Sechs Jahre nach der Spuckattacke bei der WM 1990 saßen Rudi Völler und Frank Rijkaard gemeinsam für einen Butter-Werbespot vor der Kamera. Später brachte Völler die ungewöhnliche Versöhnung mit einem Satz auf den Punkt: „Seitdem ist auch offiziell alles in Butter.“ Im weißen Bademantel, bei Toast, Eiern, Marmelade und natürlich Butter lächelten Rudi Völler und Frank Rijkaard in die Kamera. Der Werbeslogan lautete: „Mit echter Butter bekommen sie jeden an die gemeinsame Tafel.“ Kaum eine Werbekampagne griff einen Fußball-Skandal so selbstironisch auf. Sechs Jahre zuvor hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass die beiden Fußball-Profis jemals gemeinsam Werbung machen würden. Der Spuck-Eklat von Mailand Am 24. Juni 1990 trafen Deutschland und Rivale Niederlande im WM-Achtefinale aufeinander. Für ein Foul an Völler in der 21. Minute sah Rijkaard die Gelbe Karte. Daraufhin verlor der Niederländer allem Anschein nach die Nerven. Er spuckte Völler in die Haare und zog ihm außerdem am Ohr. Völler reklamierte, wurde jedoch vom Schiedsrichter abgewiesen. Rijkaard ließ nicht von Völler ab und bespuckte ihn erneut. In der Folge wurden beide Spieler vom Platz gestellt. Warum Völler für „gar nichts“, wie er selbst sagte, die Rote Karte sah, weiß bis heute niemand. Nach der Partie reiste er sogar nach Rom, um die von der Fifa verhängten Sperre anzufechten – ohne Erfolg. Völler fehlte der BRD-Auswahl auch gegen die Tschechoslowakei. „Ich hatte persönliche Probleme“ Bereits auf dem Weg in die Kabinen gerieten die Profis damals wieder aneinander, aber Rijkaard soll sich bei Völler noch am selben Abend entschuldigt haben. Er hatte persönliche Probleme und sei schon gereizt in die Partie gegangen. Jeder Mensch mache Fehler, sagte er später. Völler nahm die Entschuldigung an und kommentierte sie später mit den Worten: „Es ist halt passiert, fertig, vorbei.“ Jahre später äußerte er sich in der Dokumentation „Ein Sommer in Italien – Die WM 1990“ erneut zu dem Thema. Rijkaard habe unter der Situation mehr gelitten als er, so Völler. Es sei nicht leicht, wenn man noch Jahre später auf eine solche Situation reduziert würde. Nach seiner Karriere als Spieler war Frank Rijkaard unter anderem als Trainer des FC Barcelona und Ajax Amsterdam tätig. Werbung als Symbol der Versöhnung Ausgerechnet die beiden Hauptdarsteller dieses Fußball-Eklats standen 1996 für ein niederländisches Unternehmen gemeinsam vor der Kamera. Die Kampagne sollte zeigen, dass beide das Geschehene hinter sich gelassen hatten. Statt Vorwürfen gab es ein inszeniertes gemeinsames Frühstück, fröhlich lächelnd, wohlgemerkt. Für viele Fußballfans blieb der Spot deshalb mindestens genauso erinnerungswürdig wie die eigentliche Werbebotschaft. Obwohl Deutschland die Niederlande in der Partie 2:1 schlug und am Ende des Turniers sogar Weltmeister wurde, ist die Spuckszene wohl doch eine der bekanntesten dieser WM. Der Werbespot illustrierte jedenfalls eindrucksvoll, wie aus Kontrahenten respektvolle Partner werden konnten. Aber auch wenn nach dem Spot „auch offiziell alles in Butter“ war, so wird der Eklat von Mailand „beide wohl noch bis in den Tod verfolgen“, wie Völler es 1998 in einem Focus-Interview formulierte.