Mit großer Spannung wird der Start in die 2. Liga erwartet. Welche Überraschungen kommen in der nächsten Saison? Nach monatelanger Pause ist die 2. Liga zurück. Mit dem Traditionskracher zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC am Freitagabend (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online) startet sie in die neue Saison. Einen Tag später wartet die Liga dann mit fünf Partien, am Sonntag mit drei Spielen auf. Wer steigt am Ende der Saison auf? Wer steigt ab? Und was ist von der Saison im Allgemeinen zu erwarten? Zeit für sechs gewagte Thesen zum Saisonstart. Infantino und seine Gefolgschaft: Es ist nur noch absurd – ein Kommentar „Er muss weg“: Fußball-Legende geht auf Infantino los Hertha spielt Relegation – zur 3. Liga Von Florian Vonholdt, Sportredakteur Hertha BSC steht vor einer äußerst komplizierten Saison. Die Berliner haben aus finanziellen Zwängen sämtliche Leistungsträger abgegeben. Von Torwart Tjark Ernst über Toptalent Kennet Eichhorn bis zu Kapitän und Topscorer Fabian Reese. Dazu noch Spielgestalter Michaël Cuisance. Wer die Leistungsträger ersetzen soll? Der eigene Nachwuchs! 25 Millionen Euro hat man durch Transfers eingenommen, aber keinen Cent ausgegeben und nur einen neuen Spieler (Stand 7.8.) verpflichtet – per Leihe. Die Mannschaft erhält ein komplett neues Gesicht, mit vielen jungen Spielern, die noch nicht an die raue Luft der 2. Liga gewöhnt sind. Das birgt eine große Gefahr, die dazu führen wird, dass sich die „Alte Dame“ im Abstiegskampf statt im Aufstiegsrennen wiederfinden wird. Deswegen kann der Hauptstadtklub am Ende froh sein, wenn er die Klasse hält – und sich über die Relegation rettet. Dynamo Dresden klopft oben an Von Benjamin Zurmühl, Sportredakteur Ein halbes Jahr ist es her, da war Dynamo Dresden noch Tabellenletzter der 2. Bundesliga . Nur 13 Punkte hatten die Sachsen in der Hinrunde der vergangenen Saison geholt. Was folgte, war eine beeindruckende Aufholjagd. Mit sechs Neuzugängen im Januar sammelte Dresden in der Rückrunde 28 Punkte und hielt die Klasse. Nur Hannover 96 und zwei Aufsteiger (Schalke, Paderborn) waren in der Rückrunde besser. In diesem Sommer hatte Dresden früh die wichtigsten Fragen im Kader geregelt, ausgeliehene Stammspieler der vergangenen Saison fest verpflichtet, dazu interessante Neuzugänge unter Vertrag genommen. Aufstiegstrainer Thomas Stamm ist noch immer da, die Ergebnisse in der Vorbereitung waren vielversprechend. Deshalb kann Dynamo Dresden zu einer echten Überraschung in der neuen Zweitliga-Saison werden und das ein oder andere Mal oben anklopfen. Der Aufstieg ist eher unrealistisch, dennoch ist mit Dynamo zu rechnen. Der Club schafft mindestens die Relegation Von Julian Seiferth, Politikredakteur Eigentlich hat Nürnberg alles, was ein Geheimfavorit braucht: Ein junges, talentiertes Team, eine klare Achse, gute Neuzugänge, mit Miro Klose eine Legende als Trainer und mit Momo Zoma einen Unterschiedsspieler, der (bisher) gehalten werden konnte. Einziges Problem: Das hat der Club seit Jahren. In den vergangenen Saisons hatte der FCN Spieler unter Vertrag, die heute etablierte Namen bei europäischen Erstligisten sind: Nathaniel Brown (heute deutscher Nationalspieler, FC Bayern), Can Uzun (türkischer Nationalspieler, Eintracht Frankfurt), Jens Castrop (südkoreanischer Nationalspieler, Borussia Mönchengladbach), Caspar Jander (Premier League mit dem FC Southampton), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart). Doch weder Klose noch viel weniger Vorgänger Fiél gelang es, aus diesen Talenten eine Aufstiegself zu bauen. Warum das diesmal anders wird? Klose scheint dazugelernt zu haben. Erstmals seit seinem Amtsantritt spielte der FCN eine gute Vorbereitung, ein System scheint zu stehen und zu funktionieren, die Rollen scheinen klar. Kloses Prunkstück ist das Mittelfeld, das mit Bayern-Talent Fernández, den Spielmachern Markhiev und Becker sowie den für eine zweite Liga eigentlich zu guten Justvan und Zoma besonders spielerisch außergewöhnlich ist. Wenn Klose endlich eine stabile Abwehr hinbekommt und sich neben Zoma ein zuverlässiger Torschütze findet, hat der Club das Zeug, ganz oben anzuklopfen. Klappt das auch im dritten Jahr nicht, muss Klose gehen. Frank Schmidt macht Schluss – und geht mit dem Aufstieg Von Swen Thissen, stv. Chefredakteur Der 1. FC Heidenheim ist keiner dieser Absteiger, der als Topfavorit auf den Wiederaufstieg in die neue Saison startet. Schlagkräftig ist die Mannschaft dennoch. Sie ist vermutlich nicht besser, aber auch nicht schlechter als fünf, sechs, sieben Konkurrenten, die in der Theorie allesamt um den Aufstieg mitspielen können. Der 1. FCH hat jedoch, neben der absoluten Ruhe im Umfeld, erneut einen Joker auf der Bank sitzen: Frank Schmidt , dienstältester Trainer in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Und jetzt wird’s melodramatisch: Schmidt ist zwar erst 52, aber er wird nicht bis zum offiziellen Renteneintrittsalter Trainer in Heidenheim bleiben. Dass er in diesem Jahr erneut auf der Bank sitzt, ist Ehrensache, für ihn, aber auch für die Klubbosse. Eine solche Ära durfte nicht schnöde mit einem Trainerwechsel enden, wie es bei fast allen anderen Vereinen der Fall gewesen wäre. Stattdessen geht Schmidt in seine 20. Saison als Cheftrainer. Er wird’s in dieser Saison noch einmal allen beweisen, auch wenn er wirklich niemandem mehr etwas beweisen muss. Und dann macht er nach dem Aufstieg Platz für einen jüngeren Trainer. Klopp holt Youngster ins DFB-Team Von Jan Schultz, Sportredakteur Jürgen Klopp ist ein Mann der klaren Worte. „Es werden einige Spieler Möglichkeiten bekommen, mit denen sie jetzt noch gar nicht rechnen“, sagte er auf seiner ersten Pressekonferenz als Bundestrainer und kündigte an, bei seiner Spielerauswahl „mutig“ zu sein. Überraschungen sind also vorprogrammiert – vor allem auf den deutschen Problempositionen. Dazu zählt ganz besonders die Position des Rechtsverteidigers. Gut, dass es in der 2. Bundesliga ein vielversprechendes Talent gibt: Julian Eitschberger. In der Vorsaison blieb dem 22-Jährigen der große Durchbruch bei Hertha BSC noch verwehrt, der Umbruch in diesem Sommer spült nun mehrere Eigengewächse in die Verantwortung. So auch Eitschberger, der mit seiner Dynamik und seinem Vorwärtsdrang bereits die Anlagen nachgewiesen hat, zu einem spannenden, modernen Außenverteidiger heranreifen zu können. In dieser Saison macht er den Sprung. In den von Klopp geforderten Spielansatz passt der Berliner dann perfekt: „Wer Gas gibt, wird mit mir viel Spaß haben. Wir werden einen intensiven Fußball spielen.“ Eitschberger wird damit zum ersten Zweitligaprofi seit Jonas Hector vor acht Jahren, der für das DFB-Team nominiert wird. Deshalb steigen sie nicht auf Von Jannik Meyer, Sportredakteur Dass der VfL Wolfsburg den besten Kader der Liga hat, steht außer Frage. Robert Glatzel , Fabian Reese, Fraser Hornby – vor allem diese Offensive ist eine Wucht. Doch in der zweiten Liga gehört mehr dazu als ein qualitativ guter Kader. Das hat in der letzten Saison die Hertha aus Berlin erfahren, die von vielen Experten vor dem Saisonstart als Topfavorit gehandelt wurde, jedoch nie ins Aufstiegsrennen eingreifen konnte. Besonders bei schwierigen Auswärtsspielen auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, auf dem Schlossberg bei Frank Schmidt in Heidenheim oder bei Dynamo Dresden sind andere Attribute als die spielerische Qualität gefragt. Und da wird es Mannschaften geben, die besser sind als der Werksklub – der deshalb nicht aufsteigen wird.