Fußball-WM: England sichert bei Acht-Tore-Spektakel gegen Frankreich Bronze

Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit schafft Frankreich fast die Sensation. Am Ende rettet England aber Platz drei ins Ziel. Die englische Nationalmannschaft hat sich in einem spektakulären Spiel um Platz drei die Bronzemedaille bei der Fußball-WM gesichert. Gegen Frankreich setzte sich die Mannschaft des deutschen Trainers Thomas Tuchel am Ende mit 6:4 (4:0) durch. In einer furiosen ersten Halbzeit hatte England eine desolate Leistung der Franzosen genutzt und war durch Tore von Declan Rice (3. Minute), Ezri Konsa (18.), und einen Doppelpack von Bukayo Saka (37. + 45. +1) mit 4:0 in Führung gegangen. In der zweiten Hälfte drehte Frankreich aber nochmal auf und es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch. Zunächst kam durch einen Doppelpack von Kylian Mbappé (48. + 66.) und Bradley Barcola (54.) auf 4:3 heran. Dann schoss England durch einen verwandelten Foulelfmeter von Saka das 5:3. Ousmane Dembélé brachte Frankreich in der sechsten Minute der Nachspielzeit nochmal heran, doch dann setzte Jude Bellingham in der achten Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt. So lief das Spiel Vor dem Anpfiff bekam Tuchel einen Einblick, wie die Stimmung aktuell in England ist. Als am Ende der Verlesung der Mannschaftsaufstellung der Schwabe auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, waren zahlreiche Buhrufe deutlich vernehmbar. Die Zahl der englischen Fans war im Vergleich zu den vorangegangenen Spielen deutlich geringer. Das 1:2 nach langer Führung im Halbfinale gegen Argentinien ist noch lange nicht verdaut. Doch schon nach drei Minuten wurde die Stimmung besser. Rice eroberte den Ball an der Mittellinie, dribbelte ungehindert in die Nähe des Strafraums und schlenzte den Ball aus gut 20 Metern flach in die lange Ecke. Das Spiel hatte trotz der schwülen Hitze von Miami Tempo und zahlreiche Torszenen. Die sieben Wechsel im Vergleich zum Halbfinale auf beiden Seiten hinderten den Spielfluss nicht. Rayan Cherki (11.) prüfte Englands Torhüter Dean Henderson und hatte eine der wenigen klaren Möglichkeiten in der demütigenden ersten Halbzeit für Frankreich. Mbappé (22.), der vor dem Spiel noch einen emotionalen Brief an Deschamps veröffentlicht hatte, versuchte es mit einem Schlenzer aus über 20 Metern – erfolglos. Ganz anders die Three Lions , die Frankreichs hoch stehende Abwehr gnadenlos über die Außen auseinandernahmen. Das 2:0 von Saka (11.) wurde noch wegen Abseits aberkannt. Doch sieben Minuten später ließ Adrien Rabiot Konsa nach einer Ecke von Rice viel zu viel Platz, Kopfball, 2:0. Nach einem Konter im Zusammenspiel mit Marcus Rashford erhöhte Saka mit dem dritten Tor, obwohl das Duo mehrere Anläufe brauchte, um den Ball im Netz unterzubringen. In der Nachspielzeit bediente Eberechi Eze seinen Arsenal-Teamkollegen Saka traumhaft vertikal durch das Zentrum und das Halbzeit-Debakel war perfekt. Deschamps versank mit rotem Kopf in seinem Stuhl, schickte mehrere Stars zum Aufwärmen. Ein 0:4 zur Halbzeit? Das hatte es für eine französische Nationalmannschaft zuletzt im April 1968 gegeben – in der EM-Qualifikation gegen Jugoslawien. „Sie sollten sich schämen. Ich habe Frankreich noch nie so schlecht spielen sehen“, sagte Dänemarks Torwart-Ikone Peter Schmeichel bei FOX. Deschamps wechselte gleich viermal in der Halbzeit. Die Stammspieler Ousmane Dembélé und Bradley Barcola kamen für die Offensive, Bayern-Star Dayot Upamecano und Lucas Digne sollte die Abwehr stabilisieren. Gefordert war aber vor allem die Offensive – und die legte direkt los. Mbappé übernahm mit seinem neunten Tor dieser WM die Führung in der Torjägerliste. Nur sechs Minuten später legte Barcola nach – und England wackelte gewaltig. Offensiv wurde das Tuchel-Team zunächst nur durch Standards auffällig. Torwart Mike Maignan (59.) rettete nach einer Rice-Ecke. Sechs Minuten später scheiterte Dembélé mit einem zu unplatzierten Abschluss, doch wenig später war Mbappé erneut zur Stelle und schob sich an Messi vorbei. Frankreich drückte nun auf den Ausgleich. Michael Olise (75.) verfehlte diesen nur um Zentimeter. Englands Abwehr ließ sich nun immer wieder über die Außen ausspielen. Mbappé forderte nach 76 Minuten einen Elfmeter, der Schiedsrichter ließ aber weiterspielen. Strafstoß gab es dann auf der anderen Seite. Malo Gusto traf Djed Spence klar, Sako bekam vom eingewechselten Jude Bellingham den Ball übergeben und traf zum 5:3. Der erneute Anschlusstreffer von Dembélé sorgte nicht mehr für die Wende, stattdessen setzte Bellingham den Schlusspunkt.