Scheidet ein Team bei der WM aus, wird die Trainerfrage gestellt. Bereits zwei Dutzend Nationalcoaches sind mittlerweile ohne Job. Und es dürften noch mehr werden. Deutschland ist anderen Nationen schon voraus – zwar nicht fußballerisch, aber nach dem Aus im Sechzehntelfinale herrscht immer Klarheit auf der Trainerposition. Zwar ist noch nichts unterschrieben, aber die Verbandsbosse wollen Jürgen Klopp und der 59-Jährige will auch. Doch der DFB-Trainer war nicht der einzige Coach, für den das Aus bei der WM gleichbedeutend mit einer beruflichen Veränderung war. Mittlerweile sind es zwölf Nationaltrainer, die nicht mehr im Amt sind. Einige von ihnen gingen ohne Widerstand und Probleme, anderen wurde der Abschied schwerer gemacht. t-online gibt einen Überblick über die bereits feststehenden Abgänge und zeigt, welche weiteren Trainer nach dem Turnier definitiv nicht mehr im Amt sind oder um ihren Job zittern müssen. WM-Trainer fliegt nach dem ersten Spiel – Nachfolger auch weg Sabri Lamouchi war der erste Coach, der bei der WM seinen Posten räumen musste. Nach dem 1:5-Debakel gegen Schweden wurde er als Nationaltrainer Tunesiens entlassen. Er hatte die Mannschaft erst Mitte Januar 2026 übernommen – die klare Niederlage gegen die Skandinavier im ersten Gruppenspiel besiegelte schnell sein Aus. Sein Nachfolger Hervé Renard blieb ebenfalls erfolglos. Tunesien wurde punktlos Gruppenletzter, der Franzose legte sein Amt nieder. Ebenso unruhig verlief die Trennung in Tschechien: Der Verband FACR gab nach dem Vorrunden-Aus die Trennung „in gegenseitigem Einvernehmen“ von Trainer Miroslav Koubek bekannt. Direkt nach dem abschließenden 0:3 gegen Mitgastgeber Mexiko hatte er noch erklärt: „Ich habe einen Vertrag und gebe nie auf.“ Im Endeffekt habe ihn eine Kampagne zum Umdenken gebracht. „Eine Medienkampagne, die auf einer Reihe von Halbwahrheiten und Lügen gegen mich basierte, trug ebenfalls zu meiner Entscheidung bei“, wurde er zitiert: „Unter diesen Umständen hätte meine Arbeit für die tschechische Nationalmannschaft keinen Sinn mehr gemacht.“ Etwas seltsam trug es sich bei dem Ende der Amtszeit des Nationaltrainers Südkoreas zu. Nachdem Hong Myuong-bos Mannschaft bereits nach der Vorrunde nach Hause fliegen musste, meldete sich das südkoreanische Staatsoberhaupt Lee Jae Myung zu Wort. Das Ergebnis der WM sei ein „inakzeptables Ereignis“. Wenig später entschuldigte sich der Coach und trat zurück. WM-Rücktritt Minuten nach dem Aus Am schnellsten verkündete wohl Steve Clarke sein Ende bei der schottischen Nationalmannschaft . Sieben Jahre lang war er im Amt und schaffte es, die Schotten das erste Mal seit 28 Jahren wieder zu einer Weltmeisterschaft zu führen. Die „Bravehearts“ schafften es trotz Platz Drei in ihrer WM-Gruppe nicht in das Sechzehntelfinale. Nur wenige Minuten, nachdem ihr Aus besiegelt war, verkündete er seinen Rücktritt. Erst im Mai 2026 hatte Clarke eigentlich seinen Vertrag um vier Jahre verlängert. „Der emotionalste Teil dieses Abschieds gilt meinen Spielern, ohne die wir keine der Erinnerungen hätten, die wir von 2019 bis heute gesammelt haben. Sie verdienen all das Lob und die Bewunderung, die ihnen zuteilwerden, und es war mir eine echte Ehre, ihr ‚Gaffer‘ ( Anm. d. Red. Trainer ) genannt zu werden“, teilte er mit. WM-Aus im Sechzehntelfinale – Rücktritt nach Rücktritt Julian Nagelsmann gab sich nach dem Aus des DFB-Teams im Sechzehntelfinale gegen Paraguay noch kämpferisch. „Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen“, erklärte er in TV-Interviews und auf der Pressekonferenz. Kurze Zeit später legten ihm die DFB-Bosse jedoch eine freiwillige Aufgabe des Trainerpostens nahe, und Nagelsmann verkündete seinen Rücktritt als deutscher Nationaltrainer. Jetzt soll Jürgen Klopp den deutschen Fußball wieder in eine erfolgreiche Zukunft führen. Nach WM-Aus: Völler äußert sich zur Abfindung von Nagelsmann Mit wem und was er plant: Sieht so Klopps Idee für den DFB aus? Während Nagelsmann mit seinem Rücktritt zunächst zögerte, wurde immer wieder Ronald Koeman als Beispiel herangezogen. Er war mit den Niederlanden im Sechzehntelfinale gegen Marokko ausgeschieden und trat anschließend zurück. „Wir alle haben von einer Weltmeisterschaft geträumt, bei der wir Geschichte schreiben würden. Das ist nicht gelungen. Niemand ist darüber enttäuschter als ich“, schrieb der 63-Jährige keine 24 Stunden nach der Niederlage bei Instagram. WM: Trainer-Rücktritt nach Zoff mit dem eigenen Team Marcelo Bielsa hatte bereits vor dem Turnier angekündigt, nach der WM als Trainer Uruguays aufzuhören. Der Coach verkrachte sich schon nach einigen Wochen mit der Mannschaft, und das Kapitel endete sieglos in der Vorrunde. In einem TV-Interview nach dem Gruppen-Aus verlor der erfahrene Trainer einmal komplett die Nerven. Anschließend legte er mit einer denkwürdigen 100-Minuten-Pressekonferenz nach. „Wovon ich absolut überzeugt bin, ist, dass es niemanden interessiert, was ich weiß“, fasste der 70-Jährige die Situation zusammen. Ecuador-Coach Sebastián Beccacece machte ebenfalls seinen Platz frei und zeigte sich gefasst: „Die Ergebnisse geben den Ton an, und heute muss ich mich von einer wunderschönen, wunderbaren Familie verabschieden“, sagte der Cheftrainer nach dem 0:2 im Sechzehntelfinale bei WM-Mitgastgeber Mexiko. Er verabschiede sich mit „großer Dankbarkeit, großer Gelassenheit und innerem Frieden, denn wir haben alles gegeben“. Monatelang stand der Argentinier in der Kritik – diese wurde nach dem 2:1-Erfolg über Deutschland im letzten Gruppenspiel kurzzeitig ruhiger. Ghanas Trainer Carlos Queiroz entschied sich für einen freiwilligen Rücktritt als Coach der Nationalmannschaft. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen Kolumbien machte er seinen Posten frei. Der 73-Jährige kam als Nachfolger für Otto Addo, nach der Testspielniederlage im April gegen Deutschland. Dass die Zeit von Mexiko-Trainer Javier Aguirre nach der Weltmeisterschaft ein Ende finden würde, stand bereits vor der WM fest. Der freie Posten geht nach der 2:3-Niederlage im Achtelfinale gegen England geplant an den ehemaligen mexikanischen Nationalspieler Rafael Márquez. Auch für den Nationaltrainer der portugiesischen „Selecao“ Roberto Martinez ist das Achtelfinale die Endstation. Unmittelbar nach der 0:1-Niederlage gegen die Spanier verkündete er seinen Rücktritt. „Es stimmt, dass dies mein letztes Spiel für die portugiesische Nationalmannschaft ist“, sagte der 52-Jährige. Martínez hatte das Amt Anfang 2023 übernommen und mit Portugal 2025 die Nations League gewonnen. WM: Welcher Trainer muss noch gehen? Klar ist bereits jetzt, dass Didier Deschamps bei Frankreich nach dem Turnier aufhören wird. Der 57-Jährige kündigte seinen Rücktritt bereits Anfang 2025 im französischen Fernsehen an. „Man will nie, dass etwas Großartiges zu Ende geht, aber man muss wissen, wann man aufhört. Es gibt ein Leben danach. Ich weiß nicht, wie es aussehen wird, aber es wird auch sehr gut sein.“ Sein Nachfolger wurde zwar noch nicht bestätigt, doch seit Jahren verdichten sich die Anzeichen, dass Zinédine Zidane die Mannschaft übernehmen wird. Sieg im WM-Sechzehntelfinale: Bewegende Szene mit Frankreich-Trainer Deschamps hatte das französische Team 2012 übernommen und führte sie ins EM-Finale 2016 (0:1 gegen Portugal) , zum WM-Titel 2018 und 2022 erneut ins WM-Finale (2:4 n.E. gegen Argentinien). Auch bei dieser Endrunde gilt die Équipe Tricolore als Top-Favorit. Der Vertrag von Thomas Tuchel als englischer Nationaltrainer wurde bereits vor dem Turnier bis zur EM 2028 verlängert. Dieser enthält jedoch eine Leistungsklausel, wodurch er nach dem Turnier seinen Job verlieren könnte. Mark Bullingham, Chief Executive Officer des englischen Fußballverbandes FA, bestätigte das, ging jedoch nicht detailliert ein, wie „Erfolg“ definiert ist. Nach zwei Niederlagen in den EM-Endspielen 2021 und 2024 sind die Ansprüche hoch. Bei einem Aus im WM-Viertelfinale gegen Norwegen (Samstag ab 23 Uhr im Liveticker bei t-online) müsste er wohl um seinen Job bangen.