WM-Finale: Als Trump auf dem Rasen steht, beginnt das Pfeifkonzert

Der US-Präsident sonnt sich beim WM-Finale kurz im Ruhm des neuen Weltmeisters. Trump dürfte das Turnier als Erfolg für sich werten. David Schafbuch berichtet aus East Rutherford, New Jersey Donald Trump hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten. Das Publikum im Stadion New York/New Jersey in East Rutherford hatte zuvor kaum wahrgenommen, dass der US-Präsident überhaupt anwesend war. Doch als er nach Abpfiff des WM-Endspiels um 18:26 Uhr Ortszeit gemeinsam mit Fifa-Präsident Gianni Infantino den Rasen betrat, reagierte das Publikum mit einem lauten Pfeifkonzert. Wenig später, nachdem Trump den Spielern des neuen Weltmeisters Spanien und den unterlegenen Argentiniern gratuliert und ihnen Medaillen umgehangen hatte, schritt er mit Infantino zur Übergabe des WM-Pokals: Infantino und Trump hielten gemeinsam beide Hände an dem Pokal. WM-Finale: Spanien ringt Argentinien nieder „War Mist“: Kritik an Halbzeitshow Für gewöhnlich verlassen die Offiziellen, die die Trophäe übergeben, danach die Bühne, damit dieser Moment ganz den Gewinnern gehört. Trump dagegen wartete noch einige Augenblicke ab. Das goldene Konfetti war bereits in den Himmel geschossen. Spaniens Kapitän Rodri hatte den Pokal bereits in den Himmel von New Jersey gereckt – und Trump war einfach auf der Bühne geblieben. Für den US-Präsidenten ist es kein Novum: Ein Jahr zuvor, bei der Klub-WM in den USA, war Trump noch mitten im Pulk der Spieler verweilt, nachdem er den Pokal überreicht hatte. Kapitän Reece James vom FC Chelsea hatte zunächst noch gewartet, dass der Präsident das Podiums verlässt. Doch Trump feierte stattdessen im Pulk der Spieler den Turniergewinn. Trump ist bekannt dafür, dass er lieber selbst schillernde Auszeichnungen entgegen nimmt, als andere auszuzeichnen. Dennoch dürfte Trump mit dem Verlauf des Turniers zufrieden sein: Es ist ihm gelungen, dem Fußballweltverband Fifa seinen politischen Willen aufzudrängen. Trump hat seinen Einfluss auf den Fußballweltverband deutlich gemacht, ganz ohne viele öffentliche Auftritte – und Gianni Infantino ist dem Willen des US-Präsidenten gefolgt. Vieles deutet darauf hin, dass er das auch künftig noch für sich nutzen könnte. Die Reise des Präsidenten zum Finale hatte etwa eine Stunde vor dem Anstoß begonnen. Laut dem Weißen Haus brach Trump mit der Marine One, dem Hubschrauber des Staatsoberhauptes, aus dem nahegelegenen Ort Bedminster auf, wo die Trump-Organisation einen Golfplatz besitzt. Rund 20 Minuten dauerte der Flug. Die Präsidenteneskorte, die aus insgesamt drei Hubschraubern bestand, war kurz zuvor über dem Stadiondach zu sehen gewesen. Davon nahmen allerdings in dem Stadion von East Rutherford in New Jersey nur die wenigsten Zuschauer Notiz. Die Hubschrauber waren nur wenige Momente zu sehen und waren durch den Lärm im Stadion kaum zu hören. Für Trump war es der einzige persönliche Auftritt in einem Stadion während der gesamten WM . In seinen wenigen Auftritten hob er manchmal hervor, wie viel er von Fußball verstehe. An anderen Stellen wiederum sagte er, dass kaum eine Ahnung von dem Sport hat. Noch am Freitag auf einem Fifa-Empfang hatte er Englands Trainer Thomas Tuchel für seine Auswechslungen im Halbfinale gegen Argentinien kritisiert. Die Vorlage von Lionel Messi zum 2:1 von Argentinien sei in dem Spiel dagegen „brilliant“ gewesen. „Ich verstehe Sport wirklich sehr gut“, hatte der Präsident schon zuvor vor Journalisten betont. Trump hatte diese Worte gewählt, nachdem eine Sperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun durch seinen Einfluss auf die Fifa zurückgenommen wurde. Gleichzeitig sprach der Präsident allerdings auch davon, dass er nicht wusste, was eine rote Karte in dem Sport bedeute. In East Rutherford war der Präsident nach seiner Ankunft zunächst nur kurz zu sehen. Als vor dem Anpfiff die US-Nationalhymne gespielt wurde, wurde er nicht über die Bildschirme im Stadion gezeigt. Erst als die Hymne beendet war, war er für wenige Augenblicke an der Seite von Infantino eingeblendet worden. Die Bilder gingen allerdings im allgemeinen Jubel unter. Trump war zudem schlecht zu erkennen, da er hinter einer Glasscheibe stand. Beim Basketball ausgebuht Einige Wochen zuvor war das noch anders gewesen: Als erster Präsident überhaupt hatte Trump im New Yorker Madison Square Garden ein Spiel der New York Knicks im Finale der Basketballmeisterschaft besucht. Dort war Trump während der Nationalhymne und auch später bei jedem Erscheinen auf den Bildschirmen in der Halle ausgebuht worden. Nach dem Anpfiff durfte Trump dann den WM-Pokal bei sich behalten. Der Präsident tätschelte die Trophäe, als sie ihm vom früheren brasilianischen Weltmeister Ronaldo auf der Tribüne überreicht wurde. An dem Pokal hatte der Präsident, der eine Vorliebe für Gold besitzt, schon länger Gefallen gefunden. „Darf ich ihn behalten?“, hatte Trump vor etwa einem Jahr Infantino gefragt, als der Fifa-Boss den Pokal ins Weiße Haus mitgebracht hatte. Ansonsten nutzte der Präsident die Zeit im Stadion für Gespräche mit den Staats- und Regierungschefs der anderen beiden Ausrichter: Auch der Ministerpräsident Kanadas, Mark Carney, und die Präsidentin von Mexiko, Claudia Sheinbaum, waren im Stadion anwesend. Die Staats- und Regierungschefs der beiden Finalisten traf Trump dagegen nicht. Argentiniens Präsident Javier Milei hatte aus Aberglaube einen Besuch des WM-Endspiels abgesagt und das Spiel in seinem Amtssitz in Buenos Aires verfolgt. „Hörst du das, Gianni?“ Im Stadion war dagegen Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez gemeinsam mit König Felipe VI. Allerdings gilt das Verhältnis zwischen Sánchez und Trump seit Monaten als äußerst angespannt. Trump hatte kürzlich auch damit gedroht, die gesamten Wirtschaftsbeziehungen mit dem Land abzubrechen. Sánchez und Trump trafen im Stadion nicht aufeinander. Das Verhältnis zu Sheinbaum und Carney zu Trump gilt gleichermaßen als kühl, daran hatte auch die gemeinsame WM offenbar nichts verändert. „Diese WM war so erfolgreich, dass wir die USA einfach noch einmal auswählen sollten“, sagte Trump etwa am Freitag. Beim nächsten Mal könne man das Turnier allerdings ohne Kanada und Mexiko ausrichten. Der Gedanke scheint Trump zu gefallen. Vor dem Finale sagte er am Sonntag erneut dem Sender Fox, dass er am liebsten gleich wieder eine Weltmeisterschaft ausrichten wolle. „Wir müssen das wiederholen, und zwar, solange ich noch da bin. Hörst du das, Gianni?“, sagte der 80-Jährige in Richtung von Weltverbandschef Infantino. WM mit 64 Mannschaften? Infantino äußerte sich zunächst nicht zu Trumps Wünschen nach einer weiteren Weltmeisterschaft. Für die USA spräche aber ein Umstand, der für den Fifa-Präsidenten in der Vergangenheit immer eine große Rolle gespielt hatte: Finanziell war die WM nämlich ein großer Erfolg. Laut Informationen des „Guardian“ dürfte der Weltverband durch das Turnier 15 Milliarden Dollar einnehmen. Ursprünglich hatte die Fifa „nur“ mit 11 Milliarden Dollar gerechnet. Zudem spielte der Fifa-Boss zuletzt öffentlich mit dem Gedanken, das Turnier künftig von 48 auf 64 Teilnehmern aufstocken zu wollen. Das würde nicht nur mehr Spiele, sondern höchstwahrscheinlich auch noch höhere Einnahmen bedeuten. Allerdings sind die kommenden Turniere bis 2034 bereits vergeben. Sollte Fifa-Chef Infantino für Trump nicht die Regeln ändern, wäre eine Bewerbung theoretisch erst für das Turnier 2038 wieder möglich. Donald Trump wäre dann 92 Jahre alt – und gemäß Verfassung schon lange nicht mehr Präsident der USA.