Das packende WM-Achtelfinale bietet alles: Tore, einen Platzverweis und einen leidenschaftlich kämpfenden Außenseiter. Am Ende jubelt dennoch England. England hat sich in der Nacht von Sonntag auf Montag in einem mitreißenden WM-Achtelfinale mit 3:2 (2:1) gegen Gastgeber Mexiko durchgesetzt. Die Briten mussten dabei fast eine ganze Halbzeit lang in Unterzahl spielen, nachdem Bayer Leverkusens Jarell Quansah für ein hartes Einsteigen des Platzes verwiesen wurde (54. Minute). Für die Tore zeichneten auf englischer Seite Jude Bellingham (36., 38.) sowie Harry Kane per Elfmeter (60.) verantwortlich. Julián Quiñones (42.) und Raúl Jiménez (69.) verkürzten für Mexiko zweimal. Aufgrund eines Unwetters hatte das Spiel mit einer Stunde Verspätung begonnen. Während die WM-Reise für den Gastgeber endet, trifft England im Viertelfinale am Samstag auf Norwegen (ab 23 Uhr im Liveticker bei t-online). So lief das Spiel Es musste ja so kommen. Die Sorgen vor den schweren Gewittern hatten schon zwei Tage vor der Partie für Stress und Hektik gesorgt. Und dann krachte es tatsächlich über Santa Úrsula im Süden der Stadt. Blitz und Donner, dazu heftiger Regen. Wie schon beim Mexiko-Spiel gegen Ecuador musste der Beginn um eine Stunde verschoben werden. Und dann wurde es ein Spiel, das sich in die vielen Dramen der Weltmeisterschaften 1970 und 1986 in Mexiko nahtlos einreihte. Im Aztekenstadion verlor England vor vierzig Jahren das WM-Viertelfinale gegen Argentinien – durch das Hand-Gottes-Tor von Diego Maradona und dessen anschließenden Jahrhunderttreffer. Ein Stadion wie eine Festung in über 2.200 Metern über dem Meeresspiegel . Seit 13 Jahren verlor Mexiko hier nicht mehr. Bei einer WM gab es noch nie eine Niederlage. Und das wusste Tuchel natürlich auch. Er hatte seine Mannschaft auf einen Attacke-Beginn der Mexikaner wie gegen Ecuador eingestellt – und Kane & Co. lösten die kniffligen Anfangsminuten mit all ihrer internationalen Routine. Ball kontrollieren, keine Risiko-Pässe, Tempo rausnehmen – und: Respekt verschaffen. Sie gingen mit Härte und Konsequenz in die Zweikämpfe. Nur einmal wurde es zunächst brandgefährlich, als Mexikos Premier-League-Legionär Jiménez mit einem Flugkopfball sein Privatduell mit Jordan Pickford eröffnete. Mit der linken Hand rettete der 32-Jährige aber spektakulär zur Ecke (15.). Englands erste Torszene kam nach der Trinkpause: Anthony Gordon setzte sich auf der linken Seite fein durch, seinen Flachschuss parierte Raúl Rangel im Tor der Mexikaner (26.). Die ersten 15, 20 Minuten würden die härtesten, hatte Tuchel prophezeit. Die Wucht der Fans, die dünne Luft. England überstand sie – und sorgte mit Bellinghams Doppelschlag für Entsetzen bei den Mexikanern. Mexiko stand aber nur kurz unter Schock nach den ersten Gegentoren im Turnier. Nach einer Standardsituation konnte Ezri Konsa nicht richtig klären, Quiñones drosch den Ball ins Tor – bereits das vierte Tor des in Kolumbien geborenen Angreifers. Und nur die Flug- und Reflexkünste von Pickford gleich zweimal gegen Jiménez bewahrten die Engländer vor dem Ausgleich. Was nach der Pause passierte, sprengte fast die Vorstellungskraft. Rot für Quansah nach Videobeweis. Kanes Elfmeter-Tor. Dann erneuter Videobeweis. Diesmal für Mexiko – Verursacher Kane, erfolgreicher Schütze Premier-League-Profi Jiménez. Und irgendwie gelang es Kane & Co. den knappen Vorsprung mit einem Spieler weniger unter dem Dauerdruck der Mexikaner über die Zeit zu retten. Selbst die elfminütige Nachspielzeit bestand man unbeschadet.