WM-Eklat um Balogun: Trump und Fifa schockieren Europas Presse

Trump, die Fifa und eine historische Entscheidung: Die aufgehobene Sperre von Folarin Balogun sorgt international für Diskussionen. Vor dem WM-Achtelfinale der USA gegen Belgien richtet sich der Blick nicht nur auf den Platz, sondern auch auf die Vorgänge hinter den Kulissen. Die Fifa hat die automatische Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun nach dessen Platzverweis im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina auf Bewährung ausgesetzt. Damit darf der Angreifer im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen. Für zusätzliche Brisanz sorgt ein Bericht, wonach US-Präsident Donald Trump persönlich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino auf eine Aufhebung der Sperre gedrängt haben soll. Während der belgische Fußballverband rechtliche Schritte gegen die Entscheidung prüft, verweist die Fifa auf ihr Disziplinarreglement als Grundlage für die Aussetzung der Sperre. Trumps öffentliche Reaktion auf die Entscheidung heizt die Debatte zudem weiter an. Auch internationale Medien ordnen den Vorgang ein. Frankreich „20 Minutes“ : „Und das alles auf Grundlage des großartigen Artikels 27, der es der Instanz im Grunde erlaubt, je nach ihren Interessen jeden freizusprechen, den sie will: „Das Justizorgan kann beschließen, die Anwendung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise auszusetzen“, wenn man sich an den formalen Wortlaut hält.“ „RMC Sport“ : „Um die Situation noch lächerlicher zu machen, veröffentlichte Donald Trump auch eine Nachricht, in der er der FIFA dafür dankte, dass sie das Unrecht wiedergutgemacht habe, das seiner Meinung nach das amerikanische Team erlitten habe.“ „Le Figaro“ : „Ein Skandal. Die Weltmeisterschaft ist am Sonntag in eine andere Dimension gekippt. Ein großer Zirkus, in dem sich niemand mehr die Mühe macht, irgendetwas zu verbergen.“ Italien „Corriere della Sera“ : „Einen Tag zu spät, aber das große Geschenk zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten (4. Juli) ist da: Die Fifa hat die automatische Sperre nach der Roten Karte gegen Bosnien gegen Folarin Balogun, den US-Stürmer, auf Eis gelegt.“ „Corriere dello Sport“ : „Ein juristisches Unding, auch wenn es in einem Regelwerk vorgesehen ist (und uns deshalb gesagt wird, dass es respektiert werden muss), das jedoch wohl für andere Voraussetzungen und andere Grundlagen gedacht war. Ein gefährlicher Präzedenzfall, weil er jahrelange Regeln (und Rechtstraditionen) zerstört, die den Erfordernissen des Augenblicks angepasst werden.“ England „The Sun“ : „Indem sie sich offenbar dem Wunsch des Weißen Hauses beugte, ihr eigenes Regelwerk außer Kraft zu setzen und US-Stürmer Folarin Balogun für das Spiel gegen Belgien freizugeben, hat die FIFA die Vorstellung, dass der Fußball an erster Stelle steht, für IMMER zerstört.“ „The Telegraph“ : „Doch dann wurde die Sperre wegen der umstrittenen Roten Karte, die er im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina erhalten hatte, mit äußerst praktischem Timing aufgehoben. So konnte US-Präsident Donald Trump ein Wochenende voller ausgelassener Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag mit einer unerwarteten Schlussfeier krönen.“ „The Independent“ : „Die FIFA wurde für diese Entscheidung damals weithin verurteilt, doch sie hat ihre Lektion offenbar nicht gelernt. Was ist der Sinn einer Sperre, wenn sie nach Belieben einfach aufgehoben werden kann? Welchen Präzedenzfall schafft das für die Zukunft?“ Österreich „Die Presse“ : „Es ist eine klare Sache im Fußball: Eine Rote Karte bedeutet automatisch die Sperre für das nächste Spiel. Doch das gilt offenbar nicht bei dieser Weltmeisterschaft und erst recht nicht, wenn es sich um einen amerikanischen Spieler handelt.“ „Der Kurier“ : „Dieser in der jüngeren WM-Geschichte beispiellose Vorgang ist jetzt schon ein Politikum – und hat das Zeug, für Konsequenzen weit über den Fall Folarin Balogun hinaus zu sorgen.“ Schweiz „Der Tagesanzeiger“ : „Die Fifa wandelt die Rote Karte von US-Stürmer Balogun in eine Bewährungsstrafe um. Wohl auf Drängen von Donald Trump. Das Signal ist klar: Die Mächtigen und Superstars werden geschützt.“ „Der Blick“ : „Einmal mehr liegt der Verdacht nahe, dass die Freundschaft zwischen der Fifa und der aktuellen US-Regierung wahrlich keine Grenzen kennt. Nicht mal, wenn es um das heilige Regelwerk des Fußballs geht. Einmal mehr spielt die Fifa mit ihrer Glaubwürdigkeit. Der Schaden könnte weit größer werden als die Rot-Sperre, die nie vollzogen wird.“ „Aargauer Zeitung“ : „Es ist völlig logisch, dass dem Weltfußballverband nun wieder Korruption vorgeworfen wird. Die Geschichte der Fifa zeigt ja auch, dass diese Vorwürfe nicht weit hergeholt sind. Und dass Infantino vor Friedenspreisträger Trump einmal mehr den Bückling macht, nährt sie weiter.“