Olympia-Aus der Nordischen Kombination: Ein Verlust für den Wintersport

Die Nordische Kombination wurde vom IOC aus dem Olympia-Programm gestrichen. Das schwächt nicht nur die unterschätzte Sportart. Sie haben um die Existenz ihrer Sportart gekämpft – vergebens. Die Nordische Kombination wird bei den Olympischen Spielen 2030 nicht mehr zu sehen sein. Das hat das Internationale Olympische Komitee am Dienstagnachmittag entschieden. Für die Athletinnen und Athleten ist das mehr als ein herber Rückschlag. Es ist eine Entscheidung gegen eine Sportart, die über 100 Jahre Teil des olympischen Programmes war. Und das nur wegen des Geldes und der Vermarktung. Das IOC will auf Sportarten setzen, die mehr Zuschauer anziehen. Mehr Fans, mehr Ticketverkäufe und eben auch höhere finanzielle Einnahmen. Doch der Schaden, den es damit anrichtet, ist immens: nicht nur für die Nordische Kombination. Geschwächt wird auch der Skisport insgesamt. Die Frauen dieser Disziplin wurden noch nie bei den Olympischen Spielen zugelassen, auch in diesem Jahr nicht. Die Nordische Kombination war die einzige Sportart, in der nur die Herren antreten durften. Das IOC begründete das mit der jungen Historie der Damenwettbewerbe, der demnach schweren Vermarktung und der geringen Leistungsdichte. Es träten nicht genügend Nationen an. Statt sie gezielt zu fördern und zu vermarkten, nahm man den Athletinnen so die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu zeigen und das Gegenteil zu beweisen. Sie bekamen nie eine Chance. Die deutsche Kombiniererin Nathalie Armbruster kämpfte bereits vor Olympia um die Gleichberechtigung und den Start bei dem Großereignis. Sie betonte immer wieder, dass sie die Argumente des Frauen-Aus nicht verstehen könne. Recht hat sie: Ein Blick auf die vergangene Saison zeigt, dass die zehn Besten der Weltcup-Gesamtwertung aus sieben verschiedenen Nationen kommen. Auch bei den Punkten waren die Damen entgegen der Behauptung des IOC nah beieinander. Natürlich treten die Kombiniererinnen erst seit 2020/21 im Weltcup an, doch seitdem hat sich die Sportart rasant weiterentwickelt. Wie sollen sie nun künftig mehr Menschen für sich begeistern, wenn es abseits von Weltcup und Ski-Weltmeisterschaften keine Bühne für sie gibt? Auch für die Herren ist die IOC-Entscheidung ein schwerer Schlag. Dabei hatten sie bei ihren Winterspiel-Wettkämpfen in Tesero in diesem Jahr das Potenzial ihrer Disziplin bewiesen: Die Tribünen waren gut gefüllt. Die IOC-Präsidentin selbst war vor Ort und schien von der Stimmung beeindruckt zu sein. Und es darf nicht vergessen werden: Athletinnen und Athleten trainieren im Olympia-Zyklus. Alles ist auf diese vier Jahre zwischen den Spielen ausgerichtet. Jeder Sportler will in seinem Leben einmal an dem Großereignis teilnehmen. Nun müssen Athleten wie Armbruster und der deutsche Doppel-Olympiasieger Vinzenz Geiger ihren Trainingsrhythmus verändern. Weltmeisterschaften sind jetzt das Highlight, für das trainiert wird. Hallo, Lahti 2029 und Oberstdorf 2031, statt Olympia 2030 in den französischen Alpen. Der finnische Kombinierer und Bronzemedaillengewinner Eero Hirvonen warnte bereits im Februar, dass es ohne Olympia nicht möglich sei, „diese Art von Sport und diese Art von Professionalität aufrechtzuerhalten“. Doch auch der Skisport insgesamt ist von dieser Entscheidung betroffen. Die Nordischen Kombinierer und Skispringer teilen sich oftmals die Schanzen. Das fängt bereits im Jugendalter an. Bei den kommenden Winterspielen in den französischen Alpen werden 2030 auf der Normalschanze dann nur noch zwei statt fünf Wettbewerbe ausgetragen. Lediglich die Skispringerinnen und Skispringer werden dort dann starten. Ohne den olympischen Status einer Sportart drohen Kürzungen. Die Schanzen werden aktuell aber auch durch die Mittel der Nordischen Kombination erhalten. Langfristig wird das in dem Umfang nicht mehr möglich sein. Das Olympia-Aus hat somit auch Konsequenzen für die Wintersportvereine. Sollten Schanzen-Anlagen geschlossen werden, würde das auch das Skispringen betreffen, die Region der Vereine und die Nachwuchsprogramme. Zumal es zahlreiche Athletinnen und Athleten gibt, die in der Nordischen Kombination angefangen und sich erst später auf eine Sportart, wie Skispringen oder Langlauf spezialisiert haben. Hinzu kommt, dass Sponsoren meist auf Sportarten setzen, die sichtbar sind. Nicht nur in Weltcups, sondern eben auch auf der großen Bühne Olympia. Unternehmen könnten ihr finanzielles Engagement nun überdenken und das in einer Zeit, in der es die Nordische Kombination mehr denn je bräuchte. Die Athletinnen und Athleten der Nordischen Kombination können nur hoffen, dass sich der Internationale Skiverband Fis nach der Abwahl des umstrittenen Präsidenten Johan Eliasch und mit Neu-Präsident Alexander Ospelt nun erst recht für die Disziplin einsetzt. Sie müssen aber auch bei Weltmeisterschaften zeigen, wie attraktiv ihre Sportart tatsächlich ist. Eine kleine Chance bleibt, dass dann das IOC seine Entscheidung vielleicht noch einmal überdenkt. Für 2030 ist die Olympia-Tür erst einmal zu. Aber das Programm wird immer ein paar Jahre im Voraus festgelegt. 2034 finden die Spiele in Salt Lake City statt. Vielleicht ist die Nordische Kombination dann wieder dabei – verdient hätte sie es.