Wintersport: Tochter von Ex-Olympionikin Piller stirbt bei Geburt

Es sollte einer der schönsten Tage in Marina Pillers Leben werden. Der Moment wehrte jedoch nur kurz. Dann blieb sie ahnungslos zurück. Die ehemalige Skilangläuferin Marina Piller hat erstmals ihre Erfahrungen rund um den Tod ihrer Tochter geteilt. Im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere del Veneto“ sagte sie: „Kaum war meine Tochter zur Welt gekommen, nahmen die beiden Hebammen, der Anästhesist und die Gynäkologin sie mit und brachten sie weg.“ Piller und ihr Mann blieben ohne eine Erklärung zurück. Der Grund: Die Ärzte wollten versuchen, „sie wiederzubeleben“. Am 10. Juli 2019 brachte die ehemalige Athletin, die bei den Olympischen Spielen 2014 für ihr Heimatland Italien teilgenommen hatte, im Krankenhaus von Tolmezzo ihre Tochter Viola zur Welt. Doch unmittelbar nach der Geburt wurde das Neugeborene aus dem Kreißsaal gebracht. Dabei verlief zunächst alles unauffällig: „Meine Fruchtblase ist geplatzt, und als ich im Krankenhaus ankam, wurde die erste Überwachung durchgeführt. Sie war perfekt. Bis zu diesem Zeitpunkt ging es dem Baby sehr gut“, schilderte Piller. Die heute 41-Jährige fühlte sich damals im Stich gelassen. „Ich war es, die gespürt hat – und auch mehrfach gesagt hat –, dass etwas nicht stimmte.“ Die Ärzte meinten aber nur, dass es „die Natur“ sei und Piller Geduld haben solle. Die Herzkurve des Babys wurde pathologisch, war also nicht mehr im normalen Bereich. „Laut Gutachten hätte man sofort mit einem Kaiserschnitt eingreifen müssen, wie es die Leitlinien vorsehen“, sagte Piller, die davon erst nach dem Tod ihrer Tochter erfuhr. Viola kam „sofort in einen anderen kleinen Raum. Für uns war das ein Schock“, erinnerte sie sich zurück. Mehr als 800.000 Euro Entschädigung Piller habe in der Vergangenheit den Austausch mit den Krankenschwestern und den Ärzten gesucht, „aber sie haben sich nie gemeldet. Menschlich hätte das einen Unterschied gemacht“. Die frühere Sportlerin und ihr Mann erhielten vergangenen April mehr als 800.000 Euro Entschädigung. Das Urteil ist rechtskräftig geworden, weil die Gesundheitsbehörden keine Berufung eingelegt hatten. Das Baby starb nach Auffassung des Richters an den Folgen mangelnden Sauerstoffs, vermutlich verursacht durch eine Kompression der Nabelschnur. Das Geld interessiere die Familie nicht, „denn niemand wird uns Viola jemals lebendig zurückgeben können“. Piller betonte: „Meine Tochter hatte das Recht zu leben, und wir hatten das Recht, sie aufwachsen zu sehen. Wir wollen ihr Gerechtigkeit und Würde geben.“ Deswegen entschied sie sich auch für den Weg vor das Gericht. „Ich möchte dazu beitragen, dass Tragödien wie unsere nicht mehr passieren. Ich spreche darüber, damit so etwas nicht noch einmal passiert.“ Das Geld soll in ein Projekt für Menschen mit Behinderung fließen.