Der frühere Profiboxer Prichard Colón ist tot. Fast elf Jahre lang hat er mit den Spätfolgen einer schweren Hirnverletzung gelebt. Traurige Nachricht aus dem Boxsport. Prichard Colón ist verstorben. Das gab sein Vater und ehemaliger Trainer Richard Colón über die sozialen Medien bekannt. „Ich bedaure, euch das Ableben meines Sohnes Prichard mitzuteilen. Nun ist er an einem besseren Ort“, schrieb er. Eine genaue medizinische Todesursache wurde nicht genannt. Sein Tod steht nach Angaben der Familie aber in direktem Zusammenhang mit den Folgen einer Hirnverletzung, die Colón vor elf Jahren erlitt. Für seinen Sohn: Olympiasieger mit gefühlvoller Nachricht Emotionales Video: Profisportler outet sich Leichtathletik-EM: Deutsche knackt Bestzeit – Teamkollegin in Tränen aufgelöst Am 17. Oktober 2015 trat der damals 23-jährige Prichard Colón in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia gegen Terrel Williams an. Während des Kampfes beschwerte sich Colón bereits mehrfach beim Ringrichter über wiederholte Schläge auf seinen Hinterkopf. Diese sogenannten „Rabbit Punches“ sind im Boxsport wegen der großen Verletzungsgefahr für die Halswirbelsäule und den Hirnstamm untersagt. In der neunten Runde ging Colón dann zweimal zu Boden. Da er zur zehnten Runde nicht mehr antreten konnte, wurde er disqualifiziert. Es war bis zu diesem Zeitpunkt seine erste und einzige Niederlage. Kurz nach dem Verlassen des Rings klagte er über Schwindel und Übelkeit, bis er in der Garderobe zusammenbrach. Prichard Colón wurde direkt in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Nach Untersuchungen stellten die Ärzte eine schwere Hirnblutung fest. In einer anschließenden Notoperation musste der Schädel des Boxers geöffnet werden, um den lebensbedrohlichen Druck auf das Gehirn zu lindern. Colón überlebte den Eingriff, lag jedoch anschließend 221 Tage im Koma. Als er erwachte, waren die Schäden irreversibel. Er blieb im Rollstuhl, verlor die Fähigkeit zu sprechen und konnte nur noch mithilfe eines speziellen Computers kommunizieren. Für den Rest seines Lebens war der Kampfsportler auf die Pflege seiner Familie angewiesen. Klage über 50 Millionen Dollar Colóns Eltern reichten 2017 eine Schadenersatzklage über mehr als 50 Millionen US-Dollar gegen den damaligen Ringarzt und die Veranstalter ein. Dabei warfen sie dem Arzt vor, Warnsignale missachtet und den Kampf ebenfalls nicht rechtzeitig abgebrochen zu haben. Bis zu Prichard Colóns Tod kam es weder zu einem Gerichtsprozess noch zu einer Einigung außerhalb des Gerichts. Nach dem Bekanntwerden seines Todes reagierte die Boxwelt nun mit großer Anteilnahme. Die World Boxing Organization würdigte ihn als „Krieger bis zum allerletzten Tag“. Auch die Verbände WBC (World Boxing Council) und WBA (World Boxing Association) drückten den Angehörigen ihr tiefes Beileid aus.