FC Bayern: Kimmich überrascht mit Fazit nach CL-Aus gegen PSG

PSG feierte in der Allianz Arena – wieder einmal auf Kosten des FC Bayern. Das Halbfinal-Aus in der Champions League hinterlässt Tränen, Wut und eine bittere Erkenntnis. Aus München berichtet Julian Buhl Die Siegesfeiern von Paris Saint-Germain ausgerechnet in ihrer Münchner Arena werden für den FC Bayern langsam zur unangenehmen Gewohnheit. Wie schon im vergangenen Jahr, als PSG sich dort erstmals zum Champions-League-Sieger krönte, mussten die Bayern am Mittwochabend erneut dem Jubeln der Pariser in ihrem eigenen Wohnzimmer zuschauen. Diesmal zwar zumindest nicht als unbeteiligte Beobachter, sondern als direkter Gegner. Das Halbfinal-Aus, das das 1:1 im Rückspiel nach der 4:5-Niederlage vergangene Woche in Paris besiegelte, dürfte sich für die Münchner dennoch mindestens genauso bitter angefühlt haben. Wie schon vor knapp einem Jahr stürmte die komplette Ersatzbank von PSG auf den Rasen und ließ sich dort vor der Nordkurve gemeinsam mit der Siegerelf von seinen Fans ausgelassen feiern. Auf der anderen Seite des Stadions war genau das Kontrastprogramm dazu zu beobachten. Mit hängenden Köpfen schleppten sich die Bayern-Profis förmlich vor die Südkurve. Dort hatten sie sich nebeneinander aufgereiht und schauten mit leeren Blicken auf ihren Fanblock. Harry Kane hatte sogar Tränen in den Augen. Die Enttäuschung der Bayern über ihren geplatzten Finaltraum in der Königsklasse war riesig. Aufgrund gleich mehrerer unglücklicher Schiedsrichterentscheidungen gegen den Rekordmeister mischte sich in die Enttäuschung auch Wut. Besonders der nicht gegebene Handelfmeter (29.) gegen João Neves sowie die ebenfalls nicht geahndete Gelb-Rote Karte gegen Nuno Mendes hatten schon während der Partie große Proteste aufseiten der Münchner ausgelöst. Beide Entscheidungen hätten dem Halbfinale womöglich noch einmal eine entscheidende Wendung zugunsten der Bayern geben können. So mussten diese sich letztlich aber eingestehen, dass ihnen in zwei packenden Duellen mit dem Titelverteidiger am Ende doch ihr aktuelles Limit aufgezeigt wurde. „Die Bayern sind heute an ihre Grenzen gestoßen“ Das sah auch Ex-Bayern- und -Nationalelfkapitän Michael Ballack so, obwohl er beide Schiedsrichterentscheidungen als klare und spielentscheidende Fehler einstufte. „PSG war besser. Die Bayern sind heute an ihre Grenzen gestoßen“, sagte Ballack und fasste zusammen: „Sie hatten nicht ihr bestes Spiel. PSG hat ihnen nichts angeboten.“ Ähnlich beurteilte das auch Bayern-Sportvorstand Max Eberl , als er kurz danach in die Mixed Zone in den Katakomben der Arena kam. Eberl sprach von einem „fast perfekten“ Auftritt, den PSG geliefert habe. „PSG hat leider ein herausragendes Spiel gemacht“, sagte er. „Wir haben vielleicht in der einen oder anderen Situation die falsche Entscheidung getroffen.“ Was Bayern vor allem gefehlt hat, war für Joshua Kimmich schnell klar. „Tore auf jeden Fall“, sagte er als Erstes. In der Endabrechnung fehlte am Ende nur eins, um zumindest noch die Verlängerung zu erreichen. Allerdings war Harry Kane der 1:1-Ausgleichstreffer erst in der Nachspielzeit gelungen. Paris hatte dagegen wie schon im Hinspiel direkt seine erste Möglichkeit genutzt: Nach nur 140 Sekunden fiel das 1:0 durch Ousmane Dembélé . Damit veränderte sich die Statik des Halbfinalrückspiels früh zu Gunsten von PSG. „Wir waren heute keine Killer“ „Wir waren heute keine Killer. Die waren Killer“, sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer . „Was Paris gemacht hat mit den Abschlüssen, das war schon sensationell. Und wenn wir ein bisschen mehr davon gehabt hätten in unseren Momenten, dann wäre der Sieg heute verdient gewesen.“ So machte die effiziente Chancenverwertung aber den Unterschied für PSG, das bereits im Hinspiel alle seine fünf Topmöglichkeiten verwandelt hatte. „Wir gehen wieder früh in Rückstand und laufen dem dann wieder hinterher. Das passiert uns ja in den letzten Wochen sehr, sehr oft“, merkte Kimmich kritisch an. „Gerade gegen Paris ist dann nicht einfach, wenn du dann zwei Tore brauchst – vor allem mit ihren schnellen Umschaltspielern.“ Allein in den vergangenen sieben Pflichtspielen kassierten die Bayern 17 Gegentore. Für die beim Rekordmeister gehegten Titelambitionen in der Champions League ist das schlicht viel zu viel. Das Aus und der damit geplatzte Tripletraum würden den Gesamteindruck einer bis dahin überragenden Bayern-Saison „schon ein bisschen schmälern“, räumte Kimmich ein. Mit einem Sieg im Pokalfinale Ende Mai gegen den VfB Stuttgart und der bereits feststehenden Meisterschaft könnten die Bayern ihre Spielzeit aber immer noch erfolgreich mit zwei Titeln abschließen. „Die stärkste Saison in meinen elf Bayern-Jahren“ Kimmich zählte die lediglich drei Niederlagen in den bislang 52 Pflichtspielen dieser Saison auf: in der Ligaphase beim FC Arsenal (1:3), im Hinspiel in Paris in der Champions League sowie die einzige Bundesliganiederlage gegen den FC Augsburg (1:2). Das zeige, dass die Mannschaft sehr konstant auf gutem Niveau unterwegs gewesen sei. „Ich glaube jetzt auch nicht, dass uns das irgendwie umwerfen wird oder vom Weg abbringen“, sagte Kimmich. „Zumindest ich sitze da in der Kabine und habe das Gefühl, dass man mit dieser Mannschaft die Champions League noch gewinnen kann.“ Da dies nun in dieser Saison nicht mehr möglich ist, sei „die Enttäuschung groß“. Kimmich sieht darin auch eine verpasste Chance. „Wir hatten sehr viele, sehr gute Spiele und solche Saisons kommen nicht so oft vor. Also in meinen elf Jahren Bayern war das, glaube ich, bisher die stärkste Saison, die wir gespielt haben“, befand er. Der Mittelfeldstratege ordnete die aktuelle Spielzeit bewusst sogar über der Triple-Saison 2020 ein. Damals habe die Mannschaft „eigentlich ein halbes Jahr gar nicht gut Fußball gespielt“ und sich dann erst im zweiten Halbjahr gesteigert. „Ich möchte noch mal gegen PSG spielen“ „In dieser Konstanz, in dieser Art und Weise und mit so einer Truppe in der Kabine, das habe ich selten erlebt“, sagte Kimmich, „und deswegen ist es umso bitterer, dass wir heute rausgeflogen sind.“ So einen großen Titel zu holen wie den der Champions League, „das ist ein Stück weit auch eine Reise“, sagte Eberl und kündigte an: „Wir haben letztes Jahr was gelernt, wir müssen dieses Jahr was draus lernen und dann werden wir nächstes Jahr wieder angreifen.“ Was den Bayern noch zum ganz großen Wurf fehlt, das führte PSG ihnen in zwei packenden Halbfinalduellen vor Augen. Auch Chefcoach Vincent Kompany nannte Paris als aktuelle Benchmark im europäischen Fußball. „Ich habe viel viel Respekt vor dieser PSG-Mannschaft. Schau mal, was sie gemacht haben in ganz Europa schon für zwei Jahre“, sagte Kompany bei DAZN: „Ich möchte noch mal gegen PSG spielen. Aber leider geht das diese Saison nicht mehr.“ Deshalb kündigte der Belgier an: „Wir werden uns vorbereiten und sehen, dass wir noch stärker sind. Wir haben schon Fortschritte gemacht in dieser Saison. Das müssen wir jetzt noch mal machen.“