Sven Bender: Er soll der Co-Trainer von Jürgen Klopp im DFB-Team werden

Jürgen Klopp steht vor der Anstellung als neuer Bundestrainer. In seinen Stab will er wohl einen alten Weggefährten holen, den der 59-Jährige schon mal in höchsten Tönen gelobt hat. Die Nachricht traf Manfred Schwabl wie ein Schlag. „Natürlich hat uns die Entscheidung und die Kurzfristigkeit überrascht“, erklärte der Präsident der SpVgg Unterhaching vor wenigen Wochen. Da gab der Klub nämlich die plötzliche Trennung von Trainer Sven Bender nach nur etwas über einem Jahr bekannt. Dieser habe sich zum Rücktritt entschieden, nachdem in Gesprächen klar geworden sei, „dass die unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige sportliche Ausrichtung und Zielsetzung des Vereins nicht mehr in Einklang zu bringen waren“, hieß es damals in der Mitteilung des Regionalligisten. Schwabl ließ es sich aber trotz des schnellen Abschieds nicht nehmen, Bender zu komplimentieren: „Sven hat in Haching einen hervorragenden Job gemacht und unsere Mannschaft in der vergangenen Saison in einer schwierigen Phase bis auf den dritten Tabellenplatz der Regionalliga geführt.“ Klopp? DFB kündigt Pressekonferenz an 100-Millionen-Investition: Bayern erfüllt Kompany einen ganz besonderen Wunsch Nun steht übereinstimmenden Medienberichten zufolge die nächste Station des 37-Jährigen fest. Damit erscheinen auch die Gründe für Benders Abgang aus Unterhaching in einem neuen Licht: Der langjährige Bundesligaspieler soll Assistent des designierten neuen Bundestrainers Jürgen Klopp bei der deutschen Nationalmannschaft werden. Dies berichteten am Mittwoch „Bild“ und „Kicker“ übereinstimmend. Demnach ergänze Bender Klopps Trainerteam, das bereits aus dessen bewährten Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders besteht, mit denen er bereits beim FC Liverpool Erfolge feiern konnte. Was Krawietz, Lijnders und Klopp nicht zu bieten haben, ist nämlich eine große Spielerkarriere. Zwar war Klopp Profi, über die 2. Bundesliga hinaus schaffte er es aber nicht. Bender hingegen schon. 180 Spiele unter Jürgen Klopp Bender soll das fehlende Puzzleteil sein, das Klopps Stab vervollständigt. Und der 59-Jährige hätte eine seiner Schlüsselfiguren aus Zeiten bei Borussia Dortmund wieder im engsten Umfeld. Denn „Manni“ war über Jahre eine der Säulen der BVB-Mannschaft – selbst zahlreiche Verletzungen und damit einhergehende Pausen änderten nichts am Status des Mittelfeldspielers. Als Bender und sein Zwillingsbruder Lars 2021 ihre Profikarrieren beendeten, ließ sich Klopp eine Würdigung nicht nehmen: „Für mich war er lange die beste Sechs in Deutschland. Warum daraus keine 400 Länderspiele entstanden sind, weiß ich nicht mehr“, schrieb er zum Abschied im „Kicker“ über Sven Bender, der in seiner Laufbahn zwar nur sieben Länderspiele unter dem damaligen Bundestrainer Joachim Löw absolviert hat, aber dafür insgesamt 224 Pflichtspiele für Borussia Dortmund, davon 180 unter Klopp. Gemeinsam mit Lars wechselte der gebürtige Rosenheimer 2002 mit 13 Jahren aus Unterhaching zu 1860 München, wo sich beide schnell als Zukunftshoffnungen in den Vordergrund spielen konnten. 2005/06 wurden beide mit der U17 der „Löwen“ Deutscher Meister, im Dezember desselben Jahres debütierte Sven bei den Profis. Er wurde beim 4:0-Heimsieg in der 2. Bundesliga über Erzgebirge Aue in der 68. Minute eingewechselt. In der Folge spielte sich Bender immer weiter in den festen Kader der Münchner, wurde Mitte der Saison 2007/08 Stammkraft an der Schleißheimer Straße und war auch Teil der U19-Nationalmannschaft von Auswahltrainer Horst Hrubesch, die seinerzeit bei der EM in Tschechien den Titel holte. Dort wurde er gemeinsam mit Bruder Lars zum „goldenen Spieler“ des Turniers ausgezeichnet. „Ganz viel Fußballintelligenz“ 2009 folgte dann der Wechsel nach Dortmund. Im Tausch für den bereits an 1860 ausgeliehenen Antonio Rukavina verstärkte Top-Talent Bender die Mannschaft von Jürgen Klopp und wurde direkt ins kalte Wasser geworfen: Durch eine schwere Verletzung von Mannschaftskapitän Sebastian Kehl kam ihm direkt eine wichtige Rolle im zentralen Mittelfeld des BVB zu, mit gerade einmal 20 Jahren war er auf einmal Stammspieler beim Revierklub. „Wenn man ganz früh Bundesliga spielt, ist der Umgang damit nicht so einfach“, erinnerte sich Klopp später im „Kicker“. „Wenn man charakterlich so stark ist, ist das aber offensichtlich möglich.“ In der Hochzeit der Schwarz-Gelben unter Klopp mit zwei Meistertiteln 2011 und 2012, DFB-Pokalsieg 2012 und Champions-League-Finale 2013 war Bender feste Größe und wurde in der Zwischenzeit auch zum Nationalspieler. Was ihn auszeichnete? „‚Manni‘ war eine Garantie für einen sehr gut geführten Zweikampf, für eine sehr positive Zweikampfquote, für viel Herz auf dem Platz, für unglaublich viel Leidenschaft, für ganz viel Fußballintelligenz“, erklärte Klopp im „Kicker“, „und darüber hinaus ist er ein supersympathischer Kerl. Der junge ‚Manni‘ konnte laufen wie ein Hase, ewig lang, war nicht kleinzukriegen.“ „Wenige Tage, an denen ich keine Schmerzen habe“ Das stimmte allerdings nicht ganz – denn in den Folgejahren verpasste Bender durch viele kleinere und größere Blessuren zahlreiche Spiele. Wenn er aber spielte, dann mit bedingungslosem Einsatz. „Sven hat so etwas wie eine Ganzkörperprellung“, sagte Klopp sowohl mit Anerkennung als auch mit Galgenhumor, als sein Mittelfeldmotor in einem Ligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach 2013 lädiert ausgewechselt werden musste. „Da waren ganz schlimme Sachen dabei. Welcher Knochen bei ihm war noch nicht gebrochen im Gesicht?“, schrieb Klopp weiter. Insgesamt 104 Spiele verpasste Bender während seiner Zeit beim BVB zwischen 2009 und 2017, quälte sich aber immer wieder zurück und feierte zwischendurch sogar noch ein Highlight: Olympia-Silber 2016 mit der deutschen Auswahl. 2021, nach noch vier Jahren gemeinsam mit Bruder Lars bei Bayer Leverkusen , machten beide mit dem Hochleistungsfußball Schluss. „Es muss auch in der Zukunft sportlich weitergehen“, erklärte er direkt nach seinem letzten Spiel bei DAZN. „Man will immer noch Fußball spielen. Ich glaube, dass dies auch der Grund ist, warum ich aufhöre: Weil ich den Fußball liebe und weiterhin Spaß daran haben will. Wenn die Knochen nicht mehr ganz halten, sollte man es gut sein lassen, sodass man nachher noch kicken kann.“ Jahre später übte er auch deshalb noch Selbstkritik: „Es gibt wenige Tage, ob mit oder ohne Fußballspielen, an denen ich keine Schmerzen habe“, sagte Bender erst vor wenigen Monaten bei „Spox“. „Ich habe meinen Körper maximal manipuliert, doch irgendwann konnte ich das nicht mehr.“ Und weiter: „Das ist das Opfer, das man bringen muss. Dazu war ich bereit. Mit dem Wissen von heute könnte ich es aber kein zweites Mal machen.“ Dafür wird Sven Bender nun wohl den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere gehen, die er schon kurz nach Ende seiner aktiven Laufbahn einschlug, und käme nach seinem Start als Assistenztrainer der deutschen U16-Nationalmannschaft und Stationen beim BVB (unter Edin Terzić) und Unterhaching zurück zum DFB . Jürgen Klopp hätte seine „beste Sechs in Deutschland“ wieder bei sich.