1. FC Heidenheim: Desolater Bundesliga-Absteiger gibt Rätsel auf

Personell blieb der 1. FC Heidenheim nach dem Abstieg weitestgehend zusammen, doch auf dem Platz fällt das Team gleich zweimal auseinander. Trainer Schmidt erlebt in seiner möglichen Abschiedssaison nie Dagewesenes. Für Frank Schmidt und „seinen“ 1. FC Heidenheim ging es jahrelang nur nach oben. Der Ex-Profi führte den FCH binnen 16 Jahren von der Oberliga sensationell in den Europapokal, hielt den Klub drei Jahre in der Bundesliga . Mit nun fast 19 Jahren im Amt ist der gebürtige Heidenheimer der Rekordtrainer in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Nach der Saison soll aber „mutmaßlich“ Schluss sein, wie Schmidt bereits im April im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ angekündigt hatte. Nun äußerte er im SWR , dass sich daran „grundsätzlich nichts geändert“ habe, auch wenn er „das ganze Thema in der nächsten Zeit nochmal besprechen“ will. Schmidt verfolgt eine Mission, sagte vor vier Monaten: „Ich habe den Antrieb, kommende Saison in meinem 20. und letzten Vertragsjahr etwas Gutes zu schaffen – was auch immer das dann sein mag.“ FC Bayern: Ex-Teamkollege schreibt Brief an Harry Kane Uefa-Boss über Infantino-Nachfolge : „Ich habe kein Interesse“ Vom direkten Wiederaufstieg etwa kann in der aktuellen Verfassung jedenfalls keine Rede sein. Im Mai rangen die Heidenheimer dem FC Bayern noch ein 3:3 in der Allianz Arena ab. Und jetzt, drei Monate und drei Pflichtspiele der neuen Spielzeit später? „Jetzt liegen wir am Boden und müssen zu Recht die Kritik auf uns einprasseln lassen“, gestand Schmidt am Sonntag nach dem desaströsen 2:5-Pokal-Debakel beim Regionalligisten SSV Jeddeloh II in Oldenburg. Schmidt musste sich die Schmach von der Tribüne aus hilflos mit ansehen, da er noch eine Sperre aus der Vorsaison absaß. Heidenheim sei in einer „ganz schweren Situation, die wir so in der Form noch nicht hatten“, so der 52-Jährige. Kapitän Patrick Mainka wurde bei Sky ähnlich deutlich. „Das ist schon fast eine Zäsur. Das ist hochgradig peinlich, wie wir hier aufgetreten sind, nachdem das Spiel mit dem 1:0 eigentlich in unsere Richtung gelaufen ist.“ Er müsse „traurigerweise sagen, dass diese Niederlage absolut verdient ist“. Kapitän Mainka: „Schiff versenkt“ Was ist passiert beim einst gefeierten Underdog, der durch seine mannschaftliche Geschlossenheit immer wieder die Großen des deutschen Fußballs ärgerte? Plötzlich ist der FCH zum Prügelknaben geworden. Schon der Zweitliga-Auftakt zu Hause gegen Aufsteiger VfL Osnabrück geriet überaus holprig, endete mit einem 4:3-Sieg immerhin noch glimpflich. Doch die Probleme in der Defensive waren da schon augenscheinlich und wurden eine Woche später, beim 1:4 bei Hertha BSC , wo man bereits zur Pause mit 0:3 zurücklag, noch offensichtlicher. Dabei standen in Berlin neun von elf Startelf-Profis bereits zu Bundesliga-Zeiten im Kader. „Es ist mir ein Rätsel, wie erfahrene Spieler so neben sich stehen können in der ersten Halbzeit“, war Schmidt anschließend ratlos. Gegen Viertligist Jeddeloh II wurde es nicht besser, sondern aus 45 Minuten ein komplettes Spiel, in dem seine Mannen neben sich standen. „Wenn das Berlin-Spiel ein Schuss vor den Bug war, dann hat dieses Spiel heute das Schiff versenkt“, polterte Mainka. Es sei eine „prekäre Situation, in der sich jeder hinterfragen muss“. Zwölf Gegentore in den ersten drei Pflichtspielen lassen nicht viel Interpretationsspielraum. Schmidt analysierte im SWR: „Wir haben gedacht, nach der Niederlage letzte Woche und nach der ersten Halbzeit gegen Hertha, dass es fast nicht noch schlimmer gehen kann und dass wir die Defensive mit dem Testspiel unter der Woche gegen Bayern München (2:4, d. Red.) ein bisschen stabilisiert hätten. Aber wir haben gesehen: Im Fußball kann es noch schlimmer gehen, und das mussten wir wirklich brutal erfahren.“ Schmidt: „Schuldige gab es viele, auch ich“ Seine Mannschaft öffentlich scharf kritisieren, wie nach der Hertha-Pleite, wollte der Trainer diesmal aber nicht: „Mir war relativ klar, dass jeder einzelne Spieler Unterstützung braucht.“ Sein Credo, um aus der wohl schwersten Krise seiner Amtszeit herauszukommen: „Klappe halten! Und dann müssen wir als 1. FC Heidenheim wieder vorangehen. Es ist eine ganz schwere Situation, die wir so in der Form noch nicht hatten. Es liegt an uns, sie um 180 Grad zu drehen. Aber nicht mit aufeinander Draufhauen oder mit dem Finger auf Schuldige zeigen. Da gab es nämlich viele, auch ich als Trainer“, so Schmidt selbstkritisch. Die kommenden Wochen werden jedenfalls nicht einfacher. Adrian Beck hat sich auf eigenen Wunsch, der für den FCH nach eigener Aussage überraschend kam, zu Ligakonkurrent Osnabrück ausleihen lassen. Auch der Abgang von Stürmer Marvin Pieringer könnte noch drohen, er wurde zuletzt mit dem SC Paderborn in Verbindung gebracht. Immerhin konnte mit Linksverteidiger Michael Heule, der vom Schweizer Meister FC Thun kommt, dringend benötigte Verstärkung für die Defensive verpflichtet werden. Was aber sicher nicht alle Probleme lösen wird. Schmidt: „Das ist ein gewaltiger Rucksack, da spielt sich im Kopf einiges ab. Wir haben so viele Erfolge und Fußballfeste feiern dürfen – jetzt lernen wir den Fußball mal von der anderen Seite her kennen. Auch ich als Trainer.“ Darauf hätte er in seinem wahrscheinlich letzten Jahr in Heidenheim gut und gerne verzichten können.