«Höre nie auf zu träumen»: Vom WM-Aus zum Supercup-Schiri

Omar Artan stand wegen eines Einreiseverbots bei der Fußball-WM im Fokus. Am Mittwoch pfeift er den europäischen Supercup zwischen PSG und Aston Villa – als erster Nicht-Europäer. Wenn ein Schiedsrichter nach einem Fußballspiel im Mittelpunkt steht, ist das selten ein gutes Zeichen. Auf Omar Artan liegt sogar schon vor dem Anpfiff des europäischen Supercups zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa der Fokus. Der Referee aus Somalia ist der berühmteste der vergangenen Weltmeisterschaft, obwohl er dort kein Spiel leiten durfte. „Es war eine sehr schwere Zeit“, sagt Artan vor seinem Ersatz-Einsatz in Salzburg (Mittwoch, 21.00 Uhr/DAZN) über sein WM-Drama. Das sportpolitische Drama um den 34 Jahre alten Unparteiischen hatte kurz vor Beginn der XXL-WM für viel Aufregung und Empörung gesorgt. Obwohl er sportlich für das Turnier nominiert war, verweigerten ihm die USA trotz eines gültigen Visums die Einreise. Als Grund nannten die Behörden Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation in seiner Heimat. Artan: „Ich bin unglaublich dankbar“ „Viele Menschen haben mir ihr Mitgefühl gezeigt, denn wenn jemand viele Jahre lang gearbeitet hat und eigentlich etwas tun sollte, es dann aber nicht mehr kann, ist das eine große Herausforderung“, sagte Artan nun in einem Beitrag der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Unterstützung habe er aus der ganzen Welt erfahren, das schätze er sehr: „Ich bin unglaublich dankbar“. Die UEFA reagierte damals prompt auf die Abweisung und setzte Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025 für die Partie zwischen Champions-League-Sieger PSG und Europa-League-Gewinner Aston Villa an. Als erster Schiedsrichter außerhalb Europas darf Artan nun den Supercup leiten. „Als wir diesen Anruf erhielten, war das für meine Familie und mich ein sehr glücklicher Moment.“ Die weniger glücklichen Momente kennt Artan auch. Sein Vater starb früh, von seiner Mutter wuchs er getrennt auf. Vor allem über den Fußball bahnte er sich seinen Weg ins Glück und fand es schon in jungen Jahren in der Schiedsrichterei. Über Schulwettkämpfe und die somalische Liga ging es schnell bergauf, bis ins Finale der afrikanischen Champions League . „Ich hatte Glück, aber ich habe auch hart dafür gearbeitet, hier zu sein, und bin wirklich stolz“, sagte er. „Wie man sich vorstellen kann, bin ich unter schwierigen Umständen aufgewachsen, aber das hat mich nicht davon abgehalten, meine Träume zu verfolgen.“ Aus dem WM-Traum wurde aber ein Alptraum. Infantino: „Natürlich unglücklich“ Der Fall sei „natürlich unglücklich“, hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino damals erklärt. Schärfer im Ton war die Trump-Regierung: „Wir werden nicht zulassen, dass im Rahmen eines Fußballturniers zwielichtige Gestalten in die Vereinigten Staaten einreisen“, sagte Andrew Giuliani, Chef der WM-Taskforce des Weißen Hauses. Man müsse „sicherstellen, dass wir nicht die falschen Leute ins Land lassen“. In der Fußballwelt war die Entscheidung teils hart kritisiert worden. „Unglaublich und absurd“, nannte sie etwa Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter. „Verweigert ein Land einem Schiedsrichter die Einreise, ist das ein schwerwiegendes Problem, und die Weltmeisterschaft sollte nicht in einem solchen Land stattfinden.“ Selbst Annalena Baerbock meldete sich in der Debatte um Artan zu Wort. „Das ist eine Sache, die in dieser WM und nach der WM natürlich auch von der FIFA aufgearbeitet werden muss“, hatte die Präsidentin der UN-Generalversammlung gefordert. Ob und in welchem Umfang aufgearbeitet wurde, ist offen. Artans Botschaft lautet weiter: „Höre nie auf zu träumen.“