Julian Nagelsmann startete bei Bayern mit einem Titel und einer langen Siegesserie. Hinter den Kulissen rieb sich der Coach aber früh an Teilen der Klubspitze. Mit seinem ersten Sieg als Cheftrainer des FC Bayern fiel der Druck. Denn als Julian Nagelsmann und der deutsche Rekordmeister Borussia Dortmund (3:1) im Supercup 2021 besiegten, holten sie direkt den ersten gemeinsamen Titel. Das war wichtig für den jungen Trainer Nagelsmann, der zu dem Zeitpunkt gerade erst 34 Jahre alt war und zum Saisonauftakt nur ein 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach holte. Und nicht nur das. Der Gewinn des Supercups wurde zum Startschuss einer dominanten Phase: Von 13 Spielen gewannen Nagelsmann und die Bayern 12, trafen 59-mal und kassierten nur 7 Gegentore. Der Klub wirkte zufrieden mit der Verpflichtung des gebürtigen Oberbayers. „Das, was man sich in Nagelsmann erhofft hat, geht auf und ist sofort zu sehen“, erklärt t-online-Reporter Julian Buhl im t-online-Podcast „Julian Nagelsmann – The Youngest One“. Der frühere Leipzig-Trainer brachte frischen Wind nach München, „vielleicht hat er das an gewissen Stellen ein bisschen übertrieben mit seiner jungen, hippen, flapsigen Art“, so Buhl. Was er damit meint? Als Bayern-Präsident Herbert Hainer etwa zum Trainingsplatz kam, begrüßte Nagelsmann ihn einmal mit einem: „Ja, Servus, Präsi!“ Unser t-online-Reporter weiß, dass die Aussage nicht bei allen in der Münchner Führungsriege gut ankam. Denn auch „das Thema Respekt und ein bisschen Überheblichkeit“ spiele bei gewissen Leuten eine Rolle. Nicht das Alter war das Problem DAZN-Experte Sebastian Kneißl hingegen sieht in der damals jungen Art Nagelsmanns kein Problem, da die Ergebnisse stimmten. Ihm fällt stattdessen etwas anderes auf. „Ich habe schon gemerkt, dass er vielleicht auch die Wucht an öffentlichem Interesse unterschätzt hat“, sagt er im t-online-Podcast. Auch die öffentlichen Rückmeldungen innerhalb des Vereins von höherer Ebene sowie der Druck aus der Kabine soll Nagelsmann womöglich unterbewertet haben. „Als Spieler hast du immer die Ausrede: Es ist die Mannschaft, du kannst dich hinter dem größeren Begriff verstecken. Als Trainer hast du das nicht“, so Kneißl. Nagelsmann fehlte zu dem Zeitpunkt die Erfahrung, „ein, zwei Situationen so zu managen, wie er es vielleicht mit Mitte 50 machen würde“. Auch der langjährige Vorstandschef der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge , spielte mit einem Seitenhieb auf fehlende Reife an: „Wir hatten in Julian Nagelsmann einen jungen Trainer. Ich bin immer ein Freund gewesen von Erfahrung“, sagte er im Juni 2023. Am Ende holte Nagelsmann 60 Siege in 84 Spielen, 14 endeten unentschieden und 10 Partien gewann der Gegner. Nach der deutschen Meisterschaft 2022 und zwei Supercup-Siegen endete die Zeit in München für den heutigen Bundestrainer. Im März 2023 wurde er von den Bayern freigestellt.