Jürgen Klopp beim DFB: Wie viel Macht bekommt er als Bundestrainer?

Jürgen Klopp soll neuer Bundestrainer werden und will nach eigenem Bekunden auch die Strukturen im Verband verändern. Wie viel Macht bekommt er? Jürgen Klopp und der Deutsche Fußball-Bund (DFB): Am Freitag soll es in der sich anbahnenden Beziehung in die heiße Phase gehen. Dann wollen sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf sowie sein Vize, Klopp-Kumpel Hans-Joachim Watzke, auf den Weg in die USA machen, um dort mit dem Erfolgscoach über sein Engagement als nächster Bundestrainer zu sprechen. Jürgen Klopp: Entscheidung um Ablöse für Red Bull wohl gefallen „Bin nicht auf der Suche“: 2014er-Weltmeister sagt DFB ab In der öffentlichen Wahrnehmung ist eine Verpflichtung „Kloppos“ als neuer Bundestrainer zwar schon ausgemachte Sache, doch der Protagonist selbst tritt weiter fleißig auf die Bremse. Als der WM-Experte für MagentaTV bei dem Sender nach dem neuesten Stand gefragt wurde, übte er sich noch in Konjunktiven. Jede Aussage zu seiner künftigen Tätigkeit leitete er lieber mit „Wenn ich es werden würde …“ oder „Wenn es so kommen sollte …“ ein. Trotz aller Konjunktive ließ sich Klopp jedoch nicht davon abhalten, seine Vision für den DFB grob aufzumalen. Das Stichwort: die Struktur. Klopp machte kein Geheimnis daraus, dass er beim DFB grundsätzlich etwas verändern möchte. Doch dafür braucht er auch die nötigen Befugnisse, die sicherlich Teil der Verhandlungen sein werden. Wird (Würde) er der mächtigste Bundestrainer jemals? Klopp schaut auf die Zukunft Ausgerechnet in Foxborough – dem Ort, wo Julian Nagelsmann mit der DFB-Elf krachend an Paraguay scheiterte und damit sein Aus als Bundestrainer besiegelte – wird Klopp noch das Viertelfinale zwischen Frankreich und Marokko als TV-Experte begleiten. Dann hat er Zeit für die DFB-Verhandlungen. Bereits zuvor machte er jedoch klar: „Es geht um viel. Wer es auch immer machen wird, hat einen Haufen zu tun“, sagte Klopp – mal wieder mit der betonten Distanz. „Es gibt zwei Dinge in einem Fußballverein, weil ich immer davon ausgehe, dass ich langfristig da bin: Das eine ist das nächste Spiel, das andere ist die Zukunft der kompletten Nummer. Natürlich geht es um Struktur“, ließ Klopp jedoch wissen. Um die Strukturen zu verändern, müsse man die Strukturen aber zunächst kennenlernen. „Wir von außen haben ja gar keine Ahnung, was passiert. Wer auch immer dahin kommt, muss sich das angucken“, so Klopp weiter. „Bist mehr als ein Trainer“ Ex-Nationalspieler Thomas Müller schlug in eine ähnliche Kerbe wie sein Experten-Kollege: „Wenn es Jürgen wird, ist jemand da, der nicht nur die Erfahrung hat, wie er seine Mannschaft taktisch einstellt“, sagte er. „Wenn du in England Trainer bist, bist du mehr als ein Trainer“, sagte Müller in Anspielung auf Klopps Tätigkeit beim FC Liverpool , wo er auch für Transfers mitverantwortlich war. Auch in seiner jetzigen Rolle als „Global Head of Soccer“ müsse er „Mannschaften strukturieren und Strukturen in mehreren Teams formen“. Die Aussagen kommen nicht von ungefähr: Klopp weiß zwar, dass seine Qualitäten als Trainer gefragt sind: Das DFB-Team kann seinen berühmten Vollgas-Fußball und vor allem auch seine Qualitäten als Menschenfänger nach der taktisch verkopften und kommunikativ schlechten Amtszeit von Nagelsmann gut gebrauchen. Zudem ist Klopps Ausstrahlung gefragt, wenn es darum geht, das Land nach Jahren des Misserfolgs wieder für die Nationalmannschaft zu begeistern. Allerdings weiß der 59-Jährige auch: Nur mit Trainingsarbeit und unterhaltsamen Interviews ist die Arbeit nicht getan. Um wirklich wieder eine klare Spielidee zu entwickeln und umzusetzen, die die Mannschaft zurück in die Weltspitze bringt, braucht es grundlegendere Umwälzungen im Verband. Dazu gehören wohl auch schnellere Entscheidungsprozesse und vor allem eine bessere Nachwuchsarbeit, die wieder mehr Talente entwickelt und Spieler hervorbringt, mit denen sich die erdachte neue Spielidentität auch umsetzen lässt. Medienberichte, dass Klopp beim DFB einen Vertrag bis 2030 bekommen soll, sprechen schon mal dafür, dass er die Aufgabe grundsätzlicher und vor allem langfristig angehen will – und auch soll. Die Schlussfolgerung ist naheliegend, dass Klopp entsprechend viele Kompetenzen an sich ziehen möchte, die ihm die angestrebte umfassende Umstrukturierung auch ermöglichen. Damit würde er in der Tradition von Jürgen Klinsmann stehen, der bei seiner Übernahme als Bundestrainer im Jahr 2004 mit Blick auf die Heim-WM zwei Jahre später alles umwälzen wollte und für sein Engagement eine „Carte Blanche“ zur Bedingung machte. Klopp als Teamplayer Um Ähnliches zu fordern, schien der Tisch für Klopp auch bereitet: Nach dem angekündigten Abgang von DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig zum Jahresende war eine Zeit lang auch über einen Abschied von Sportdirektor Rudi Völler spekuliert worden. Ein Abschied beider DFB-Bosse hätte ein Machtvakuum hinterlassen, das Klopp hätte füllen können. So hätte er den DFB ganz nach seinen Vorstellungen umformen können. Doch es kam anders: Nach einem Telefonat mit Klopp entschloss sich Völler zum Verbleib und auch die Rolle von Rettig soll Berichten zufolge nachbesetzt werden – vorzugsweise mit Per Mertesacker , der acht Jahre lang die Jugendakademie von Premier-League-Meister FC Arsenal leitete und sich damit wohl vor allem um die Jugendarbeit kümmern würde. Klopp betonte öffentlich gleich mal, dass er vor allem mit der Personalie Völler einverstanden sei. Er habe zwar „zweimal für die Studenten-Nationalmannschaft gespielt“, sagte Klopp am Dienstagabend bei MagentaTV mit einem Augenzwinkern, die große Erfahrung mit Verbänden und Turnieren liege aber bei Völler. An ihm werde die Chemie im dynamischen Duo also „nicht scheitern“, betonte Klopp. „Wenn es so kommen sollte, ist es total hilfreich, dass man jemanden da hat, der die Abläufe kennt.“ Auch mit Hannes Wolf, dem bisherigen Sportdirektor für Nachwuchs, Training und Entwicklung beim DFB, pflegt Klopp ein gutes Verhältnis: Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten, wo Wolf ebenfalls in der Jugendarbeit tätig war und erfolgreiche Zeiten gestaltete. Ihm dürfte der designierte Neu-Bundestrainer in Sachen Nachwuchs also eher vertrauen und die Zusammenarbeit suchen, statt selbst die Macht zu ergreifen. Von Allmachtsfantasien kann bei Klopp also keine Rede sein. Er möchte die Revolution beim DFB wohl im Team gestalten – sollte es denn überhaupt dazu kommen, versteht sich.