Gianni Infantino bleibt nach einem Krisentreffen der Fifa im Amt. Seine Einsicht hält sich in Grenzen, stattdessen holt er zum Gegenangriff aus. Das alles kennt man schon aus den USA. Inzwischen verhält es sich bei Fifa-Boss Gianni Infantino wie bei US-Präsident Donald Trump : Wenn man glaubt, wirklich alles schon gesehen, gelesen und gehört zu haben, setzt er noch einen drauf. So geschehen rund um das dubiose Fifa-Treffen in Marokko: Der Hofstaat versammelte sich dort, nur um dem König seine Gefolgschaft zu versichern. In einem Schreiben an die Fifa-Mitglieder nach dem Treffen hieß es: Die anwesenden Fifa-Mitarbeiter hätten ihm „ihre uneingeschränkte Unterstützung“ bestätigt, „als dem einzigen Amtsträger, der von den 211 Fifa-Mitgliedsverbänden gewählt wurde“. Auch Donald Trump behauptet gern mal, dass ihn alle Amerikaner gewählt hätten und er so gute Werte erzielte – und auch jetzt noch in Umfragen erzielt – wie kein US-Präsident vor ihm. Längst agiert der eine wie der andere mit selbstherrlichen Methoden. Fakten spielen keine Rolle. Regeln und Gesetze werden durch Erpressung und Günstlingswirtschaft ersetzt. „Er muss weg“: Fußball-Legende geht auf Infantino los “ Weltverband droht seinen Kritikern: „Die Fifa wird alle Maßnahmen ergreifen“ Jüngstes Beispiel: Infantino soll dem Co-Gastgeber Marokko für die WM 2030 die Ausrichtung des Finalspiels versprochen haben. Man kann davon ausgehen, dass Marokko ihn dafür bei der anstehenden Fifa-Präsidentschaftswahl unterstützt. Infantino unterbreitet ein Angebot, „um sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“. So ähnlich verhielt es sich mit dem EINEN Ring im Klassiker „Der Herr der Ringe“. Trump nennt so was Deals. Der Vergleich zwischen Trump und Infantino, denen eine enge Freundschaft nachgesagt wird, bietet sich auch im Umgang mit den Medien an. Kritik ist unerwünscht und an allem Unmut sind ohnehin nur sie schuld. Dabei war es Gianni Infantino, der die Fußballwelt mit seinem Investoren-Alleingang und der Idee eines WM-Teilverkaufs gegen sich aufgebracht hat. Zwar lenkte er ein, als der Widerstand der Fußballverbände zu groß wurde. So wie Trump mit seinem Anspruch auf Grönland , als sich die EU geschlossen und vehement dagegenstellte. Doch genau wie bei Trump hält sich Infantinos Einsicht, dass sein Plan ein Fehler war, in Grenzen. Infantino schrieb an die Fifa-Mitglieder auch: Nach der Rücknahme des Projekts werde die Fifa nun „keinerlei Angriffe auf ihre Integrität, ihre gute Unternehmensführung und die Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren mehr dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Namen und ihren Ruf zu schützen und zu wahren.“ Diese Worte sind so trügerisch wie absurd und zugleich eine Drohung. Gianni Infantino hat sich nicht nur von der Welt des Fußballs immer mehr verabschiedet, sondern auch von Werten wie Integrität, Achtung und Vertrauen. Es geht ihm nur noch um sich und seine Allmacht. Er will unbedingt noch einmal zum Fifa-Präsidenten gewählt werden. Um das zu erreichen, ist er zu allem bereit. Ein heikles Unterfangen Mehr denn je wird es also ab sofort auf die großen Verbände in Europa und ihre Verbündeten ankommen. Sie müssen Seite an Seite stehen, einen Gegenkandidaten zu Infantino aufbauen und so dessen Wiederwahl im März 2027 verhindern. Alternativ könnten sie einen Fifa-Sonderkongress einberufen, wofür es die Stimmen von mindestens 43 Verbänden bräuchte. Die Uefa (55 Mitgliedsverbände) könnte diese Maßnahme im Alleingang herbeiführen. Allerdings: Um Infantino dann durch eine Art „Misstrauensvotum“ abwählen zu können, bedürfte es zunächst einer Satzungsänderung. Und diese wiederum setzt eine Dreiviertelmehrheit voraus. Das wären 158 der insgesamt 211 Mitgliedsverbände. Ein heikles Unterfangen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie jetzt zu verlieren, ist keine Option. Sonst hätte Infantino gewonnen. Seine Gegner bekämen es zu spüren, es wäre ein Freifahrtschein für alles, was Infantino noch vorhat. Die Aufstockung einer Weltmeisterschaft von 48 auf 64 Mannschaften wäre dann wohl nur der Anfang.