Fanproteste im DFB-Pokal: Drohen Spielunterbrechungen?

Fanszenen verschiedener Vereine wollen die Pokalspiele am Wochenende für Protestaktionen gegen den VAR nutzen. Dabei kommt der Videoschiedsrichter in diesen Spielen gar nicht zum Einsatz. In der ersten Runde des DFB-Pokals soll es am Wochenende zu größeren Protestaktionen in mehreren Stadien kommen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kursiert ein Aufruf in der Anhängerschaft diverser Vereine, der die dauerhafte Abschaffung des Videoassistenten (VAR) im deutschen Fußball fordert. Mit welchen Maßnahmen die Fans protestieren wollen, bleibt zunächst offen. Es ist nicht auszuschließen, dass es aufgrund der Proteste erneut zu Spielunterbrechungen kommt. In einer bundesweit organisierten Aktion war dies zuletzt im Frühjahr 2024 der Fall, als Fans Tennisbälle auf das Spielfeld warfen, um gegen den Einstieg möglicher Investoren bei der DFL zu protestieren. „Fußball, wie er sein sollte: ohne VAR“ In dem aktuellen Schreiben an die Fanszenen heißt es: „In der nun startenden ersten Pokalrunde sehen wir den Fußball, wie er sein sollte: ohne VAR und damit authentisch, unmittelbar und voller Emotionen. Zu diesem Zustand möchten wir dauerhaft zurückkehren und fordern deshalb die Abschaffung des Video Assistant Referee im deutschen Fußball.“ Der Aufruf kritisiert auch den Einfluss des VAR auf das Spielgeschehen. Darin heißt es weiter: „Während der Fußball von Intensität und Rhythmus lebt, leidet der Spielfluss erheblich unter den sich in die Länge ziehenden Unterbrechungen. Wir müssen ebenfalls schmerzlich feststellen, dass er den emotionalsten Moment des Spiels zerstört hat.“ Und: „Selbst Fans, die der Neuerung anfangs noch offen und positiv gegenüberstanden, konstatieren nach mittlerweile neun Jahren, dass der VAR den Charakter des Spiels grundlegend verändert hat.“ VAR bekommt noch mehr Macht Dass die erste Pokalrunde ohne Videobeweis auskommt, liegt am technischen und finanziellen Aufwand. Künftig soll der VAR allerdings schon ab der zweiten Runde zum Einsatz kommen – bislang war dies erst ab dem Achtelfinale der Fall. In der neuen Spielzeit der 1. und 2. Bundesliga werden die Aufgaben des Video-Assistenten zudem erweitert. Er darf eingreifen, wenn ein Platzverweis nach einer eindeutig falschen zweiten Gelben Karte erfolgt. Außerdem kann er den Schiedsrichter korrigieren, wenn versehentlich der falsche Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen wurde. Falsche Eckballentscheidungen überprüft der VAR im deutschen Fußball weiterhin nicht – anders als bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. „Den Schiedsrichter wieder stärken“ Auf Seiten der Befürworter gibt es dennoch Signale in Richtung Zurückhaltung. Bei einer Veranstaltung der Schiri GmbH des DFB in dieser Woche betonte Benjamin Schmedes, Direktor Sport und Mitglied der Bundesliga-Geschäftsleitung: „Wir wollen grundsätzlich die Zeit, die wir am Schirm verbringen minimieren und eine gesunde Einheitlichkeit in der Auslegung haben.“ Jochen Drees, Leiter Video-Assistenten bei der Schiri GmbH, erklärte, die Linie der Uefa gehe ebenfalls in die Richtung, „den Schiedsrichter wieder zu stärken und nur bei klaren, offensichtlichen Fehlentscheidungen einzugreifen“. Proteste gegen den VAR sind keine Neuheit. Im Februar hatten Anhänger des FC Augsburg vor der Partie gegen Heidenheim Spruchbänder über einen ganzen Block verteilt – unter dem Motto: „Der Videobeweis raubt uns die Freude am Fußball.“