Bundesliga: FC Bayern greift wieder an – ist der Meister noch stärker?

Der FC Bayern eröffnet am heutigen Freitag die neue Bundesliga-Saison. Wohin geht die Reise des Rekordmeisters? Auf den ersten Blick wirkt das Titelrennen in der Bundesliga bereits vor dem Saisonstart entschieden. Dortmund, Leipzig oder Leverkusen werden es auch in dieser Spielzeit schwer haben, mit Bayern München Schritt zu halten. Dafür ist der deutsche Rekordmeister einfach zu gut aufgestellt. Mit Vincent Kompany haben die Münchener nun auch wieder Beständigkeit auf der Trainerposition. Obendrein hat sich der FC Bayern sehr smart auf dem Transfermarkt verhalten. Der Vertrag mit Top-Verdiener Leon Goretzka wurde nicht verlängert, weil andere Optionen für das zentrale Mittelfeld bestehen. João Palhinha, dessen Verpflichtung ein Reinfall war, konnten die Münchener an Benfica abgeben. Zugleich hat sich Bayern mit Nathaniel Brown und Ismael Saibari clever verstärkt. Brown, der im Supercup gegen Borussia Dortmund ausnahmsweise als Zehner zum Einsatz kam, wird künftig die linke Abwehrseite verstärken. Vor Bundesliga-Start : Kompany verkündet Entscheidung bei Musiala Millionenverlust : FC Bayern verkauft Spieler Das ist umso wichtiger, weil der Fitnesszustand und die Verletzungsanfälligkeit von Alphonso Davies eine gewisse Unklarheit mit sich bringen. Der Kanadier hat in den vergangenen beiden Saisons wettbewerbsübergreifend (inklusive der Nationalmannschaft) 71 Partien verpasst. Davies könnte künftig auch mehr als linker Flügelstürmer zum Einsatz kommen, wie Sportvorstand Max Eberl andeutete: „Vielleicht kriegen wir Phonzy auch frei als Back-up für Luis Díaz , teilweise.“ Offensiv geht es um Feinheiten Saibari wiederum bringt mehr Flexibilität ins offensive Mittelfeld. Das ist umso wichtiger, weil aktuell nicht sicher ist, wie der FC Bayern mit Jamal Musiala planen oder eben nicht planen kann. Die Erkrankung des 23-Jährigen muss vom Verein mit allerhöchster Sensibilität behandelt werden. Insofern hat Kompany mit Saibari eine weitere Option für das offensive Mittelfeld im 4-2-3-1. Im Angriff sah es im Supercup am vergangenen Wochenende – zumindest im ersten Durchgang – erwartungsgemäß vielversprechend aus. Es ist davon auszugehen, dass Bayern wie schon in der Vorsaison jede Menge Offensivpower sowohl in der Liga als auch in der Champions League entwickeln wird. Aufgrund der nahezu unveränderten personellen Zusammensetzung des Kaders wird Kompany an den Feinheiten schleifen. Sicherlich ist es ein gewisses Vabanquespiel, dass mit Harry Kane nur ein Topstürmer zur Verfügung steht. Um aber dem Engländer kleinere Verschnaufpausen zu geben, haben die Bayern weiterhin Serge Gnabry als Alternative für die Spitze. Dazu hat Ismael Saibari für Marokko bei der WM auch teilweise im Sturmzentrum gespielt. Wenn es einen Knackpunkt bei den Bayern gibt, so betrifft das die Defensive des Rekordmeisters. Die individuelle Klasse der Hintermannschaft wird in vielen Bundesliga-Partien ausreichen, aber gegen Top-Teams wie Dortmund und Leipzig oder auch in den K.-o.-Runden der Champions League könnten sich wie im Vorjahr gewisse Schwächen auftun. Kompany scheint weiterhin auf eine aggressive Manndeckung zu setzen. Diese wurde im grandiosen Halbfinal-Hinspiel gegen Paris Saint-Germain (4:5) im April mehrmals ausgehebelt. Es bleibt beim Hochrisiko-Verteidigen Aufgrund der Manndeckung lassen sich beispielsweise die Außenverteidiger teilweise weit nach vorn ziehen. Die Restverteidigung ist damit ausgedünnt. Wird dann beim ersten Ballkontakt eines gegnerischen Offensivspielers nicht sofort der Zweikampf forciert und bestenfalls der Angriff gestoppt, kann die luftige Restverteidigung ins Schwimmen geraten. Bayern verteidigt gut, wenn man geordnet hinten steht, ist aber anfällig, wenn der Gegner in Umschaltangriffe gelangt und das Tempo etwa an der Mittellinie anziehen kann. Nun hätte man annehmen können, dass Kompany eventuell im Sommer das eine oder andere defensiv umstellt, wenngleich er einst nach dem Hinspiel gegen Paris meinte, dass diese Spielweise seinem Geschmack entspreche und er stets volles Risiko gehen würde. Gegen Dortmund im Supercup waren erst einmal keine nennenswerten Änderungen erkennbar. Bayern bleibt defensiv ein Hochrisiko-Team – und gerade den Innenverteidigern wird einiges abverlangt. Nun die schlechte Nachricht für die Bundesliga: In den meisten Ligaspielen wird man diese potenziellen Schwächen selten oder nie erkennen.