Eine Uhr für 40.000 Euro für den Sportfunktionär, dubiose Zahlungen und ein verschwundener Gründer: Die Ermittlungen um das Unternehmen Zondacrypto mischen Polens Politik auf. In Polen ist der Chef des Olympischen Komitees, Radosław Piesiewicz, wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden. Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen um die Kryptobörse Zondacrypto, teilte Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Jurek auf X mit. Die Ermittlungen um Zondacrypto weiten sich derzeit aus – auch Verbindungen des Unternehmens zu mehreren Politikern der früheren Regierungspartei PiS stehen im Fokus. Das mittlerweile bankrotte Unternehmen Zondacrypto war der Sponsor des Olympischen Komitees. Medienberichten zufolge soll Piesiewicz vom Betreiber der Kryptobörse eine Uhr im Wert von 40.000 Euro geschenkt bekommen haben. Im Gegenzug sollte sich Piesiewicz beim Vorsitzenden der Wettbewerbsbehörde sowie bei Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki für den Unternehmer einsetzen. Weltmeister schlägt Olympiasieger: Brasilianer gelingt Fabelweltrekord Piesiewicz bestreitet die Vorwürfe und sagt, er habe die Uhr in Raten bar bezahlt. Er fühle sich als „großes Opfer“, sagte er vor seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Kattowitz (Katowice). „Ich sage nur: Politik, Politik, Politik.“ Unternehmensgründer plötzlich verschwunden Das Mitte-Links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk wirft der rechtskonservativen Vorgängerregierung der PiS und dem ihr nahestehenden Präsidenten Karol Nawrocki vor, die Regulierung des Kryptowährungsmarkts bewusst blockiert zu haben – aus eigenem Interesse. Nawrocki hat bereits drei Mal Gesetzentwürfe per Veto blockiert, die Ordnung in den Markt bringen sollten. Zondacrypto ist in Polen schon seit Längerem in den Schlagzeilen. Ein polnischer Geschäftsmann hatte das Unternehmen ursprünglich gegründet, um Kleinanlegern die Möglichkeit zu bieten, in Kryptowährungen zu investieren. Doch 2022 verschwand der Mann unter dubiosen Umständen. Sein Nachfolger Przemysław Kral lebte zunächst in Monaco, soll sich aber nach Israel abgesetzt haben. Zuvor hatte Zondacrypto im April Liquiditätsprobleme angemeldet. Kurz darauf mehrten sich Berichte, dass Anleger Probleme mit der Auszahlung hatten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Geldwäsche, der Schaden wird auf mindestens 80 Millionen Euro geschätzt. Kryptobörse finanzierte Aktivitäten der Rechten Inzwischen prüfen die Ermittler auch, ob Zondacrypto gegen das Gesetz verstieß, als es diverse Aktivitäten der polnischen Rechten finanzierte. Dabei geht es um Gelder für eine Stiftung des Ex-Justizministers Zbigniew Ziobro und um das Sponsoring für die rechtskonservative amerikanische CPAC-Konferenz in Rzeszów im polnischen Präsidentenwahlkampf. Vize-Regierungschef Krzysztof Gawkowski sprach nun von einer „gigantischen Affäre“ um das Unternehmen und kündigte weitere Festnahmen an. Gawkowski sagte, man habe einen Kronzeugen, der auspacke. Nach Medienberichten soll es sich dabei um Zondacrypto-Chef Kral handeln.