SV Elversberg: Ein Schritt fehlt zum Bundesliga-Aufstieg

Sollte die SV Elversberg ihr Heimspiel am Sonntag gewinnen, dann steigt sie in die Bundesliga auf. Für die 13.000-Einwohner-Gemeinde wäre das ein riesiger Coup. Einen Bahnhof gibt es in Elversberg weiterhin nicht. Und die Arena an der Kaiserlinde ist immer noch eine Baustelle. Doch ansonsten hat sich beim Dorfklub in den zwölf Monaten seit dem in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim in letzter Minute verpassten Bundesliga-Aufstieg einiges getan. Ein neuer Trainer, viele neue Spieler, zum Teil ein neues Führungspersonal – das Gesicht der SVE hat sich gravierend verändert. Im vergangenen Sommer gingen Erfolgstrainer Horst Steffen und etliche Leistungsträger wie Torjäger Fisnik Asllani, Kapitän Robin Fellhauer oder Abwehrspieler Elias Baum. Im Winter verabschiedete sich Sturm-Ass Younes Ebnoutalib zu Eintracht Frankfurt , vor einigen Wochen ging auch noch Sportdirektor Ole Book zu Borussia Dortmund . Spielstil bleibt ähnlich zur Vorsaison Eines ist jedoch geblieben: Der erfrischende und erfolgreiche Fußball, mit dem die Saarländer schon in der Vorsaison die Herzen der Fans in ganz Deutschland erobert hatten. Und dieses Mal soll der historische Coup gelingen. Mit einem Sieg gegen den bereits als Absteiger feststehenden Tabellenletzten Preußen Münster kann der Verein, der vor vier Jahren noch in der Regionalliga spielte, den märchenhaften Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs am Sonntag (15.30 Uhr im t-online-Liveticker) aus eigener Kraft perfekt machen. Selbst eine Niederlage oder ein Remis gegen Münster könnte für Elversberg reichen, sofern die Konkurrenz von Hannover 96 und dem SC Paderborn nicht mehr Punkte als die „Elv“ holt. „Wenn uns zu Saisonbeginn jemand gesagt hätte, dass wir am 34. Spieltag die Chance haben, mit einem Heimsieg aufzusteigen, wären wir alle sehr glücklich gewesen. Jetzt haben wir ein Endspiel. Deshalb sollten wir uns auf die Aufgabe freuen“, sagte Trainer Vincent Wagner. Elversberg hat alle Trümpfe in eigener Hand Vor dem Saison-Finale liegt die SVE dank der deutlich besseren Tordifferenz (+22) vor den punktgleichen Rivalen Hannover 96 (+16) und SC Paderborn (+12) auf Platz zwei – und hat damit alle Trümpfe in der Hand. Elversberg wäre der 59. Verein der Geschichte und zugleich der kleinste Ort, der jemals der Bundesliga angehörte. Etwa 13.000 Menschen wohnen in der Gemeinde, die rund 15 Kilometer von der Landeshauptstadt Saarbrücken entfernt ist. Nur knapp 7.900 davon im Ortsteil Elversberg – kaum mehr als die Anzahl der Mitglieder, die der Verein im Sommer 2025 hatte. Angesichts des personellen Aderlasses hatte niemand damit gerechnet, dass die SVE bis zum Schluss im Aufstiegskampf mitmischt. Im Gegenteil: Nicht wenige Experten hatten den Verein vor der Saison als Absteiger getippt. Doch Neu-Trainer Wagner (40), der von der U23 der TSG Hoffenheim kam, führte die Arbeit seines Vorgängers Horst Steffen nahtlos fort und das Team erneut auf einen Aufstiegsplatz. Der soll mit aller Macht verteidigt werden. „Es ist machbar, weil unsere Jungs außergewöhnlich Fußball spielen können“, sagte Wagner und versuchte, etwas Druck rauszunehmen: „Wir haben den Luxus, dass wir wollen, nicht müssen.“ Und Offensivmann Tom Zimmerschied appellierte: „Wir dürfen nicht zu sehr den Kopf einschalten.“ „Jetzt müssen wir warten, was passiert“ Sollte der Coup tatsächlich gelingen, warten auf den Verein einige Herausforderungen. Der mit 40 Millionen Euro kalkulierte Um- und Ausbau des Stadions, das derzeit mit einem Fassungsvermögen von 9.307 Zuschauern die Bundesliga-Anforderungen nicht erfüllt und dann 15.500 Fans Platz bieten soll, dauert wohl noch mindestens bis zum Frühjahr 2027. Und die Infrastruktur rund um die Arena mit nur einer Zufahrtsstraße ist eher viert- als erstklassig. Immerhin hat sich die SVE auf der Führungsebene nach dem Abgang von Book und Vorstand Marc Strauß für die Zukunft neu aufgestellt. Christian Weber als Sportdirektor und Josef Welzmüller als Technischer Direktor sollen gemeinsam mit Marketing-Chef David Strauß den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortsetzen. „Wir haben zwei konkrete Transferpläne – einen für die Bundesliga und einen für die 2. Liga“, sagte Weber. „Jetzt müssen wir warten, was passiert.“ Unabhängig vom Ausgang sieht SVE-Präsident Dominik Holzer den Verein gut gerüstet. „Wir sind überzeugt, dass dieses Führungsteam die richtige Balance aus strategischer Weitsicht und operativer Stärke mitbringt“, sagte der Sohn von Aufsichtsratschef Frank Holzer, der als Vater des Elversberger Erfolgs gilt. Fest steht: Gibt es am Sonntag um kurz vor halb sechs ein Happy End, bricht in Spiesen-Elversberg der Ausnahmezustand aus. Denn nicht nur für Dominik Holzer wäre der Aufstieg schlicht „ein Traum“.