Frankreich schlägt Senegal bei WM: Ein taktischer Kniff brachte die Wende

Frankreich tat sich gegen Senegal in seinem Auftaktspiel lange schwer – bis Trainer Deschamps eine entscheidende Änderung vornahm. David Schafbuch berichtet aus East Rutherford, New Jersey Kurz vor dem ersten Tor spielte Michael Olise seinen Gegenspieler kurz schwindelig. Dafür musste der Stürmer des FC Bayern nur einen kurzen Schritt an der rechten Strafraumkante nach vorn machen, dann einen zurück. Es reichte aus, damit der senegalesische Linksverteidiger El Hadji Malick Diouf kurzzeitig die Orientierung verlor. Wenig später war es dann wieder Olise, der Frankreichs Führung einleitete. Der 24-Jährige steckte aus der Mitte einen Pass hinter die Abwehr zu Kylian Mbappé durch, der dann zum 1:0 für Frankreich einschob. WM 2026: Alle Informationen im Newsblog Sieg zum Auftakt: Frankreich dreht auf Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die „Équipe Tricolore“ lange schwergetan. Es lag ein Hauch von Weltmeisterschaft 2002 in der Luft: Auch damals war Frankreich in Südkorea im ersten Spiel der WM auf Senegal getroffen – und der krasse Außenseiter aus Afrika siegte mit 1:0 gegen den amtierenden Welt- und Europameister. Senegal kam bei seiner ersten WM-Teilnahme bis ins Viertelfinale, Frankreich schied nach der Vorrunde aus. An das Spiel hatte auch New Yorks Bürgermeister, Zohran Mamdani, am Morgen in einer Videobotschaft erinnert. „Dieses Team weiß nicht, wie man aufgibt“, bilanzierte Mamdani, der bekanntermaßen großer Fußballfan ist. Er warnte: Man sollte auch heute nie die „Löwen von Teranga“ abschreiben. Doch es kam anders. Und es lag weniger am Doppeltorschützen und Kapitän Mbappé, und schon gar nicht am weitestgehend blassen Weltfußballer Ousmane Dembélé , sondern an Michael Olise. Deutlich wurde das durch einen taktischen Kniff von Trainer Didier Deschamps: Die Wende kam, als er den Star des FC Bayern nach der ersten Halbzeit vom rechten Flügel in die Mitte hinter Mbappé beorderte. Jackson trifft den Pfosten Der Sieg Frankreichs blieb glanzlos, doch am Ende verdient, weil Senegal keine Antwort auf Olise hatte. Der Franzose zeigte nach einer überragenden Saison in München, dass er auch in der Nationalmannschaft der entscheidende Faktor sein kann – und Frankreich offenbar dann am besten ist, wenn Olise für seine Mannschaft den offensiven Taktgeber auf der 10 gibt. Nach dem am Ende klaren Sieg sah es für Frankreich lange nicht aus. Im Gegenteil, Senegal hätte nach der ersten Halbzeit auch 2:0 in Führung liegen können. In der 25. Minute hatte Nicolas Jackson, zuletzt beim FC Bayern Ersatzstürmer für Harry Kane , schon fast für die senegalesische Führung gesorgt. Doch der 24-Jährige traf nur den linken Pfosten, ehe der Ball vom Rücken von Frankreichs Torwart Mike Maignan ins Aus ging. Die zweite Großchance für Senegal ging dann kurz vor Ende der ersten Halbzeit daneben: Ex-Bayernstürmer Sadio Mané hatte von der linken Seite in die Strafraummitte geflankt. Der Ball rutschte dann allerdings Ismaïla Sarr über den rechten Fuß. Frankreich war bis zu diesem Zeitpunkt wenig gelungen. Kapitän Kylian Mbappé wurde immer wieder mit tiefen Pässen auf die Reise geschickt, blieb aber bis dahin weitestgehend wirkungslos. Die anfänglichen Gesänge der französischen Fans („Allez les Bleus“), verstummten dann auch im Verlaufe der ersten Halbzeit. Sinnbildlich für Frankreichs schwache erste Halbzeit waren zwei Szenen in der Nachspielzeit: Frankreichs Désiré Doué hatte per Hackentrick den Ball in der eigenen Hälfte vertändelt. Kurz davor entstand die größte Torchance Frankreichs dadurch, dass Senegals Innenverteidiger Kalidou Koulibaly eine harmlose Flanke fast ins eigene Tor gelenkt hatte. „Je mehr er den Ball berührt, desto besser“ In der zweiten Halbzeit zeigte sich Frankreich dann offensiv völlig verändert, nachdem Olise und Dembélé die Positionen gewechselt hatten. Immer wieder suchte der Bayernstürmer aus der Mitte mit seinen Pässen Mbappé, der dann in der 66. Minute zur Führung traf. Auch Frankreichs Trainer Didier Deschamps sah in dem Positionswechsel von Olise die entscheidende Wende des Spiels. „Je mehr er den Ball berührt, desto besser“, sagte Deschamps dazu in der Pressekonferenz nach der Partie. Olise habe dafür gesorgt, dass die Mannschaftsteile besser miteinander verbunden wurden. Dazu sei Mbappé vor dem Tor „brutal effizient“ gewesen. Kurz vor der Führung hatte es noch mehrere Minuten Verwirrung um einen mutmaßlichen Elfmeter gegeben: Frankreichs Kapitän war im Strafraum zu Fall gekommen. Doch der australische Schiedsrichter Alireza Faghani entschied nach Überprüfung der Videoaufnahmen auf Abstoß. Ex-Bayern Profi Thomas Müller nannte die Entscheidung bei Magenta TV „skandalös“ . Jackson trifft aus dem Abseits Senegal hatte zu diesem Zeitpunkt immer weniger Frankreich entgegenzusetzen. Ein Tor der Afrikaner durch Jackson wurde in der 68. Minute nicht gegeben, weil der Stürmer im Abseits stand. Die anschließende Trinkpause sorgte dann für ein großes Raunen bei den 80.454 Zuschauern in East Rutherford: Auf den Videobildschirmen im Stadion wurden mehrere Spieler der New York Knicks eingeblendet. Das Basketballteam hatte am vergangenen Samstag die erste Meisterschaft in der NBA seit 53 Jahren errungen. Den Gewinnern wurde mit Applaus von einem Großteil der Zuschauer gedankt. Im Anschluss sorgte Frankreich dann für die Entscheidung: In der 82. Minute stellte der eingewechselte Bradley Barcola auf 2:0, nachdem ihn Adrien Rabiot mit einem langen Steckpass freigespielt hatte. Der Anschlusstreffer durch Senegals Ibrahim Mbaye in der Nachspielzeit änderte nichts mehr, weil Mbappé nahezu umgehend zum 3:1 traf. Nach seinen beiden Treffern ist jetzt Mbappé mit 58 Toren am bisherigen Rekordtorschützen Frankreichs Olivier Giroud vorbeigezogen. „Herzlichen Glückwunsch, Kylian“, sagte Giroud als TV-Experte bei BBC One: „Ich freue mich für ihn. Es ist logisch, es war zu erwarten. Er wird jeden einzelnen Rekord brechen – die Anzahl der Länderspiele und Tore. Ich denke, er kann die 100-Tore-Marke locker knacken und vielleicht sogar Miroslav Kloses WM-Rekord übertreffen. Er hat bei Weltmeisterschaften und wichtigen Spielen großartige Leistungen gezeigt.“ Ob Mbappé auch der beste Spieler des Turniers wird, bleibt abzuwarten. Toni Kroos , Weltmeister von 2014, hatte aber bereits vor dem Spiel einen anderen Tipp: “ Olise wird der beste Spieler des Turniers „, meinte der langjährige Spieler von Real Madrid .