Schiedsrichter bei der WM: Diese Regel könnte das Finale kosten

Die Ansetzung von Schiedsrichtern bei WM-Spielen ist ein Politikum. Eine historische Regel könnte englischen Unparteiischen nun erneut einen Traum zerstören. Michael Oliver wird im Viertelfinale zum WM-Rekordschiedsrichter Englands. Bei der Partie Spanien gegen Belgien wird der Unparteiische aus Nordengland sein siebtes WM-Spiel pfeifen. Das Spiel dürfte das Letzte bei diesem Turnier sein, bei dem ein englischer Unparteiischer im Einsatz ist – und das liegt an einer Regelung der Fifa. Der Fußball-Weltverband hat strenge Vorschriften für die Ansetzung der Schiedsrichter bei WM-Spielen. Grundsätzlich gilt: Schiedsrichter dürfen keine Spiele ihrer eigenen Nation pfeifen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Auch Spiele, die direkten Einfluss auf die eigene Nation haben, dürfen nicht von einem Schiedsrichter derselben Nationalität geleitet werden. Krieg hat bis heute Auswirkungen So dürfte Michael Oliver beispielsweise nicht die Viertelfinalpartie zwischen Argentinien und der Schweiz pfeifen, da der Sieger der nächste Gegner der Engländer in einem möglichen Halbfinale wäre. England trifft im Viertelfinale auf Norwegen, Argentinien spielt gegen die Schweiz. Gerade bei diesem Spiel greift noch eine weitere, weniger bekannte, Handhabung der Fifa. Immer aktuell: Der Newsblog zur WM 2026 Denn seit dem Falklandkrieg 1982 setzt der Fußball-Weltverband keine englischen Schiedsrichter mehr bei Spielen der Argentinier ein. Umgekehrt gilt dieselbe Regelung. Der Territorialstreit ist bis heute politisch aufgeladen. Schon 2022 platzte der Traum Ein Einsatz im WM-Finale am 19. Juli ist also nur möglich, wenn weder England noch Argentinien das Endspiel erreichen. Setzt sich England gegen Norwegen durch, wäre auch ein Einsatz im zweiten Halbfinale undenkbar, da hier der Gegner für ein mögliches WM-Finale unter englischer Beteiligung ermittelt würde. Bei der WM 2022 in Katar war Anthony Taylor aus Manchester als möglicher Finalist gehandelt worden, schied aber aus der Überlegung aus, als Argentinien ins Finale einzog. Dieses Szenario droht sich bei der WM 2026 zu wiederholen. Obwohl Taylor und Oliver qualitativ für ein WM-Finale infrage kämen, könnte der Turnierverlauf diesen Traum zerplatzen lassen – und die WM für englische Schiedsrichter mit dem Viertelfinale enden. Ex-Schiedsrichter: „Es ist an der Zeit, dass der Fußball erwachsen wird“ Der frühere Premier-League-Schiedsrichter Graham Scott kritisiert diese Regelung. Er schreibt im Sportmagazin „The Athletic“: „Es ist an der Zeit, dass der Fußball erwachsen wird. Schiedsrichter sind darauf trainiert, neutral zu sein, sie sehen nur die Farben der Trikots und sollten nicht daran gehindert werden, bestimmte Klubs oder Länder zu pfeifen, weil es kleinliche Rivalitäten oder historische Konflikte gibt.“ Oliver sei nicht einmal geboren gewesen, als der Falklandkrieg stattfand, Taylor gerade drei Jahre alt. Mit Blick auf die Ansetzung im englischen Viertelfinale schreibt er: „Als Engländer würde ich Facundo Tello (argentinischer Schiedsrichter; Anm. d. Red. ) lieber als fast jeden anderen Schiedsrichter England pfeifen sehen. Er ist Weltklasse.“ Die endgültige Entscheidung über Schiedsrichterbesetzungen trifft bei der Fifa der frühere italienische Referee Pierluigi Collina als oberster Schiedsrichterverantwortlicher. Experte Scott gesteht, dass eine Änderung der Regelungen für Schiedsrichteransetzungen im laufenden Turnier wenig sinnvoll sei, nach der WM aber durchaus diskutiert werden sollte.