Box-Weltverband rehabilitiert russische Boxer – Putins Minister frohlockt

Seit Ende April durften russische Sportler bereits unter neutraler Flagge antreten. Jetzt sind auch die russiche Flagge und Hymne wieder erlaubt. Dagegen regt sich Widerstand. Der Box-Weltverband World Boxing hat die Teilnahme russischer Athleten an ihren Wettbewerben unter eigener Flagge und mit Nationalhymne wieder erlaubt. Das teilte der Verband am Donnerstag mit. „Der Vorstand hat zugestimmt, dass russische Sportler künftig wie die Boxer jeder anderen nationalen Föderation an den Wettbewerben von World Boxing teilnehmen dürfen“, hieß es in einer Mitteilung des Amateur-Weltverbandes. Gleichzeitig kündigte World Boxing eine strenge Überwachung des Verhaltens russischer Delegationen sowie der Einhaltung der Anti-Doping-Protokolle an. Damit wird der russische Boxverband vollständig rehabilitiert. Olympia-Teilnahme wieder möglich: IOC hebt Sanktionen gegen Russland auf Russe stichelt gegen Konkurrenz: „Dann sehen wir, was passiert“ Ende April hatte der Box-Weltverband russische und belarussische Boxer zunächst unter neutraler Flagge zugelassen. Die Beschränkung für belarussische Athleten war Mitte Mai aufgehoben worden. Russen hoffen auf Teilnahme an Olympia 2028 Russlands Sportminister Michail Degtjarjow frohlockte angesichts der Entscheidung. Er sagte in einem Statement, das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass verbreitet wurde: „Der russische Boxsport kehrt auf die internationale Bühne zurück. World Boxing hat unseren Athleten aller Altersklassen erlaubt, bei allen internationalen Wettbewerben mit Nationalflagge und Hymne anzutreten“. World Boxing war 2023 gegründet worden und ist derzeit vom Internationalen Olympischen Komittee (IOC) als internationaler Dachverband für den Boxsport anerkannt. Russische und belarussische Sportler waren nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 weitgehend vom internationalen Sport ausgeschlossen worden. Inzwischen wurden Athleten beider Länder in einigen Sportarten schrittweise unter neutralem Status wieder zugelassen. Umstrittener russischer Sportfunktionär Anfang Juli hatte das IOC die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees aufgehoben und einen Teil der Einschränkungen für russische Sportler gelockert. Diese können damit auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles hoffen. Aktueller Präsident von World Boxing, dem olympischen Weltboxverband, ist der frühere Weltmeister Gennadi Golowkin. Der Kasache steht dem Verband seit 2025 vor. Dass die Entscheidung des Weltboxverbands einen besonderen Stellenwert für das Ende der Ächtung russischer Sportler auf der internationalen Bühne hat, daraus macht auch Putins Sportminister keinen Hehl: „Die Entscheidung des internationalen Verbandes ist besonders wichtig, da World Boxing vom Internationalen Olympischen Komitee mit der Ausrichtung des olympischen Boxturniers beauftragt ist. Die Vollmitgliedschaft des Russischen Boxverbands ebnet den Weg für die uneingeschränkte Teilnahme russischer Boxer an internationalen Wettkämpfen, einschließlich der olympischen Zyklen“, schrieb Degtjarjow in der Stellungnahme. Michail Degtjarjow ist seit 2024 auch Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands und aktiv daran beteiligt, den jahrelangen Bann russischer Athleten auf der internationalen Sportbühne rückgängig zu machen. Zuvor war er von Russlands autoritärem Machthaber Wladimir Putin als Gouverneur der an China grenzenden Region Chabarowsk eingesetzt worden. Putins Minster sprach von „purem Verrat“ Nachdem Degtjarjow in dieser Funktion jedoch den Unmut der Bevölkerung auf sich gezogen hatte – unter anderem forderte ein Teil der Bürger mittels einer Petition, er solle an die Front in der Ukraine geschickt werden – ging der Politiker nach Moskau und übernahm die wichtigsten Ämter in der Sportpolitik Russlands. Der 45-Jährige gilt als ausgesprochener Hardliner. So drohte er russischen Sportlern, die eine andere Staatsbürgerschaft angenommen haben, um bei internationalen Wettbewerben nicht mehr für Russland starten zu müssen, harte Strafmaßnahmen an. Im Fall des für Deutschland startenden Eiskunstläufers Nikita Wolodin sprach Degtjarjow etwa von „purem Verrat“. Man müsse solchen Athleten „alles nehmen“, kündigte er im Frühjahr an. Da hatte Wolodin mit seiner Partnerin Minerva Hase gerade bei den Olympischen Winterspielen Bronze für die Deutsche Eislauf-Union gewonnen. IOC-Entscheidung: Ukraine will erneut den Rechtsweg gehen Die Entscheidung des IOC, russische Athleten schrittweise wieder zuzulassen, hatte in der Sportwelt große Empörung ausgelöst. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine kündigte am Mittwoch an, gegen die Entscheidung des IOC Berufung einlegen zu wollen. Es argumentiert, dass sich an der rechtlichen Bewertung, die zum Ausschluss des russischen Verbands geführt hatte, nichts geändert habe. Tatsächlich hatte der Sportgerichtshof Cas den Bann russischer Sportler wegen des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2024 bereits für zulässig erklärt. Das IOC behauptet nun jedoch, es fehle eine weitere Rechtfertigung für den Bann – obwohl der brutale Krieg, den Machthaber Putin vom Kreml aus führt, unvermindert weitergeht. Anders als der Box-Weltverband entschied der Eishockey-Weltverband (IIHF) nun, dass es bei der WM im kommenden Jahr in Deutschland nicht zu einer Rückkehr von Russland und Belarus kommen wird. Das teilte die IIHF am Donnerstag mit. Grund für den russischen Ausschluss seien die „anhaltenden Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Schutz und sportlicher Integrität“, bei Belarus „Sicherheitsbedenken“.