Tennis-Prämienstreit führt erneut zu Protestaktion

Aryna Sabalenka und Jannik Sinner setzen mit verkürzten Interviews in Wimbledon ein klares Signal: Sie wollen mehr Prämien-Gerechtigkeit für Tennisprofis abseits des Rampenlichts. Was steckt dahinter? Im Prämienstreit mit den Grand-Slam-Organisatoren haben einige Top-Tennisprofis auch in Wimbledon mit verkürzten Pressekonferenzen ein Zeichen gesetzt. Sie sprachen maximal 15 Minuten mit den Medien. „Wir versuchen, für etwas Größeres zu kämpfen, für andere Spieler. Wir versuchen im Grunde genommen einfach nur, den Spielern zu helfen, in dieser Welt zu überleben“, sagte die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka . Die Belarussin beendete ihre Pressekonferenz vor dem Turnier-Auftakt vorzeitig, bat nach rund acht Minuten die letzte Frage zu stellen und entschuldigte sich dafür. Vor dem Beginn der French Open in Paris hatten Profis ebenfalls ihre Zeit für Interviews begrenzt. Sabalenka hatte zuvor sogar gedroht, dass die Spielerinnen und Spieler ein Grand-Slam-Turnier boykottieren müssten. „Ich hoffe, wir setzen uns an einen Tisch, verhandeln und müssen nie wieder Medien oder ein Turnier boykottieren. Ich hoffe wirklich, dass wir zu einem guten Ergebnis kommen“, sagte sie nun in London. Sabalenka: Es geht nicht um die Topstars Hintergrund des Streits ist, dass die Spielerinnen und Spieler den Anteil an den steigenden Einnahmen als zu gering erachten. Die Begründung ist, dass vor allem Profis aus der zweiten und dritten Reihe mit einem höheren Anteil enorm geholfen wären. Tennisprofis reisen als Alleinunternehmer um die Welt, zahlen Trainer und Physiotherapeuten aus eigener Tasche. Nur wenige können sich das problemlos leisten. „Wir tun das für die Tour, nicht für uns selbst. Wir tun es für die anderen Spieler, die schon Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Trainer zu engagieren“, erklärte die viermalige Grand-Slam-Turniersiegerin Sabalenka. „Es ist kein leichtes Leben für Spieler, die in der Rangliste weiter unten stehen.“ So viel Geld steht in Wimbledon auf dem Spiel Beim Londoner Rasenklassiker werden in diesem Jahr 64,2 Millionen Pfund (rund 74,3 Millionen Euro) ausgeschüttet. Die Summe ist einmal mehr auf ein Rekordniveau angewachsen und 20 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Die Siegerin und der Sieger im Einzel verdienen jeweils 3,6 Millionen Pfund (rund 4,17 Millionen Euro). Wer in der ersten Runde verliert, reist mit 80.000 Pfund (rund 92.600 Euro) aus London ab. Regelmäßig werden die Preisgelder auch bei den anderen drei Grand-Slam-Turnieren angehoben. Sinner sieht Fortschritte Der serbische Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic beteiligte sich nicht an der Protest-Maßnahme. Der italienische Weltranglisten-Erste Jannik Sinner begrenzte dagegen ebenfalls seine Zeit, Fragen zu beantworten. Er sehe Fortschritte in den Verhandlungen, so der 24-Jährige. „Es wird besser, auch wenn wir noch nicht an dem Punkt sind, an dem wir zu 100 Prozent zufrieden sind“, meinte der Südtiroler. Es gehe „nicht nur um das Geld“, erklärte der Vorjahreschampion, und verwies auf die Notwendigkeit, die Bedingungen für die Spieler zu verbessern. Manchen Fragen zu dem Thema wich er aus, und er erklärte, er wolle über Tennis sprechen.