DFB-Sportdirektor Rudi Völler verteidigt Julian Nagelsmann gegen überzogene Kritik, benennt aber konkrete Fehler des zurückgetretenen Bundestrainers. Auch zur kolportierten Millionen-Abfindung stellt Völler die Dinge richtig. In einer Medienrunde in Frankfurt am Main hat DFB-Sportdirektor Rudi Völler eingeräumt, dass Julian Nagelsmann mit einigen Aussagen und Auftritten Fehler gemacht hat. Die massive öffentliche Kritik am zurückgetretenen Bundestrainer hält Völler dennoch für überzogen. Außerdem korrigierte er Berichte über die Höhe von Nagelsmanns Abfindung nach unten. In der Runde mit „Bild“, „Frankfurter Rundschau“, der „Funke Mediengruppe“, „Kicker“ und „Süddeutscher Zeitung“ sagte Völler: „Es gibt ein paar Dinge, die man kritisch sehen kann. Die extreme Kritik an Julian fand ich ungerecht, da tut er mir leid. Es gab durchaus unglückliche Aussagen von Julian, aber die Stimmung um ihn war vor dem Turnier schon nicht gut.“ Blatter über Infantino: Ex-Fifa-Boss rechnet ab: „Hat sich Trump unterworfen“ DFB-Sportdirektor: Völler gibt Entscheidung nach WM-Aus bekannt Nagelsmann hatte nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay weitermachen wollen. Deutschland verlor das Elfmeterschießen mit 3:4. Unter massivem öffentlichem Druck trat er zurück. Völler, der Nagelsmann stets verteidigt hatte, räumte ein: „Aber ich habe schnell gemerkt, dass diese Diskussion, durch die Nominierung, durch Aufstellung, durch ein paar unglückliche Aussagen von Julian, dass dann die Stimmung nicht richtig gut rüberkam. Das habe ich schon verstanden, habe ich auch mitbekommen.“ Als konkretes Beispiel nannte Völler Fotos aus dem Trainingscamp. Sie zeigten Nagelsmann mit seiner Lebensgefährtin Lena Wurzenberger auf Fahrrädern. Der Weltmeister von 1990 sagte: „Fotos haben einfach eine Wucht. Das ominöse Foto mit Lena auf dem Fahrrad hat der Sache sicherlich nicht gutgetan. Das war nicht optimal, ist aber nicht mehr zu lösen. Das waren Kleinigkeiten, die man nicht noch mal machen muss.“ Zugleich betonte er: „Aber deswegen haben wir nicht drei Elfmeter verschossen im Spiel gegen Paraguay. Oder der Schiri hätte auch das Tor geben können von Jonathan Tah , das hat damit auch nichts zu tun.“ Zur berichteten Abfindung sagte Völler: „Auf Zahlen werde ich jetzt nicht eingehen, aber es ist weniger als das, was ihr alle geschrieben habt.“ Kurz nach dem Aus des ehemaligen Bundestrainers kursierten verschiedene Berichte, die die Abfindung auf zwischen 6,6 Millionen Euro und 7 Millionen Euro bezifferten. Für Nagelsmanns Zukunft zeigte er sich zuversichtlich: „Julian wird wieder einen Topklub trainieren. Da bin ich sicher.“ Als weitere Lehre aus dem WM-Aus nahm Völler den Umgang mit Familienbesuchen im Teamquartier mit. Völler will bis zur Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland weitermachen. Für das Turnier könnte das anders gehandhabt werden. Er sagte: „Ja, jetzt kann man im Nachhinein sagen, müssen wir das jetzt in England auch wieder so machen? Wahrscheinlich wird es dann ein bisschen anders gehandhabt, ich weiß es noch nicht. Das wird man dann sehen.“ Die Verhältnismäßigkeit der Kritik sieht er auch hier nicht gewahrt: „Aber am Ende waren es ja doch nur fünf, sechs Familien, die dann ab und zu mal vorbeigeguckt haben, die eine Nacht da waren und am nächsten Tag sind sie dann wieder abgereist.“ Völler wies zudem darauf hin, dass Familienbesuche bei großen Turnieren keine Premiere gewesen seien.