Kritik an Infantino: „Kann man sich schönreden, wie man will“

Giovanni Infantinos WM-Plan schlägt hohe Wellen. Der Weltverbandsboss will die WM an die Trump-Familie verkaufen. Die Empörung ist groß. In Gianni Infantinos Augen leuchten die Dollarscheine, doch Insider sprechen von einer „Atombombe“ – und die Uefa warnt vor dem Verkauf der „Seele“ des Fußballs. Mit einem aufsehenerregenden Plan zur Veräußerung von Anteilen am größten Turnier des Planeten an Investoren hat Infantino die Fußballwelt in Aufruhr versetzt. Während Kritiker einen Ausverkauf der WM befürchten, verspricht der Weltverbandsboss den Mitgliedsverbänden eine Verdopplung der Gelder. Neben der Uefa haben auch der frühere Weltverbandschef Sepp Blatter und Großbritanniens Premierminister Andy Burnham scharfe Kritik an dem WM-Investorenplan geäußert. Die „enge Beziehung“ zwischen Fifa-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump habe „eine finanzielle Dimension erreicht, die dem Fußball tief schadet. Niemand hat das Recht, unser Spiel zu verkaufen“, schrieb Blatter, der die Kommerzialisierung des Weltverbandes schon während seiner Amtszeit vorangetrieben hatte, am Dienstagabend bei X. „Linie überschritten“: Uefa erwägt wohl Boykott von Fifa-Veranstaltungen Fifa-Pläne: Infantino will Fußball-WM verkaufen – Trump-Familie mischt mit Der neue britische Regierungschef Burnham betonte, dass die WM „kein Produkt“ sei. „Sie ist der größte Wettbewerb im Weltsport, und sie war nie jemandes Eigentum. Man kann das Ganze schönreden, wie man will. Sobald man einen Teil davon verkauft hat, hat man sich verkauft“, schrieb der Labour-Politiker, Fan des englischen Premier-League-Klubs FC Everton : „Der Fußball gehört den Fans. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben.“ Infantino nutzt Geldregen als Machtinstrument Der demokratische US-Kongressabgeordnete Jamie Raskin, der Infantino aufgefordert hat, vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses zu den Verbindungen der Fifa zur Trump-Administration zu erscheinen, sagte: „Fußballfans konnten sich die Weltmeisterschaft schon vorher aufgrund der korrupten Preistreiberei der Fifa nicht mehr leisten – mehr Korruption durch Oligarchen bedeutet nur, dass der schöne Sport noch mehr durch Konzerne in Verruf gerät.“ Die Fifa gehe nun nach der WM „direkte Geschäfte mit der Familie Trump“ ein, ergänzte er mit Blick auf die Rolle von Thrive Capital, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner . Ein Fifa-Sprecher bestätigte, dass erwartet wird, dass Thrive die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen werde. Den Berichten zufolge sollen schon vorläufige Vereinbarungen über die Bedingungen eines Deals unterzeichnet worden sein. Dieser könnte einen Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar haben. Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei bezüglich des Plans konsultiert worden, die Investmentbank JP Morgan wickele den Prozess ab. Da ein Großteil der Einnahmen an die Mitgliedsverbände geht, dient Infantino das Geld als Machtinstrument. Der Fifa-Chef will sich im kommenden Jahr bis 2031 im Amt bestätigen lassen. Anders als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sollen laut einem Bericht des „Guardian“ „mehr als 200“ Verbände ein Unterstützerschreiben für die Wiederwahl des Schweizers unterzeichnet haben – ungeachtet der Kontroverse um die Aussetzung der Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun infolge eines Anrufs von US-Präsident Trump bei Infantino. Zuvor hatte schon die Europäische Fußball-Union (Uefa) Kritik an dem Plan des Weltverbandes geäußert , wonach Anteile an einem noch zu gründenden Unternehmen, das die WM kontrollieren soll, an private Investoren verkauft werden soll. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die führenden Institutionen des Fußballs niemals überschreiten dürfen“, hieß es: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der Fifa, ihn zu verkaufen.“