Aus der einst gefürchteten deutschen Turniermannschaft ist ein gern besiegter Mittelklasse-Gegner geworden. Die schlechte Nachricht: So schnell wird sich das nicht ändern. „Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird. Es tut mir leid für den Rest der Welt.“ Wohl jeder deutsche Fußball-Fan weiß, wem diese kühne These einst über die Lippen ging. Franz Beckenbauer übertrug in seinem Überschwang nach dem WM-Titel 1990 und der deutschen Wiedervereinigung seinem Nachfolger Berti Vogts mit diesen Worten eine nicht zu bewältigende Bürde. 36 Jahre später müsste die Prognose – traurigerweise – genau gegenteilig lauten: „Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht mehr zu den Siegern gehören wird. Es tut mir leid für den DFB .“ Nur ein einziger DFB-Sieg in K.-o.-Spielen der letzten Großturniere Schon bei den letzten fünf Großturnieren hatte die DFB-Elf genau ein einziges (!) K.-o.-Spiel gewonnen: bei der EM 2024 im eigenen Land, beim 2:0 gegen Dänemark. Und sonst? Vorrunden-Blamage als amtierender Weltmeister bei der WM 2018 in Russland. Vorrunden-Blamage und mehr politische Debatten als fußballerische Leistungen bei der WM 2022 in Katar. Dazwischen das EM-Achtelfinale-Aus gegen England 2021 – das Ende vom einstigen Erfolgstrainer „Jogi Löw. Zum Vergleich: Bei den fünf Turnieren vor 2018 erreichte die deutsche Mannschaft elf Siege in K.-o.-Spielen. Die Zeiten der Weltklasse sind längst vorüber. Die Ansprüche aber sind geblieben. Denn: Seit acht Jahren schon befindet sich der deutsche Fußball im Niedergang. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Davon zeugt diese WM: das Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Eine Mannschaft, die Weltmeister Per Mertesacker für die schlechteste der Vorrunde erachtete, die zum Auftakt 1:4 gegen die USA verlor und die nicht über ein 0:0 gegen Australien hinauskam. Der vierfache Weltmeister Deutschland war nicht imstande, diesen anfälligen Gegner zu besiegen. Mit diesen Resultaten der letzten acht Jahre im Hinterkopf reiste die DFB-Delegation nun zur Endrunde nach Nordamerika. Sie hielten Bundestrainer Julian Nagelsmann trotzdem nicht davon ab, direkt nach dem EM-Aus vor zwei Jahren den Anspruch zu formulieren, Weltmeister werden zu wollen. Man mag ihm wohlwollend Ehrgeiz und Strebsamkeit attestieren, eine Äußerung womöglich auch aus Trotz heraus. Doch damit verkannte auch er den wahren Leistungsstand seines Teams. „Deutschland“ auf dem EM- oder WM-Pokal? Hoffnungslos Auch deswegen schüttelte Jürgen Klopp in seiner Rolle als TV-Experte nach dem Paraguay-Desaster den Kopf: „Wir kommen hierhin und wollen Weltmeister werden“, sagte er und fragte: „Wer sind wir?“ Die jüngere Vergangenheit und die Gegenwart? Finster. Und die nähere Zukunft? Kaum strahlender. Egal, wie groß der Umbruch ausfällt und auf wie vielen Positionen er vollzogen wird: Eine neue Mannschaft von Weltklasseformat lässt sich nicht aus dem Boden stampfen. Fakt ist: Die aktuelle Auswahl bildet für dafür jedenfalls kein Fundament. Das hat sie nachhaltig demonstriert. Und der Nachwuchs? Ist vereinzelt vorhanden, aber auf den Problempositionen – echter Neuner, ordnender Sechser, offensivstarker Außenverteidiger – ebenfalls Mangelware. Es gibt kaum Hoffnung, dass in den nächsten Jahren der Schriftzug „Deutschland“ auf dem EM- oder WM-Pokal eingraviert werden wird. Um nicht zu sagen: Es ist praktisch ausgeschlossen. Klopp gab den Rat: „Schaut auf Paraguay. Die weinen alle, so viel bedeutet ihnen das Achtelfinale.“ Was er meinte: Schaut auf die Hingabe der Südamerikaner, für ihr Nationaltrikot bedingungslos etwas erreichen zu wollen. All das vermisste nicht nur er auf der Gegenseite. Tränen der Trauer gab es in der Kabine auch bei einigen DFB-Profis, wie Trainer Nagelsmann berichtete. Sie spiegelten den Zustand der Nationalmannschaft wider. Zum Heulen. Ach ja: Beckenbauer behielt mit seiner damaligen Prognose der Unbesiegbarkeit bekanntlich nicht recht. Erfreulich wäre es, wenn sich die düsteren DFB-Aussichten ebenfalls nicht bewahrheiten würden.