit einem Ständchen empfangen, denn: Kult-Trainer Christian Streich hatte am Donnerstag Geburtstag. Auf die von Müller-Hohenstein angeführte Gesangseinlage der rund 160 Studiogäste reagierte er mit einem verhaltenen „Danke“. Redseliger wurde Streich angesprochen auf seinen zweijährigen Rückzug aus der Fußball-Öffentlichkeit. Er habe die Zeit genutzt, um Dinge zu tun, für die er früher keine Zeit gehabt habe, berichtete der 61-Jährige. Unter anderem habe er „Fahrrad reparieren gelernt“ und außerdem 1.000 Seiten Moby Dick gelesen. „Das ging ewig“, so der Ex-Trainer. Die Gäste Per Mertesacker , ehemaliger Fußballspieler Christoph Kramer , ehemaliger Fußballspieler Christian Streich, ehemaliger SC-Freiburg-Trainer Friederike Kromp, Werder-Bremen-Frauen-Trainerin Ronald Reng, Sportjournalist und Buchautor Laura von Daniels, USA-Expertin Elmar Theveßen , ZDF-Korrespondent, zugeschaltet aus Mexiko Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin, zugeschaltet aus dem Iran Amelie Stiefvatter, ZDF-Reporterin, zugeschaltet aus Mexiko-Stadt Jutta Sonnewald, ZDF-Korrespondentin, zugeschaltet aus Toronto Moritz Neuß, ZDF-Reporter, zugeschaltet aus Santa Monica Völler kam zu spät Etwas holpriger verlief das Gespräch mit einem anderen Ex-Trainer. Rudi Völler , der im Aztekenstadion war, um das Eröffnungsspiel zu verfolgen, sollte rund 30 Minuten vor Anpfiff in einer Live-Schalte interviewt werden. In Mexiko-Stadt zu sehen war jedoch nur ZDF-Reporterin Amelie Stiefvatter. „Eigentlich solltest du Besuch haben“, wunderte sich Moderatorin Müller-Hohenstein. Völler sei „da oben in der Loge hängengeblieben“, erklärte die Reporterin und ergänzte: „Mal schauen, wie wir ihn runterbekommen.“ Im zweiten Anlauf schaffte es DFB-Sportdirektor Völler dann doch noch rechtzeitig vor die Kamera. „Die Wege sind sehr lang und weit hier“, erklärte er die Verspätung. Über die Stimmung vor dem WM-Auftakt zeigte er sich begeistert: „Mir tun die Leute leid, die leider heute nicht hier im Stadion sein können, weil es ist eine unglaubliche Atmosphäre – voll mit Mexikanern.“ Im Aztekenstadion werde die „Post abgehen“, da war sich Völler sicher. Er selbst schaue das Spiel in einer Loge, in der auch andere Ex-Fußballprofis aus seiner Zeit als aktiver Spieler zu Gast seien. Mertesacker plaudert aus dem Nähkästchen Wie steht es um den aktuellen DFB-Kader und vor allem den Teamgeist der Nationalelf? Dieser Frage widmete die Expertenrunde am Donnerstag besondere Aufmerksamkeit. Dabei ging es auch immer wieder um die Wahl des Trainingsquartiers und wie sie sich auf die Mannschaft auswirken kann. Als Positivbeispiel wurde das Resort Campo Bahia in Brasilien genannt, in dem die Nationalelf 2014 untergebracht war. Es sei im Nirgendwo gewesen, erinnerte sich Studio-Gast Per Mertesacker, der damals im Kader war. Man habe etwas daraus machen müssen und so auch eine gute Bindung zueinander aufgebaut. Ab 21 Uhr hätten die Spieler damals oft das Kartenspiel „Phase 10“ gespielt. 2014 gewann die Nationalelf die Fußballweltmeisterschaft. Als negatives Beispiel nannte Moderatorin Müller-Hohenstein das EM-Quartier am Genfer See. Auf dem Weg zum Flughafen habe man damals „gefühlt 8.000 Kreisverkehre“ durchfahren müssen, so die Journalistin. „Mir war dermaßen schlecht jedes Mal“, erinnerte sie sich. Den Spielern müsse es wohl ähnlich ergangen sein. Ex-Profifußballer Christoph Kramer hatte mit Blick auf die Team-Bildung eine ganz eigene Anmerkung: „Was gar nichts bringt, sind so Sachen wie Kanufahren“, erklärte er. „Wir waren doch auch auf einem Boot“, erinnerte sich Mertesacker an die gemeinsame Zeit in der Nationalmannschaft. „Mir wurde schlecht“, so Kramer. „Du hast dich dann übergeben an der Reling“, ergänzte Mertesacker. Schalte in den Iran Doch im Studio ging es vor dem Anpfiff nicht nur um gute Stimmung und lustige Anekdoten. Eine der zahlreichen Live-Schalten verband das Studio mit der ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa im Iran. Ob Vorfreude dort überhaupt möglich sei, wollte Moderator Jochen Breyer wissen. Das Land befindet sich im Krieg mit Israel und den USA. „Große Vorfreude ist hier tatsächlich nicht zu spüren“, berichtete Gaa. Dafür seien die Zeiten einfach zu düster. Menschen wendeten sich aus verschiedenen Gründen von der WM ab. Einerseits gebe es diejenigen, die mit dem Turnier nichts zu tun haben wollten, weil das Regime die iranische Fußballmannschaft instrumentalisiere. Außerdem gebe es Iraner, die verurteilten, wie die USA mit der iranischen Mannschaft und den Fans umgehen. So durfte die iranische Nationalelf nicht in den USA untergebracht werden, sondern hat nur die Erlaubnis, zu Spielen anzureisen. Für Fans soll ein Einreiseverbot gelten. Gaa erklärte jedoch auch: „Der Iran ist eine Fußball-verrückte Nation“ – bei den Spielen werden deswegen sicher viele zuschauen.