Mit 39 Jahren spielt Argentiniens Superstar eine begeisternde Weltmeisterschaft. Großen Anteil daran haben auch ein besonderer Kniff von Nationaltrainer Lionel Scaloni sowie der Respekt seiner Teamkollegen. Die laufende Fußball-WM ist in gewisser Hinsicht etwas Besonderes. Selten ist es bei solch einem Turnier der Fall, dass nahezu alle großen Stürmerstars ihre besten Leistungen abrufen. Abgesehen von Spaniens Lamine Yamal , welcher nicht ganz fit ist und trotzdem auf dem Rasen steht, liefern die Offensiv-Granden ab. Kylian Mbappé hat soeben die Franzosen ins Halbfinale geführt. Am Wochenende treffen Harry Kane und Erling Haaland aufeinander. Und Lionel Messi, immerhin um einiges älter als die bereits erwähnten, soll Argentinien zum nächsten WM-Titel schießen. Die Leistungen des achtmaligen Weltfußballers sind insofern erstaunlich, als er bereits 39 ist und seit 2023 für Inter Miami in der sportlich schwächer eingestuften Major League Soccer spielt. Das Comeback gegen Ägypten angeführt Andere alternde Weltstars wie Cristiano Ronaldo , Luka Modrić oder Kevin De Bruyne schleppen beziehungsweise schleppten ihre Körper teilweise übers Feld. Messi ist jedoch immer noch ein Unterschiedsspieler. Das hat er erst jüngst im heißen Endspurt gegen Ägypten unter Beweis gestellt. Die Argentinier lagen im Achtelfinale ab der 67. Minute mit 0:2 zurück. Dann schaltete Messi noch einmal für eine halbe Stunde in den sechsten Gang. Rücktritt und Neuer-Bedingung: Neue Details zur chaotischen Lage beim DFB-Team Verhandlungen mit dem DFB : Der starke Mann hinter Jürgen Klopp Wegen des „Falls Balogun“? Große Enttäuschung für deutschen Schiedsrichter Erst bereitete er nach einem kurzen Dribbling und einer Sahneflanke den Anschlusstreffer von Cristian Romero vor, dann schoss er wenig später den Ausgleich mit einem Außenspann-Hammer. Den Siegtreffer besorgten Lautaro Martínez und Enzo Fernández – zwei europäische Top-Spieler, die jedoch bei den „Albiceleste“ im Schatten Messis stehen. So ganz zu erklären ist es nicht, wie Messi im gehobenen Fußballeralter und ohne die regelmäßigen Herausforderungen, welche La Liga und Champions League mit sich bringen, noch solche Leistungen erbringen kann. Natürlich ist er nicht mehr der Spieler von einst und hat an Endgeschwindigkeit verloren. Aber immer noch kann er im richtigen Moment aus dem Stand explodieren und mit seiner engen Ballführung durch Defensivreihen hindurchschneiden. Messi läuft weniger als alle anderen Stürmer Der große Vorteil im argentinischen Team ist, dass ihm Nationaltrainer Lionel Scaloni erlaubt, nur einen Bruchteil der Defensivarbeit zu erledigen. Laut den Daten der Fifa läuft Messi von allen 230 Stürmern bei diesem Turnier am wenigsten. Mit 6,88 km pro 90 Minuten ist er in dieser Wertung deutlich Letzter – übrigens noch hinter dem 229., Cristiano Ronaldo, mit 7,61 km. Normalerweise gehören das aggressive Anlaufen und vor allem auch die Arbeit in die eigene Hälfte zurück bei einem Top-Team wie Argentinien dazu. Scaloni behandelt Messi jedoch eher so, wie Siebzigerjahre-Trainer zuweilen ihre Mittelstürmer behandelten. Nach dem Motto „lass ihn sich ausruhen und vorn warten“ konserviert Scaloni, der selbst einst als Rechtsverteidiger eine Laufmaschine war, die Kräfte seines Superstars. Im Gegenzug müssen die anderen Offensivkräfte wie Rodrigo de Paul und Enzo Fernández etwas mehr ackern, tun das aber natürlich gerne, weil Messi – anders als Ronaldo in Portugal – der unumstrittene Unterschiedsspieler ist. Selbst Mitspieler, die auch zweistellige Millionengehälter im Jahr verdienen, haben einen enormen Respekt vor dem wohl besten Spieler der Fußballhistorie. In aller Regel wartet Messi vorn im Sturmzentrum, erhält oftmals Anspiele in Druckzonen, in denen er den Ball jedoch zumeist verteidigen kann, und führt so die Angriffe fort. Er ist im argentinischen System in erster Linie der Impulsgeber für alle offensiven Spielzüge. Jedoch kann Messi immer noch die großen Durchbrüche von der Strafraumgrenze erzielen. Er tut dies mittlerweile eher auf kleinerem Raum, aber in der Schlussphase gegen Ägypten war es noch einmal eine Art Vintage-Vorstellung. Vielfach kam Messi, als das eigene Team im Rückstand war und kurz vor dem Ausscheiden stand, von der rechten Seite und beschleunigte einige Male im Dribbling. Das erinnerte an seine glorreiche Zeit beim FC Barcelona , als er fast immer von rechts anlief und durchs Zentrum durchbrach. Natürlich wird auch der 39-Jährige in naher Zukunft seine internationale Karriere beenden müssen. Aber die eine oder andere Superleistung schlummert wohl noch in ihm. Die Schweiz, der Viertelfinalgegner der Argentinier, muss sich darauf gefasst machen.