Der Europameister ist nun auch Weltmeister – samt Weltrekord. Spaniens Erfolgsbilanz bei Männern, Frauen und Junioren sucht seit Jahren ihresgleichen. Das könnte so bleiben. Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten die Spieler der spanischen Nationalmannschaft auf dem Rasen des MetLife Stadiums in East Rutherford gemeinsam mit ihren Familien den Titelgewinn bei der WM 2026 . Zwischen goldenem Konfetti erklang aus den Lautsprechern Frank Sinatras Klassiker „New York, New York“, während im Stadion bereits mit den Abbauarbeiten der Final-Show begonnen wurde. „Jetzt ist es Zeit, zu feiern“, sagte Verteidiger Marc Cucurella. In Manhattan erstrahlte das Empire State Building zu Ehren der neuen Weltmeister in den spanischen Landesfarben. Derweil bereiten sich in Madrid die Fans auf den großen Empfang vor. Mehr als eine Million Menschen werden am Montagnachmittag im Stadtzentrum erwartet, um Lamine Yamal und seine Teamkollegen nach dem zweiten spanischen WM-Titel seit 2010 zu feiern. Rote Karte: Nach Schlusspfiff – Argentinien-Star rastet aus Nach WM-Finale: Argentinien-Coach bricht Pressekonferenz ab „Die Könige aller Zeiten!“, titelte die Sportzeitung „Marca“ am Montag. Die „L’Équipe“ bezeichnete Spaniens Mannschaft, die mit 38 ungeschlagenen Spielen in Folge einen neuen Weltrekord aufstellte, als „das herausragende Team des 21. Jahrhunderts“. „USA Today“ sieht sogar „eine neue Dynastie“ auf den Weltfußball zukommen. Vieles spricht dafür, dass diese Mannschaft den internationalen Fußball weiterhin über Jahre prägen kann. Leistungsträger wie Yamal oder Verteidiger Pau Cubarsi sind erst 19 Jahre alt. Auch Spielmacher Rodri dürfte mit seinen 30 Jahren bei der Heim-WM 2030 noch eine wichtige Rolle spielen. Bereits jetzt sucht die spanische Titelsammlung der jüngeren Vergangenheit ihresgleichen. Seit 2022 feierten die Männer insgesamt sechs Titel: Vor dem WM-Triumph hatte das Team von Nationaltrainer Luis de la Fuente bereits die EM 2024 in Deutschland gewonnen, dazu kommen Erfolge bei den Olympischen Spielen 2024, in der Nations League 2023 sowie bei der U19-EM 2024 und in diesem Jahr. Noch erfolgreicher sind Spaniens Frauen. Elf Titel gab es seit 2022, darunter neben dem WM-Gewinn die Erfolge in der Nations League (2024, 2025) und zwei WM-Titel bei den Juniorinnen (U20, U17). Die U19 der Spanierinnen gewann zuletzt fünfmal in Folge den EM-Titel, auch die U17 triumphierte 2024 auf europäischer Ebene. Spieler fragten: „Was können wir noch gewinnen?“ Macht 17 Titel allein in den vergangenen fünf Jahren. Zum Vergleich: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) holte im selben Zeitraum vier Titel. Die männliche U17 gewann 2023 den WM- und EM-Titel, die weibliche U17 triumphierte bei den EM-Turnieren 2022 und 2026. Die Südeuropäer schafften zudem ein Novum im Weltfußball. Spanien ist die erste Nation, die gleichzeitig Weltmeister bei Männern und Frauen ist. „Ich bin sehr stolz auf diese Generation von Fußballern“, sagte de la Fuente nach dem WM-Triumph. Trotz des größten Erfolgs seiner Laufbahn richtete der 65-Jährige den Blick sofort nach vorn. „Nach dem Spiel fragten mich einige Spieler, was wir noch gewinnen könnten“, berichtete er mit einem Lächeln. „Und ich sagte ihnen: das Spiel im September. Wir haben noch viel zu gewinnen.“ Diese Worte dürften bei den Konkurrenten aufmerksam registriert worden sein. Um Rodri präsentiert sich Spanien ähnlich dominant wie einst die Mannschaft um Xavi, die zwischen 2008 und 2012 zweimal Europa- und einmal Weltmeister geworden war. Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse : Von den Junioren-Auswahlteams bis hin zur A-Nationalmannschaft wird durchgehend die gleiche Spielidee verfolgt, trainiert und verinnerlicht. Das Ergebnis: Mannschaftstaktisch war „La Furia Roja“, die rote Furie, allen Teams bei dieser WM überlegen. Mit großer Ballsicherheit und einem Tiki-Taka 2.0, dem gefürchteten und schnellen Kurzpassspiel, ließ sie ihren Gegnern im Turnier kaum Möglichkeiten. Auch die phasenweise harte Spielweise Argentiniens im Finale konnte den Spaniern am Sonntag nichts anhaben. Spanien räumt bei individuellen Auszeichnungen ab Wie stark die Mannschaft derzeit besetzt ist, zeigt auch der Blick auf die individuellen Auszeichnungen. Rodri wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Unai Simón erhielt den Preis als bester Torhüter, nachdem er in acht Spielen nur ein Gegentor zugelassen hatte. Pau Cubarsi wurde als bester junger Spieler ausgezeichnet. Im Finale rückten dabei nicht Yamal, Mikel Oyarzabal oder Mikel Merino in den Mittelpunkt. Stattdessen entschied Joker Ferran Torres die Partie in der Verlängerung und wurde zum umjubelten Spielentscheider. „Ich denke, wir haben unglaublichen Fußball gespielt und diesen Pokal verdient“, sagte Cucurella. Die Spanier krönten damit ein nahezu perfektes Turnier, das Flügelspieler Nico Williams mit seinem Ausruf in den Katakomben des MetLife Stadiums auf den Punkt brachte: „Halleluja!“ Was gleichzeitig auch die Erfolgsaussichten für die kommenden Turniere treffend zusammenfasst.