Antonelli nach Silverstone-Drama frustriert: «Es tut weh»

Kimi Antonelli wird wieder von seinem Mercedes im Stich gelassen. Das nagt an dem Teenager, dessen WM-Führung schmilzt. Ferrari greift nach seinem Jubiläumssieg an. Abgekämpft trat Kimi Antonelli nach seinem Formel-1-Drama von Silverstone vor die Mikrofone. Mehrmals kratzte er sich frustriert am Kinn. Ein Schaden an seinem Mercedes zwang den italienischen Teenager zum zweiten Mal in den vergangenen drei Rennen in die Knie und ließ seine WM-Führung in England schmelzen. Noch aus dem Cockpit hatte Antonelli in einer chaotischen Schlussphase verzweifelt SOS gefunkt – seinen defekten Silberpfeil bekam er aber nicht mehr in die Spur. „Es tut weh“, räumte der zerknirschte 19-Jährige nach zwei späten, ungeplanten Boxenstopps und einer Fünf-Sekunden-Strafe wegen regelwidrigen Verlassens der Strecke ein. „Das ist wirklich nur schwer zu akzeptieren.“ „Das Rennen hätte episch enden können“ Antonelli hatte mal wieder am Start seine Pole Position verloren. Nach einem hinausgezögerten Reifenwechsel war er aber drauf und dran, Sieger Charles Leclerc im Ferrari noch abzufangen. „Das Rennen hätte episch enden können“, meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach der nagenden Nullnummer seines Jungstars. „Unseren Berechnungen nach hätte er Charles sechs Runden vor Schluss mit den frischeren Reifen abfangen können.“ Stattdessen entspann sich bei seiner Aufholjagd auf den Führenden von Ferrari ein Drama – oder wie es die „Daily Mail“ formulierte: „Kimi Antonelli erlebt katastrophale letzte zehn Runden.“ Der Teenager bemerkte, dass an seinem Wagen etwas kaputtgegangen war. Er vermutete, dass bei der Fahrt über die Randsteine die Aufhängung gebrochen war. „Der Wagen war unfahrbar“, berichtete Antonelli, der in der WM-Wertung nur noch 25 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell hat. Der Engländer wurde trotz eines schleichenden Plattfußes Zweiter. Offenbar war ein Carbonteil an der vorderen Radabdeckung abgebrochen und hatte sich zwischenzeitlich verkeilt. Der erste Not-Stopp mit Austausch der Front brachte noch nicht die Lösung, Antonelli musste also ein zweites Mal unvorhergesehen in die Garage. Seine Lage wurde immer aussichtsloser, aber er wollte unbedingt weiterfahren, um noch irgendwie Punkte zu ergattern. Am Ende wurde Antonelli als 15. gewertet und blieb ohne Zähler. Ferrari feiert seinen 250. Grand-Prix-Sieg „Ich weiß, dass das Potenzial da ist“, stellte er fest. Nicht umsonst gelangen ihm in dieser Saison ja schon fünf Siege am Stück. Und den Sprint in England konnte er auch für sich entscheiden. „Ich muss alles rausholen, was ich selbst kontrollieren kann“, betonte Antonelli. Nutznießer war diesmal Leclerc, der erstmals seit Oktober 2024 wieder ein Rennen für sich entschied und gleichzeitig Ferrari den 250. Grand-Prix-Erfolg in der Geschichte der Scuderia bescherte. Ihr erstes Formel-1-Rennen hatten die Italiener ebenfalls in Silverstone 75 Jahre zuvor gewonnen. Leclercs Stallrivale Lewis Hamilton wiederum wurde vor seinen Heimfans Dritter. Und als WM-Dritter hat er vor den nächsten Rennen in Belgien und Ungarn am 19. und 26. Juli auch nur noch 32 Punkte Rückstand auf Antonelli. „Ferrari kann wieder um eine WM fahren“, meinte der frühere Formel-1-Pilot und Sky-Experte Ralf Schumacher . Antonellis Wagen wird unter die Lupe genommen Mercedes macht die Zuverlässigkeit zu schaffen. „Es ist ein hartes Entwicklungsrennen“, konstatierte Teamchef Wolff. Nicht nur Antonelli hat es in dieser Saison getroffen. Auch Russell musste schon in Monaco seinen defekten Wagen abstellen. „Da geht es um so viele Punkte. Wenn sich das weiter so summiert, können wir die Weltmeisterschaft nur gewinnen, wenn wir das in den Griff bekommen“, beschied Wolff. Antonellis Wagen wird nun in der nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernten Mercedes-Fabrik genau unter die Lupe genommen. Wolff erklärte, wonach gesucht wird: „Wo genau es passiert ist, warum es passiert ist und warum es so schwerwiegende Folgen hatte, dass er das Auto nicht mehr lenken konnte.“ Mit den Defekten soll bei Mercedes Schluss sein. Sonst sinken auch die Chancen auf die Weltmeisterschaft.