Nagelsmann-Vertrag: Matthäus wirft DFB Millionen-Fehler vor

Der Rekordnationalspieler kritisiert den DFB für die Vertragsgestaltung mit dem Ex-Bundestrainer. Der Grund: Auf den Verband kommt eine Millionen-Abfindung zu. TV-Experte Lothar Matthäus hat dem DFB nach dem Abgang von Bundestrainer Julian Nagelsmann schwere Versäumnisse bei der Vertragsgestaltung vorgeworfen. Der Verband habe den Vertrag ohne ausreichende Ausstiegsklausel verlängert – und müsse nun eine Abfindung in Millionenhöhe zahlen. Im Interview der Sender RTL/ntv erklärte der Rekordnationalspieler, die DFB-Verantwortlichen hätten vor einem Dreivierteljahr entschieden, mit Nagelsmann zu diesem Gehalt und zu dieser Zeit zu verlängern – ohne große Ausstiegsklausel. Matthäus sagte: „Wenn er in der Vorrunde ausgeschieden wäre, dann wäre eine Lösung laut Vertrag wahrscheinlich möglich gewesen. Aufgrund dessen, dass er das Sechzehntelfinale erreicht hat, war der Vertrag dann eben über die nächsten zwei Jahre gültig. Deswegen muss man auch bei den Verhandlungen in die Zukunft gucken und nicht nur mit der Hoffnung in der Gegenwart davon ausgehen, dass man eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielt.“ Bundestrainer tritt zurück: DFB verkündet Nagelsmanns Aus und äußert sich zu Klopp WM: Thomas Müller findet klare Worte zum DFB nach frühem Aus Den Vertragsabschluss sah der 65-Jährige als freiwillige Entscheidung des Verbands. Matthäus sagte: „Sie haben den Vertrag mit Julian Nagelsmann verlängert. Sie haben die Zahlen reingeschrieben. Sie haben die Klauseln reingeschrieben. Das war nicht unter Zwang, sondern eine überzeugende Situation für die Verantwortlichen, dass Julian Nagelsmann der richtige Nationaltrainer bis 2028 ist.“ Nun müsse der Verband wahrscheinlich mehrere Millionen Euro Abfindung zahlen. Matthäus ergänzte: „Das ist sehr viel Geld, was man ganz sicher auch für andere Zwecke beim DFB verwenden hätte können. Ich glaube, die Vertragsgestaltung war nicht glücklich von DFB-Seite aus.“ Matthäus: „Müssen Fußball wieder arbeiten“ Neben der Vertragsfrage kritisierte Matthäus das sportliche Auftreten der Nationalmannschaft. Wie zuvor bereits Bastian Schweinsteiger und Oliver Kahn vermisste er wichtige Tugenden – insbesondere bei den Niederlagen gegen Ecuador und Paraguay. Der Weltmeister von 1990 sagte: „Wir müssen wieder Fußball arbeiten. Es geht nicht nur um Technik, es geht um Leidenschaft. Es geht um Eigenschaften, die zum Fußball dazugehören.“ Bei den Niederlagen „war uns der Gegner – mit Tugenden, die uns immer ausgezeichnet haben – überlegen“. Für die Zukunft forderte Matthäus ein Umdenken beim DFB – beginnend im Nachwuchs. Er sagte: „Wir müssen wieder zu gewissen alten Tugenden zurückkommen, und die fangen im Nachwuchs an.“ Er hoffe, dass man da zurückrudere. Matthäus betonte: „Es gibt viele Entscheidungen wie kein Abstieg, keine Sieger und Ehrenurkunden. Leistung muss belohnt werden. Auch bei uns.“